Grundschul-Blog
Gemeinsam Unterricht gestalten

Fördern der Mengenerfassung mit Apps

In der Sonderpädagogik, insbesondere im Förderschwerpunkt geistige Entwicklung wird zu Beginn der Schulzeit häufig im Pränumerischen Bereich gearbeitet, d.h. die Schülerinnen und Schüler arbeiten noch nicht mit Zahlen und Ziffern. „Untersuchungen hierüber belegen seit vielen Jahren, dass der Ausgangspunkt für den Aufbau des Zahlbegriffs spezifisch numerische Kompetenzen sind, insbesondere das Zählen und das Subitizing, und nicht Aktivitäten ohne Zahlen“ (Moser Opitz, Schnepel, Ratz, Iff, 2016, 129). Es gibt Meinungen, wonach die Förderung pränumerischer Kompetenzen nicht zu einem gefestigten Zahlbegriff führt (vgl. Siegemund, 2017, 68). Es wird davon ausgegangen, dass bei Schülerinnen und Schülern mit sonderpädagogischem Förderbedarf sich die Fähigkeiten wie bei regelentwickelten Kindern herausbilden und eine Sonderdidaktik wird abgelehnt. Als besonders geeignet werden Materialien erachtet, die die „Kraft der Fünf“ bzw. die „Kraft der Zehn“ verwenden (vgl. Ratz, Moser Opitz, 2015, 15). Anhand dieses Materials können Kinder mathematische Beziehungen von Mengen und Teilmengen entdecken.

Ungeordnete Mengen bis vier lassen sich auf einen Blick erfassen, was auch als Simultanerfassung bezeichnet wird. Ein anderes Wort dafür ist das so genannte Subitizing.

Beim Quasi-Simultanerfassen geht es um das Erfassen von mehr als vier Elementen einer Menge unter zu Hilfenahme von strukturiertem Material, welches die „Kraft der Fünf“ bzw. die „Kraft der Zehn“ berücksichtigt. „Größere Anzahlen werden quasi-simultan erfasst, d.h. durch eine visuelle Strukturierung werden Gruppen gebildet … Dieses Erfassen von strukturierten Anzahlen ist eine wichtige Kompetenz, um später Rechenfähigkeiten zu entwickeln, die nicht auf Abzählen an den Fingern oder auf einem anderen Hilfsmittel beruhen“ (Moser Opitz, 2012, 259). Moser Opitz betont die Bedeutung die Verwendung von strukturiertem Material, welches die Zehner-Struktur berücksichtigt. „Für den Erwerb der Addition und Subtraktion und die Vorbereitung auf das Automatisieren des Einspluseins bzw. des Einsminuseins (Addition und Subtraktion im Zahlenraum bis 20) ist die Arbeit mit dem Zwanzigerfeld … von großer Bedeutung. Die Fünfer- und Zehnerstrukturierung des Feldes erlaubt es, Anzahlen bis 20 quasi-simultan zu erfassen“ (ebd.). Damit ist nun die theoretische Bedeutsamkeit des Subitizing und die Verwendung vom strukturiertem Material dargestellt. Als nächstes wird geklärt, in welchen Apps diese methodischen Hinweise berücksichtigt werden.


In der App Blitzrechnen 1 (von Klett) findet man Übungen zum Simultan- und Quasi-Simultanerfassen und die Kraft der Fünf bzw. Kraft der Zehn werden stets berücksichtigt. Ebenfalls bei der App Blitzrechnen 2 (von Klett) werden diese Prinzipien im Zahlenraum 100 beachtet.

Blitzrechnen 1-4

Blitzrechrechnen 2 Wie viele

Des Weiteren sind die Apps von Christian Urff zu nennen, welche die Kraft der Fünf bzw. die Kraft der Zehn als Basis haben. Die App „Fingermengen“ zeichnet sich durch ihre besondere Interaktivität aus, da genauso viele Finger auf den Screen gelegt werden müssen, wie die Menge abgebildet ist. Hierbei kommen unterschiedliche Mengenbilder zum Einsatz, tw. unstrukturierte sowie strukturierte Mengendarstellungen.

Fingerzahlen – Fingermengen (Christian Urff)

Die genannten Apps eignen sich für Blitzblickübungen und ergänzen traditionelle Arbeitsmittel, die man üblich im Mathematik-Unterricht einsetzt. Bedingt durch die verschiedenen Differenzierungsmöglichkeiten sind diese Apps auch für die Inklusion geeignet.

Igor Krstoski

Literatur:

  • Moser Opitz, E. (2012): Erstrechnen.
    In: Wember, U.; Wember, F. (Hrsg.): Didaktik des Unterrichts im Förderschwerpunkt Lernen: ein Handbuch für Studium und Praxis. Stuttgart: Kohlhammer, S. 253-265.
  • Moser Opitz, E., Schnepel, S., Ratz, C. & Iff, R. (2016): Diagnostik und Förderung mathematischer Kompetenzen.
    In: Kuhl, J.; Euler, N. (Hrsg.): Evidenzbasierte Diagnostik und Förderung von Kindern und Jugendlichen mit intellektueller Beeinträchtigung. Göttingen: Hogrefe, S. 123-152.
  • Siegemund, S. (2017): Mathematikunterricht für Schülerinnen und Schüler mit dem Förderschwerpunkt geistige Entwicklung.
    In: Behinderte Menschen, 6, S. 67-70.
  • Ratz, C.; Moser Opitz, E. (2015): Aktiv-entdeckendes Lernen im Mathematikunterricht.
    In: Lernen konkret, 3, S. 14-15.
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Über den Autor

Igor Krstoski

Berufliche Tätigkeit: Ich bin seit 2008 Sonderschullehrer für die Fachrichtungen körperlich-motorische sowie geistige Entwicklung. Bedingt durch meine Erfahrungen mit SchülerInnen ohne expressive Lautsprache habe ich mich weitergebildet im Bereich der Unterstützten Kommunikation. Die Erkenntnis, dass Medien eine Funktionsbeeinträchtigungen kompensieren können, hat mich seit meinem Vorbereitungsdienst begleitet. Seit 2014 bin ich Redaktionsmitglied in der Zeitschrift für Unterstützte Kommunikation. Seit 2011 bin ich Multimediaberater. Es hat mich gereizt, den sinnvollen Einsatz digitaler Medien im Unterricht zu etablieren, ohne dabei den Fokus nur auf die Technik zu richten. Dank einer großzügigen Spende und einer sehr engagierten Kollegin hatten wir die Möglichkeit iPads fürs Lernen anzuschaffen. Seitdem konnte ich vielseitige Erfahrungen sammeln und mein Know-How ergänzen. Für das Land Baden-Württemberg durfte ich eine Fortbildungskonzeption zum Thema „Digitale Medien und Sonderschule“ erstellen. In der Lehrerfortbildung bin ich daher seit mehreren Jahren aktiv. Die Module der Fortbildungsreihe geben auch gut meine Themenschwerpunkte wieder: Einsatz digitaler Medien im Bereich der Unterstützten Kommunikation, Digitale Medien für Menschen mit motorischen Beeinträchtigungen, Arbeitsmaterialien erstellen, das Tablet und seine Einsatzmöglichkeiten bei Schülerinnen und Schülern mit sonderpädagogischem Förderbedarf. Seit 2015 bin ich abgeordnet an die Pädagogische Hochschule Ludwigsburg in der Abteilung körperlich-motorische Entwicklung und bin dort in der Lehre tätig. In den letzten Jahren habe ich ein paar Beiträge und Artikel verfasst, die das Thema Medien und Sonderpädagogik beinhalteten. Des Weiteren halte ich Workshops, Vorträge sowie Lehraufträge an Universitäten zu den genannten Themen. Wenn Zeit bleibt, wird auch noch gebloggt. Unter dem UK-App-Blog findet man die Dokumentation meiner Erfahrungen mit Medien in der Sonderpädagogik – als Lernmedium oder als Hilfsmittel in der Unterstützten Kommunikation. Was mir Spaß macht: Lesen und Zeit mit meiner Familie verbringen.

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