Lernfortschritte sichtbar machen
Hallo liebe Kolleginnen und Kollegen, heute geht es um das kleine 1+1 und wie wir es mit grundlegenden Vorstellungen und Handlungen verknüpfen und mit Verständnis aufbauen können bis hin zur Automatisierung. Gleichzeitig wollen wir unseren Kindern ihre Lernfortschritte sichtbar machen und damit eine Lernhaltung des „Growth Mindset“ unterstützen (ich kann etwas noch nicht, bleibe dran, mache Fortschritte in kleinen Schritten, mache Fehler, die wichtig sind, damit wir daraus lernen können, halte durch und mache weiter und feiere meine Erfolge).

Am Beginn der Einheit bekamen die Kinder eine Übersicht mit welchen Lernschritten wir uns dem Ziel 1+1 (121 Aufgaben) lernen nähern. Dies war im Prinzip eine Themenleine an der unser Pfeil immer weiter wanderte, um den Fortschritt zu verdeutlichen. Man könnte dies auch mit Taskcards darstellen und die einzelnen Lernschritte in die Spalten „zu erledigen“, „in Arbeit“ und „erledigt“ zuordnen. Auch darüber würden die Kinder das Fortschreiten im Thema mitbekommen. Im 1. Schuljahr kann man die einzelnen Etappen mit Bildern unterstützen bzw. liest den Punkt immer wieder vor, an dem man gerade arbeitet.
Zu diesem Zeitpunkt hängten wir auch schon eine leere 1+1 Tafel auf, die in den nächsten Wochen mit Aufgaben gefüllt und strukturiert werden sollte.
Wie fange ich an? Plusgeschichten
Wir beginnen damit Rechengeschichten zu erzählen und zu spielen. Hier gibt es Geschichten zum Dazukommen und Weggehen. Beides kann man gut in Handlungen zeigen und auch erzählen (Vögel kommen zum Futterhaus und fliegen weg oder Gläser werden aufgetischt bzw. abgeräumt). Die Kinder sollten dies auch nachspielen. Besonders wichtig ist es aber, dies sprachlich zu begleiten. Dieses Jahr fiel uns auf, dass einige Kinder Schwierigkeiten hatten im Anschluss Situationen nur mehr additiv zu deuten. Bei jeder Handlung versuchten sie, auch eine Weg-Situation hineinzusehen, was gar nicht das Ziel war. Aus diesem Grund würden wir demnächst beim Erzählen und Spielen von Situationen zunächst einen Schwerpunkt auf „dazu“ legen und später das „weg“ thematisieren. Wenn beides bekannt ist, kann man natürlich auch lernen, Bilder auf beides hin zu deuten.

Grundschul-Blog-Unterrichten-Mathematik-Zahlenbuch-121-Aufgaben-Seite58
Nachgebaut aus Zahlenbuch 1 (2022) | Seite 58
Die Kinder schrieben zu Bildern verschiedene passende Plusaufgaben und mussten auch hinterfragen, ob Aufgaben zu einer Situation passen. Hier ist es wichtig auch deutlich zu machen, dass manche Aufgaben nicht passen, denn die Kinder neigten dazu, die Bilder so umzudeuten, Geschichten anders zu erzählen bis schließlich alle vorgeschlagenen Aufgaben passten. Ein tolles Hilfsmittel in dieser Phase war der Einsatz der I-Pads. Oft tun sich Kinder schwer, Situationen zu Plusgeschichten zu malen, nicht weil sie keine Ideen dazu haben, sondern weil sie mit ihren Fähigkeiten zum Darstellen nicht zufrieden sind. So werden Herzchen addiert oder kleine plus große Bälle. Ganz anders war es mit der Bereitstellung der I-Pads. Die Kinder durften Szenen bauen z.B. mit Spielfiguren oder mit den Gegenständen in der Klasse und haben davon Fotos gemacht. Diese konnten anschließend gezeigt werden und alle überlegten die Geschichten und Aufgaben dazu.
Kinderlösungen nach Anregung S.59 Zahlenbuch 1 (2022)
Die Kinder waren höchst motiviert. Wer schon Erfahrungen mit der App Bookcreator hat, kann diesen ebenfalls super nutzen. Wir führten zunächst ca. ein Drittel der Klasse in einer Kleingruppenstunde in die Benutzung ein. Anschließend arbeiteten diese Experten mit je zwei weiteren Kindern zusammen an einer Seite zu Plusgeschichten. Fotos wurden eingefügt und Plusgeschichten erzählt. Dies geht in dieser App einfach über eine Aufnahmefunktion. Es kann so oft probiert werden bis man mit dem Bild, der Geschichte zufrieden ist. Die Kinder können Aufgaben dazu schreiben oder kleine Motive zu Bildern zusammenstellen. Das war sehr motivierend und sie nutzen das neue Medium gleichzeitig, um ihre mathematischen Ideen zu Plusgeschichten umsetzen zu können.
Um das Legen kommt man nicht herum
Nachdem wir uns mit Plusaufgaben in der Umwelt beschäftigt hatten, ging es dann um das Legen von Plusaufgaben. Die Kinder müssen lernen Plusaufgaben auf einen Blick am Zwanzigerfeld zu sehen und abzulesen. Hier begegnet einem automatisch (wie bei den Zahlenhäusern schon) das Thema Tauschaufgaben wieder, indem man die Felder einfach dreht.
Damit Kinder Aufgaben vor dem Ausrechnen lernen zu betrachten und sich zu fragen, hilft mir etwas für diese Aufgabe, kann ich sie mir einfacher machen, muss man sie zwingen zuerst die einfachere Aufgabe der beiden Tauschaufgaben zu markieren. Darüber muss man auch mit ihnen sprechen, denn zunächst gibt es auch einige Kinder, die 2+7 einfacher finden als 7+2. Zu merken, dass ich mit einer vorderen großen Zahl schneller am Ziel bin, weil nur wenig dazu kommt, ist nicht für alle sofort logisch. Man sollte immer wieder auf das Legen zurückkommen und fragen, was musst du tun. Damit habt ihr die Grundlagen, um nun den Blick auf alle 1+1 Aufgaben im Zahlenraum bis 20 zu legen und sie zu strukturieren.
Dazu kommen wir im Teil 2.
Hier geht’s zu Teil 2 des Blogbeitrags: 121 Aufgaben im 1+1 – Wir bauen unsere eigene 1+1-Tafel

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Auszug Zahlenbuch 1 (2022) | Seite 63





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