Lesetipps für die Sommerferien
In ihrem Haus
Yael van der Wouden
In ihrem Haus, Gutkind Verlag, 320 Seiten, ISBN 978-3-690-45006-5
In ihrem Haus ist ein atmosphärisches und unglaublich intensiv geschriebenes Debüt über Liebe, Verlust, Geschwisterbeziehungen, Sehnsucht und die Nachwirkungen des Krieges, eingebettet in die niederländische Landschaft der 1960er Jahre.

15 Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg lebt Isabel alleine im Haus ihrer verstorbenen Mutter. Ihr Alltag besteht aus Kontrolle, Routine und festen Regeln. Jeder Gegenstand hat seinen Platz, alles ist ordentlich und vorhersehbar. Doch ihre vermeintliche Idylle gerät aus dem Gleichgewicht, als ihr Bruder sie bittet, seine Freundin Eva über den Sommer bei sich aufzunehmen. Nach und nach verschwinden Dinge im Haus und Isabel spürt, wie ihr die Kontrolle entgleitet. Gleichzeitig kommen Geheimnisse ans Licht, die viel zu lange verdrängt wurden.
Dieses Buch hat mich total überrascht und gleichzeitig komplett gefesselt. Beim Lesen war ich traurig, wütend und glücklich und irgendwie hat es sich auch heilsam angefühlt. Die Atmosphäre ist so intensiv und still, dass man sich völlig darin verliert. Für mich das perfekte Buch für ein heißes Sommerwochenende, wenn man etwas Spannendes lesen möchte, das einen danach noch lange beschäftigt. Und definitiv eines dieser Bücher, bei denen man nach der letzten Seite erstmal nicht weiß, was man als Nächstes lesen soll.
Der Dämon und Fräulein Prym
„Dieses Gold wird Bescos gehören, wenn jemand in den nächsten drei Tagen hier ermordet wird. Stirbt niemand, wird der Fremde fortgehen und seinen Schatz mitnehmen.“

Dies ist das Angebot, welches Chantal Prym den Bewohnern des Bergdorfes im Namen eines Fremden unterbreitet. Dieser kam nach Bescos, um mit seinem Ultimatum die Natur des Menschen zu erkennen: Sind alle Menschen auf Erden bereit, Böses zu tun, wenn sie in Versuchung geführt werden und ihr am Ende erliegen?
Der Roman begleitet die Bewohner eine Woche lang bei ihrem Ringen zwischen dem moralisch Guten und der Verlockung des Goldes. Setzen sie am Ende in die Tat um, was sie niemals für möglich gehalten hätten, und brechen das Gebot „Du sollst nicht töten.“?
Ein psychologisches Experiment, welches zu gegenseitigem Misstrauen, inneren Konflikten und Angst führt, bei dem jeder für sich selbst entscheidet, wie weit er gehen würde.
Sherlock Holmes
Arthur Conan Doyle
Sherlock Holmes, Coppenrath Verlag GmbH & Co. KG, 320 Seiten, ISBN 978-3-649-63900-8
Sherlock Holmes ist ein Phänomen, egal ob als Buch, Film oder BBC-Serie. In die Schmuckausgaben aus dem Coppenrath Verlag habe ich mich sofort verliebt: Hier findet ihr alle Romane, Erzählungen und Kurzgeschichten rund um den berühmten Detektiv in mehreren Bänden.

Neben stimmungsvollen Illustrationen gibt es passende Konzert- oder Stadtkarten, kleine Drucke der Gemälde aus den Geschichten, Hintergrundinformationen und viele weitere Beilagen, feinsäuberlich gefaltet und an passenden Stellen zwischen die Seiten gelegt.
Bd. 1 Eine Studie/Im Zeichen/Eine Studie in Scharlachrot/Im Zeichen der Vier.
Eine große Empfehlung für Sherlock-Fans, vor allem für alle Buchsammlerinnen und -sammler!
ë
„ë“ war eines meiner Lieblingsbücher im letzten Jahr. Geschrieben hat es die Autorin Jehona Kicaj, die 1991 in Kosovo geboren und später in Göttingen aufgewachsen ist. Ihr Debütroman „ë“ wurde mehrfach ausgezeichnet und stand auf der Shortlist für den Deutschen Buchpreis 2025.

„ë“ ist ein stilles, aber sprachlich unglaublich kraftvolles Buch über Krieg, Verlust und Herkunft und wie man damit weiterleben kann. Besonders beeindruckend ist, wie die Autorin dem Schmerz, der Sprachlosigkeit nach traumatischen Erlebnissen und der Suche nach Identität eine ganz eigene Sprache gibt. Der Roman erzählt eindringlich vom Kosovokrieg und seinen Nachwirkungen – nicht laut oder pathetisch, sondern sehr nahbar und berührend.
Ein wichtiges und außergewöhnliches Buch, das ich nicht aus der Hand legen konnte.
Mama & Sam
Sarah Kuttner
Mama & Sam, S. Fischer Verlag, 288 Seiten, ISBN 978-3-10-397741-7
Mama & Sam von Sarah Kuttner ist ein Roman über Einsamkeit, Sehnsucht und die zerstörerischen Folgen von Love Scamming.

Erzählt wird die Geschichte einer Frau, die im Internet an einen Betrüger gerät. Laut Kuttner basieren die Chatnachrichten im Buch auf realen Chats zwischen ihrer Mutter und einem Love Scammer, der sie innerhalb weniger Monate um viel Geld brachte. Diese autobiografische Nähe verleiht der Geschichte eine greifbare Realität.
Der Roman zeigt eindrucksvoll die Ausweglosigkeit der Angehörigen, die kaum zu der verliebten Person durchdringen können – ganz nach dem Motto: „Mit Verliebten kann man nicht diskutieren.“ Gleichzeitig wird die innere Zerrissenheit der Betroffenen spürbar: das leise Wissen, dass etwas nicht stimmt, und doch die Unfähigkeit, die Illusion loszulassen. Immer wieder fragt man sich beim Lesen: Wie kann so etwas passieren? Wie kann man so leichtgläubig sein? Doch ebenso oft entsteht Verständnis, denn das Bedürfnis nach Nähe, Liebe und Geborgenheit ist zutiefst menschlich.
Das Thema ist hochaktuell: Love Scamming und Internetbetrug sind weit verbreitet und können grundsätzlich jeden Menschen treffen. Täterinnen und Täter nutzen gestohlene Bilder und Identitäten, um Vertrauen aufzubauen und ihre Opfer emotional wie finanziell auszunutzen. Daher sollte die Thematik regelmäßig ins Bewusstsein gerückt werden.
Im letzten Jahr hatte ich die Gelegenheit, eine sowohl humorvolle und zugleich berührende Lesung der Autorin zu besuchen.
Die Tochter des Uhrmachers
Glass and Steele
C. J. Archer
Die Tochter des Uhrmachers, Verlag C.J. Archer, ePUB
Lasst euch entführen ins London des 19. Jahrhundert: Es geht um Handwerk und Handwerksgilden, einen gefährlichen Kriminellen aus Amerika, die Suche nach einem ganz bestimmten Uhrmacher, mysteriöse Ermittlungen und die Entdeckung der eigenen Magie.
Und ein bisschen um Liebe.

Die historische Fantasy-Serie Glass & Steele verbindet Ermittlungen und Kriminalfälle à la Sherlock Holmes mit Magie, der Liebe für Handwerk und einer starken Protagonistin. Sie umfasst insgesamt 13 Bände und lässt einen nicht mehr los – ihr seid vorgewarnt! 😉
Los geht es mit Die Tochter des Uhrmachers von C. J. Archer. Lasst die Magie beginnen!
Das Glück hat acht Arme
Shelby Van Pelt
Das Glück hat acht Arme, Fischer Taschenbuch Verlag, 464 Seiten, ISBN 978-3-596-71390-5
Das Glück hat acht Arme erzählt die Geschichte der 70-jährigen Tova Sullivan, die im Nachtdienst eines Aquariums arbeitet. Die Arbeit hilft ihr dabei, mit der Trauer um ihren verstorbenen Mann umzugehen. Doch ein anderer Verlust begleitet sie schon seit Jahrzehnten, denn ihr 18-jähriger Sohn verschwand eines Nachts spurlos und wurde nie gefunden.

Im Aquarium fällt ihr besonders der orangefarbene Riesenoktopus Marcellus auf. Zwischen den beiden entsteht eine ungewöhnliche Freundschaft, die auch ohne gemeinsame Sprache funktioniert. Während Tova ihm von ihrem Sohn erzählt, beginnt Marcellus nach und nach zu verstehen, was in der Nacht seines Verschwindens passiert sein könnte.
Vor allem die Kapitel aus Marcellus’ Sicht sind mir total ins Herz gegangen. Auch wenn diese im Vergleich zu den anderen Figuren eher kurz sind, beobachtet er das menschliche Leben auf eine unglaublich kluge, aufmerksame und besondere Weise.
Dieses Buch hat mich zum Lachen und (wirklich sehr viel) zum Weinen gebracht. Beim Lesen habe ich mich so wohlgefühlt in dieser kleinen Welt und bei ihren Charakteren, dass ich das Buch am Ende kaum loslassen wollte. Für mich genau eines dieser besonderen Bücher, das man auch nach der letzten Seite nicht so schnell vergisst.
Das Buch wurde übrigens inzwischen auch verfilmt und ist seit Anfang Mai auf Netflix zu sehen. Ich hoffe, ihr habt die Taschentücher bereit!
Views
„Es ist ein Stefan. Mal wieder …“ Blindgänger oder Treffer? BKA-Kommissarin Yasira hat gerade ein Date mit einer Tinder-Bekanntschaft, als ein Video im Netz viral geht. Es zeigt das brutale Verbrechen an einer 16-jährigen, die vor einigen Tagen in Berlin verschwunden ist. Der romantisch gedachte Abend mit Mal-Wieder-Stefan ist damit vorbei.
Am nächsten Tag übernimmt Yasira als leitende Ermittlerin den Fall. Doch schnell wird klar, dass es um viel mehr geht als um das verschwundene Mädchen und dass auch Yasira selbst dem Bösen nicht entkommen kann …
Ein Krimi in einer längst nicht mehr fiktiven Wirklichkeit, in der wir erschreckenderweise angekommen sind. Lohnt sich!
Der Gott des Waldes
Liz Moore
Der Gott des Waldes, Verlag C.H. Beck, 592 Seiten, ISBN 978-3-406-85167-4
Es fällt schwer, dieses Buch aus der Hand zu legen – trotz seiner 592 Seiten.

Die Kinder der schwerreichen Familie Van Laar verschwinden aus dem Ferienlager: zuerst Peter (Bear) und Jahre später auch seine Schwester Barbara. Die Suche nach ihnen bleibt erfolglos. Erst die junge Ermittlerin Judy Luptack kommt auf die richtige Spur und klärt auf, was mit den Geschwistern geschehen ist.
Eingebunden in den Kriminalfall ist die Geschichte der Van Laars, die bereit sind, für ihr Ansehen in der Gesellschaft zu lügen, zu verleumden und gegen jegliche Moral zu verstoßen. Viel Spannung auf vielen Seiten – genau richtig für die Stunden auf der Sonnenliege.
Vorlesetipps für die Sommerferien
Prinzessin Popelkopf
Prinzessin Popelkopf ist eine typische Prinzessin. Sie ist hochnäsig, gemein und auch ziemlich dumm. Als sie aber eines Tages eine kleine Hexe beleidigt, wird sie von dieser verflucht, so zu sein, wie sie heißt. Fortan hat die Prinzessin tatsächlich einen riesigen Popelkopf auf ihrem Hals und überlegt, wie sie ihn schnell wieder loswerden kann.

Sie erfährt, dass das mit einem neuen Namen möglich ist und überlegt nun: Soll sie deshalb wirklich Fürst Furzgesicht heiraten? Oder Graf Grützhirn? „Der ist zwar dumm aber sieht super aus!“ Gar nicht so einfach, hier eine Entscheidung zu treffen …
„Prinzessin Popelkopf“ ist das Lieblingsbuch meiner drei Kinder und ein herrlich schräges und witziges Märchen mit viel Humor und einer schönen Botschaft über Oberflächlichkeiten und Selbstveränderung. Marc-Uwe Kling erzählt die Geschichte frech und originell, sodass Kinder und Erwachsene gleichermaßen Spaß daran haben. Die lustigen Illustrationen von Astrid Henn passen perfekt dazu und machen das Buch zu einem echten Vorlesevergnügen.
Hörtipps für die Sommerferien
Aber was, wenn man unterwegs ist und kein Buch mitnehmen kann? Umso mehr habe ich mich gefreut, einige der Geschichten rund um Sherlock auch in einer mir sehr bekannten Stimme als Podcast
zu finden: Rufus Beck, bekannt unter anderem als Sprecher der Harry Potter Hörbücher, liest einige der Sherlock Holmes Kurzgeschichten. Ideal für Autofahrten, Sommerabende oder nebenbei bei einem kreativen Hobby.
Ein Phänomen, egal in welcher Form. 😊

Wir vom Blog-Team wünschen euch wunderbare Sommerferien.
Judith, Karin, Lena, Monique, Selina und Sophie








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