Grundschul-Blog
Gemeinsam Unterricht gestalten

Kopierer kaputt, Kaffee leer – ein Versuch, im Schulalltag nicht unterzugehen

Der Schulalltag fühlt sich manchmal an wie eine wilde Achterbahnfahrt: Es geht rauf und runter, Kurven kommen unerwartet, und kaum hat man das Gefühl, den Überblick zu haben, wird man wieder ordentlich durchgeschüttelt. Zwischen spontanen Vertretungsstunden, vergessenen Arbeitsblättern, Papierstau am Kopierer und leeren Kaffeekannen bleibt oft kaum Zeit zum Durchatmen.

Über die Jahre habe ich für mich persönlich ein paar Strategien gesammelt, die mir im Alltag helfen, nicht den Halt zu verlieren – und am Ende des Tages sagen zu können: Es war anstrengend, aber es hat sich gelohnt.

1. To-Do-Listen mit System

Wenn man morgens ins Lehrerzimmer stürmt, um die letzten Arbeitsblätter zu kopieren, der Kopierer mal wieder streikt, man in Gedanken das Elterngespräch am Mittag durchgeht und nebenbei die nächste Unterrichtsreihe plant, endet der Tag oft mit der Frage: Was habe ich heute eigentlich geschafft? – und der einzigen klaren Antwort:

„Ich weiß jetzt, wie man Papierstau mit sanfter Gewalt löst.“

Foto einer hangeschriebenen To-Do-Liste mit Prioritäten und einem Stift

Genau deswegen arbeite ich mittlerweile mit einer To-do-Liste, die mehr ist als eine bloße Aufgabenauflistung. Ich verwende ein Punktesystem:

  • Ein Punkt bedeutet, ich habe noch etwas Luft;
  • zwei Punkte heißen, es wird langsam eng, und
  • drei Punkte zeigen: Höchste Zeit, loszulegen!

Das Praktische daran: Ich kann die Prioritäten im Laufe der Woche flexibel anpassen. Aufgaben, die zu Beginn noch unter „später reicht auch“ fallen, erhalten nach und nach mehr Punkte und werden dadurch als dringender gekennzeichnet – ohne dass ich den Überblick verliere und die Liste ständig neu schreiben muss.

Ich hangele mich im Schulalltag an der Liste entlang, damit ich mich nicht in Dingen verliere, die (noch) gar nicht so dringend sind.

Das Punktesystem ist kein Wundermittel – aber es hilft mir, etwas Struktur ins Chaos zu bringen.

2. Effektive Vorbereitung – Prioritäten setzen und Gelassenheit üben

Eine To-do-Liste ist gut – aber sie wirkt nur dann richtig, wenn ich auch weiß, was wirklich wichtig ist. Daher betrifft ein weiterer Aspekt, der mir persönlich sehr wichtig ist, die Vorbereitung.

Ich habe gelernt, dass es nicht immer nötig ist, an jeder Stelle Perfektion anzustreben. Und hier kommt Gelassenheit ins Spiel. Manchmal ist es wichtig, sich zu sagen:

„Es muss nicht perfekt sein.“

Bei Materialien, die nur für eine einzelne Unterrichtsstunde genutzt werden, darf es ruhig mal weniger perfekt sein.

Anders ist es bei Arbeitsmaterialien für längere Phasen oder Freiarbeit: Die bereite ich gründlich vor, gestalte sie mit Liebe und sorge dafür, dass sie lange haltbar sind. Gelassenheit hilft mir, mich nicht in Details zu verlieren und meine Kräfte dort einzusetzen, wo sie den größten Nutzen haben und mir langfristig Entlastung verschaffen.

Illustration eines Bücherstapels und angereihte Bücher, kleiner Bücherhaufen

3. Teamarbeit – Gemeinsam geht mehr

Teamarbeit ist Trumpf! Ich liebe es, mich mit meinen Kolleginnen und Kollegen auszutauschen. Von den Ideen der anderen kann ich enorm profitieren – und die eigenen Gedanken sind vielleicht genau das, was jemand anderem weiterhilft.

Es lohnt sich, einfach mal zu fragen, wo das tolle Material herkommt oder ob man es sich ausleihen darf. Ich selbst gebe Materialien gerne weiter oder verleihe Dinge, die ich gerade nicht brauche – vor allem, wenn ich weiß, wie viel Zeit und Mühe darin steckt. So profitieren alle.

Team, Feiern, Erfolg

Auch bei der Unterrichtsplanung kann Zusammenarbeit eine echte Entlastung sein. In einem Team, mit dem ich einmal gearbeitet habe, wurden die Wochenpläne gemeinsam vorbereitet: Jede Person war für ein Fach zuständig, und am Ende wurde alles untereinander ausgetauscht. Das hat nicht nur die Vorbereitungszeit reduziert, sondern auch für mehr Austausch und neue Ideen gesorgt.

Ich bin überzeugt: Gemeinsam kommt man schneller ans Ziel. Wir müssen das Rad nicht jeden Tag neu erfinden. Manchmal reicht es schon, sich gegenseitig daran zu erinnern, dass wir nicht die einzigen sind, die ab und zu den Überblick verlieren. Ein paar nette Worte, eine Tasse Kaffee oder auch eine Trost-Schokolade können dann wahre Wunder wirken und uns ein Lächeln aufs Gesicht zaubern.

Und seien wir mal ehrlich: Wir wissen alle, wie wichtig Lob für die Motivation ist, besonders bei den Kindern. Warum sollte das bei uns Erwachsenen anders sein? Ein gut platziertes Kompliment, ein ehrliches Lob oder aufrichtige Anerkennung für die Arbeit des anderen steigern die Freude an der Arbeit und erleichtern die Teamarbeit erheblich. Denn eine gute Stimmung im Kollegium kann Stress reduzieren und die Arbeitsqualität verbessern.

4. Ressourcen nutzen – Zeit sparen und klug einsetzen

Im Lehreralltag gibt es mittlerweile viele Ressourcen, die die Arbeit erheblich erleichtern können – wenn wir sie richtig nutzen. Sei es durch Software, die bei der Unterrichtsplanung, Förderplanung oder Diagnostik hilft, fertige Arbeitsmaterialien oder KI-gestützte Tools, die uns das Erstellen von Übungsaufgaben abnehmen. Zugegeben, das Einarbeiten in neue Programme oder Tools kann anfangs Zeit kosten. Doch auf lange Sicht kann das den Arbeitsaufwand und die Zeit erheblich reduzieren.

Ein praktisches Beispiel: Die Entscheidung, fertige Arbeitsblätter zu kaufen oder Materialien von Plattformen herunterzuladen, kann zunächst wie ein unnötiger finanzieller Aufwand erscheinen. Doch wenn man bedenkt, wie viel Zeit man spart, wenn nicht jedes Arbeitsblatt von Grund auf neu erstellt werden muss, wird schnell klar, dass sich der kleine Betrag für eine gut gemachte Sammlung durchaus lohnen kann. Insbesondere, wenn man sie langfristig nutzen kann. Statt Stunden mit der Gestaltung von Aufgaben zu verbringen, kann diese Zeit besser in die individuelle Betreuung der Kinder oder in die Vorbereitung von kreativen Unterrichtseinheiten investiert werden. Denn Zeit ist oft das Wertvollste, was wir haben.

Digitale Medien, Bücher, Übersicht

Auch Softwarelösungen und KI-gestützte Systeme bieten wertvolle Unterstützung, etwa bei der Differenzierung von Aufgaben oder der schnellen Erstellung von Tests und Übungen. Die richtige Nutzung dieser Tools kann helfen, den Überblick zu behalten und die Qualität der Unterrichtsmaterialien zu steigern – ganz ohne, dass wir dafür jede Stunde neu erfinden müssen.

Insgesamt geht es darum, zu erkennen, dass nicht jede Aufgabe allein erledigt werden muss. Die Nutzung verfügbarer Ressourcen kann uns nicht nur Arbeit abnehmen, sondern auch langfristig Stress und Zeit sparen.

5. Grenzen setzen – „Nein“ sagen ist okay

Und schließlich – auch wenn es schwerfällt – ist es wichtig, die eigenen Grenzen zu erkennen. Wir sind keine Superhelden (auch wenn wir das im Schulalltag manchmal sein müssten), und ein „Nein“ ist keine Schwäche, sondern ein Zeichen dafür, dass man auf sich selbst achtet. Auch die engagierteste Lehrkraft kann nicht alles schaffen – und es ist niemandem geholfen, wenn man sich bis zum Letzten aufopfert und am Ende im schlimmsten Fall ganz ausfällt.

Gerade wir Lehrerinnen und Lehrer müssen wieder mehr darauf achten, wie es uns selbst geht. Die Anforderungen steigen, der Druck wächst, und die persönlichen Schicksale, die wir begleiten, gehen oft nicht spurlos an uns vorbei.

Sich abzugrenzen heißt nicht, weniger engagiert zu sein – im Gegenteil: Wer auf die eigenen Kräfte achtet, kann langfristig mehr geben. Selbstfürsorge ist kein Luxus, sondern die Grundlage dafür, auch für andere da sein zu können. Und manchmal beginnt das mit einem kleinen, aber klaren „Nein“.

Illustration einer Frau, welche am Schreibtisch vor einem Compzter sitzt und sich erschöpt an den Kopf fasst

Fazit: Mit Struktur und einem Hauch Gelassenheit durch den Schulalltag

Der Schulalltag wird niemals stressfrei sein, aber mit ein paar gut durchdachten Strategien lässt sich der Druck deutlich reduzieren. Mit einer guten To-Do-Liste, effektiver Teamarbeit und einer klugen Vorbereitung geht vieles leichter von der Hand.

Illustration eines Arbeitsplatzes mit Stiften, Blättern und einem Kaffee

Und wenn wir uns selbst und unseren Grenzen treu bleiben, dann kommen wir nicht nur besser durch den Tag, sondern bleiben auch gesund und motiviert.

Natürlich ist das alles in erster Linie Theorie. In der Praxis läuft längst nicht immer alles nach Plan – der Schulalltag ist eben kein Spaziergang (außer vielleicht am Schulwandertag).

Trotzdem gilt: Es geht nicht darum, jeden Tag perfekt zu meistern, sondern darum, sich im Trubel nicht selbst zu verlieren. Mit einem Hauch Gelassenheit können wir auch unperfekte Tage und das Chaos des Schulalltags meistern – und das macht am Ende des Tages den Unterschied.

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Über die Autorin

Danja Kreuter

Berufliche Tätigkeit: Sonderpädagogin in der Grundschule Was mir privat Spaß macht: Zeit mit meiner Familie zu verbringen und kreativ zu sein

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