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Szenisches Spiel mit Grammatik

Von | 2018-04-12T08:11:49+00:00 16. April 2018|Deutsch, Unterrichten|0 Kommentare

Wir wissen, was für eine gute Unterrichts-Zutat das entdeckende Lernen ist! Was entdecken Kinder beim Szenischen Spiel? Ganz im Sinn des alten Didaktischen Dreiecks entdecken sie sich selbst, sie entdecken Neues, Interessantes, Vielfältiges – und vielleicht auch etwas mehr über ihre Lehrerin.

Bisher war das Szenische Spiel in Verbindung mit Geschichten, Märchen, Texten und Gedichten das Ziel meines Erfahrungsberichts. Heute möchte ich über den szenischen Grammatik-Unterricht mit meinen Schülern berichten.


Die wörtliche Rede

Szenisches Spiel – auch wenn es oft ohne Sprache, also pantomimisch stattfindet – ist als kommunikatives Element besonders dafür geeignet, die wörtliche Rede einzuführen.

Erwärmung:

Wie immer steht am Anfang der Stunde eine Erwärmung. Ich bitte also die Kinder sich im Raum zu bewegen ohne zu sprechen. Sie sollen sich eine Botschaft überlegen, die sie später ihrem gewählten Partner ohne Worte vorspielen werden. Es soll eine kurze Botschaft sein, vielleicht eine Aufforderung  etwas mit ihnen zu machen, ihnen etwas zu zeigen; sie können aber auch nonverbal nach etwas fragen oder sie erzählen stumm, was sie heute oder vor einiger Zeit  erlebt  haben.

Wer eine Botschaft gefunden hat, bleibt einfach stehen. Wenn alle Kinder stehen, fordere ich sie auf sich einen Partner zu suchen. Wessen Name zuerst im ABC vorkommt, beginnt dem anderen seine Botschaft vorzuspielen. Der Partner darf laut seine „Übersetzung“ äußern. Sobald der Spieler mit der Lösung einverstanden ist, darf der andere seine Botschaft vorspielen.

Im Stuhlkreis, bzw. in der U-Form, damit Platz für die Bühne ist, frage ich die Kinder, welche Botschaften sie erfolgreich entschlüsselt haben, also: Was wollte dir dein Partner mitteilen?


Erzählsatz, Fragesatz, Aufforderungssatz

Alle drei Satzarten kamen bei den Kindern vor:

  • Los, komm, wir wollen Fußball spielen! (Aufforderung)
  • Ich habe heute Morgen auf dem Schulweg einen Handschuh gefunden. (Erzählsatz)
  • Kann ich etwas aus deiner Trinkflasche trinken? (Fragesatz)

Und vieles mehr.

Wir stellten nun fest, dass es einfacher und eindeutiger ist, einen Satz zu sprechen als zu spielen.

Nun verwies ich die Kinder auf Texte, zum Beispiel Märchen. Ob sie sich an bestimmte Sätze, die gesprochen wurden, erinnern konnten.

Sie erinnerten sich und gaben viele Beispiele an: „Lass dein Haar herunter…“ – „Ach wie gut, dass niemand weiß…“  – „Knusper, Knusper, Knäuschen…“  usw.

Auf die Frage, woran sie die gesprochenen Worte erkennen könnten, kam sofort die Antwort: An den Zeichen!


Die Zeichen der wörtlichen Rede

Wir sammelten sie gemeinsam:

  •             die Anführungszeichen unten (zu Beginn) und die
  •             Abführungszeichen oben (am Ende) des Gesprochenen
  •             den Doppelpunkt
  •             das Schlusszeichen als Punkt, Ausrufezeichen, Fragezeichen (Komma)

Dann einigten wir uns noch auf den Begriff des Begleitsatzes, der verrät, WER etwas sagt.


In-Szene-Setzen der wörtlichen Rede

Jedes Zeichen sollte nun auf der Bühne in einer Rolle dargestellt werden. Die Kinder experimentierten wie wild. Nach einer längeren Probierphase einigte sich die Klasse und legte die Zeichen wie folgt fest:

Anführungszeichen unten:  Kind geht in die Hocke und streckt beide Arme  nach oben
Anführungszeichen oben: Kind steht aufrecht und streckt beide Arme nach oben
Doppelpunkt: ein Kind rollt sich auf dem Boden kauernd mit rundem Rücken zur „Kugel“, das andere stülpt sich ebenfalls mit rundem Rücken darüber
Ausrufezeichen:  Kind stellt sich steif auf einen Stuhl und zeigt streng mit geschlossenen Armen nach unten
Fragezeichen: Kind formt durch die Biegung seines Körpers ein Ungefähr-Fragezeichen
Gesprochener Text: Kind legt sich längs seitlich auf den Boden und stützt gemütlich den Kopf auf
Begleitsatz: Kind soll ein Namensschild tragen, wer gerade  spricht.

Später ergänzten wir noch ein Kind, das ein Schild mit dem Verb tragen sollte, je nachdem ob es um rufen, schreien, sagen, flüstern… ging. Nun begann die Umsetzung der Sätze aus der Erwärmung. Dazu ordneten sich die Kinder selbständig zu einem Beispiel auf der Bühne:

Marie sagt: „Ich habe einen Handschuh gefunden.“

Felix (Namensschild „Marie“), Ali und Lisa (Doppelpunkt), Nelli („), Lukas (Text), Emil (Punkt), Mia (Striche oben)


Sicherung der Ergebnisse

Damit es keine Missverständnisse gab, interviewte ich die Kinder zu ihren Rollen.

  • „Wer bist du?“
  • „Ich bin Marie.“
  • „Was machst du? Was ist deine Aufgabe?“
  • „Ich bin der Begleitsatz und spreche gleich etwas.“

Weiter geht es –

  • „Und wer seid ihr?“
  • „Wir sind der Doppelpunkt, wir stehen vor der wörtlichen Rede!“ usw.

Nach der Fertigstellung „fotografieren“ wir das Bild der wörtlichen Rede im Kopf um es zu sichern. Natürlich haben wir noch viele weitere Sätze gespielt, damit jeder in der Klasse einmal eine Rolle übernehmen konnte. Die Kinder wurden nicht müde, nun auch alle anderen Kombinationen der wörtlichen Rede auf der Bühne auszuspielen:

  • Frau Rinderle fragt: „Habt ihr alle die Hausaufgaben gemacht?“ oder
  • „Spielst du mit mir Fangi?“ fragt Mathilde oder:
  • „Oskar ruft: “Ich will auch mitspielen!“ …

Ein Beispiel hielten wir an der Tafel fest ( in einfacher Strichzeichnung), so zu sagen als Prototyp. Diese Zeichnung übertrugen die Kinder auf ihre Weise in ihr Merkheft:

Wann immer die wörtliche Rede im Unterricht eine Rolle spielte, hieß es von den Kindern: „Ich war das Fragezeichen…die Anführungsstriche…der Punkt…der Begleitsatz…“ Was gesagt wurde, vergisst man schnell, eine gespielte Rolle (fast) nie!


Spiel mit zusammengesetzten Nomen

Das sollte sich auch beim Spiel mit den zusammengesetzten Nomen zeigen, dass man seine Rolle nicht mehr vergisst!
Nachdem ich bemerkt hatte, dass einige Kinder noch Fehler machten beschloss ich, eine Rollenspiel-Stunde anzusetzen.

In jeder Grundschulklasse oder Familienklasse, in der noch alle Leistungs- und Entwicklungsstufen munter nebeneinander vertreten, sind gibt es immer auch Kinder, die schon mehr wissen als andere. Also fragte ich in die Runde, ob jemand mir ein Nomen nennen könnte.


Was ist ein Nomen?

Viele Kinder meldeten sich.

„Woher weißt du, dass es ein Nomen ist“
„Weil es groß geschrieben wird!“
„Wer hat vorhin ‚Baum’ genannt?  Komm vor auf die Bühne und zeige mir, wie groß du als Nomen bist!“
Ella reckt sich auf de Zehenspitzen.
„Zeige mir noch deutlicher, wie groß du bist“

Ein anderes Kind holt einen Stuhl. Ella steigt darauf. Ich nicke zufrieden

„Gibt es noch einen ‚Beweis’, warum ‚Baum’ ein Nomen ist und groß geschrieben wird?“
„Es hat einen Begleiter (Artikel) sagt David, ‚der’!“
David darf auf die Bühne kommen, stellt sich links von Ella neben den Stuhl. Ella bekommt von mir ein Schild BAUM, David ein Schild mit der – sie sprechen: „der“ und „Baum“ – alles klar.


Das zweite Nomen kommt ins Spiel

Nun suchen wir ein zweites Nomen. „Haus“ wird ausgewählt. Mia stellt sich auf einen zweiten Stuhl, links von ihr Emil, der den Begleiter „das“ spielt. Sie lesen: „der – Baum – das – Haus“.

Nun wird es spannend, denn beide Nomen sollen zu einem zusammengesetzten Nomen werden. Die Kinder agieren selbständig. David = „der“ wird bedauernd auf seinen Platz zurück geschickt, Emil = „das“ rückt ganz nach vorne, Ella bleibt auf dem Stuhl stehen, Mia muss auf den Boden zurück und klein werden, darf sich aber mit Ella verbinden – sie fassen sich fest an den Händen, bzw. haken sich ein. Beide erhalten nun von mir ein Schild: BAUMHAUS. Dazu entwickeln wir wieder ein Bild für unser Merkheft:

Noch einmal möchte ich erwähnen: Wann immer wir ein Nomen oder einen Begleiter im Unterricht brauchten, schossen Ella und David, Mia und Emil von ihren Plätzen…

In einer fernen Stunde ist es dann bloß ein kleiner Weg zur Substantivierung der Verben und Adjektive zu kommen oder zu Kombinationen wie „Lesebuch“ (lesen + Buch) oder „Schönschreiben“ (schön + das Schreiben).

Die Beispiele zeigen, wie mühelos Grundschulkinder so etwas Abstraktes wie Nomen oder einen Doppelpunkt in einer Rolle lebendig werden lassen und damit verinnerlichen und nachhaltig speichern.


Spiele mit dem Wortstamm

Ich kann es nicht lassen, noch ein weiteres Rollenspiel mit grammatikalischem Thema zu beschreiben: Wortstamm und Wortfamilie. Sie können sich bestimmt schon denken, dass wir ein Kind für die Rolle des Wortstamms auf die Bühne holen, z.B.

 Ich habe Kärtchen vorbereitet für die Personalpronomen (ich, du, er….), sowie für die Endungen: (-e, -st, -t, -en) und für vorangestellte Wortbausteine (auf – ab – zu – ent – vor – ver – be…. Eine Sonderrolle wird noch vergeben, die ä-Strichelchen!

Dieser Spieler stellt sich hinter das Wortstamm-Kind und reckt dann immer die Arme in die Höhe, sobald der Umlaut gefordert ist: du  fähr  st.

Vorangestellte Wortbausteine, Endungen, zusammengesetzte Nomen, die vielen Mitglieder der Wortfamilie „fahren“ tummeln sich bald – natürlich geordnet nacheinander – auf unserer Bühne:

 

*Vorher haben wir ja die zusammengesetzten Nomen geübt!

Selbstverständlich wird hinterher alles wieder im Merkheft aufgemalt und beschrieben.

Ich bin mir sicher, dass Ihnen noch viele Eisatzmöglichkeiten im sonst so schwer vorstellbaren Grammatik-Unterricht einfallen – mit der problemlosen Rollenübernahme der Kinder und deren erstaunlicher Fantasie und Kreativität dürfen Sie rechnen.

Wenn Sie immer noch neugierig sind auf weitere Szenische Unterrichtsbeispiele können Sie bald über meine Erfahrungen mit „Texte verfassen“ lesen und was man sonst noch im Deutschunterricht machen kann.

Ich freue mich, wenn Sie wieder dabei sind und wünsche viel Spaß beim Umsetzen!

Bettina Rinderle

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