Der Potsdamer Lesetest für die Klassen 1–4
(PLT und PLT smart)
Bevor ich zu diesen Fragen komme, werfen wir zunächst kurz ein Blick auf die Lesekompetenzen, die der Potsdamer Lesetext erfasst. Der Test gliedert sich in zwei Teile: Im ersten Teil wird das basale Lesen, d.h. die Fähigkeit, einzelne Wörter schnell und korrekt zu erkennen, erfasst (Worterkennen WE). Im zweiten Teil geht es um das Leseverstehen (LV), bei dem zu Lücken im Text das jeweils passende Wort aus vorgegebenen Wortalternativen ausgewählt werden muss.
Zur Verlässlichkeit (Reliabilität) von Testverfahren
Die Ergebnisse in standardisierten und normierten schulischen Leistungstests werden in der Regel primär über zwei Werte ausgegeben: Über den erreichten Prozentrang und den T-Wert. Der Prozentrang gibt an, wie viel Prozent der Vergleichsgruppe (eine hinreichend große Gruppe von Schülerinnen und Schülern der gleichen Klassenstufe aus mehreren Bundesländern der BRD) in diesem Test gleiche oder niedrigere Werte erreicht haben als das getestete Kind (Rangskala). Die T-Wert-Skala ist eine metrische Skala; sie transformiert die Testergebnisse (Rohwerte) so, dass der Mittelwert genau bei 50 liegt und die Standardabweichung bei 10. Ein T-Wert von 50 entspricht also immer genau dem Mittelwert der Vergleichsgruppe, T-Werte unter 40 zeigen unterdurchschnittliche Leistungen an, T-Werte ab 60 überdurchschnittliche Leistungen. Innerhalb dieser Bereiche wird dann noch genauer differenziert.
Wie verlässlich sind nun diese Werte für jedes einzelne Kind? In Testleistungen wird Gelerntes sichtbar, sie werden aber auch von psychischen und körperlichen Faktoren wie Motivation, Leistungsangst, Müdigkeit, Schmerzen usw. beeinflusst. Um solchen Faktoren Rechnung zu tragen, wird in den meisten standardisierten Tests zusätzlich zum T-Wert ein T-Wert-Band angegeben, d. h. ein Leistungsbereich, in dem der tatsächlich zutreffende, der „wahre Wert“ mit hoher Wahrscheinlichkeit liegt. So kann z. B. zu einem T-Wert von 33 ein T-Wert Band von 27–39 ausgewiesen werden.
Ungültige Testergebnisse
Es gibt jedoch auch Faktoren, deren Einfluss nicht durch ein T-Wert Band „aufgefangen“ werden kann. Hierzu gehören Probleme beim Verstehen der Testaufgabe und/oder Schwierigkeiten beim Verstehen der deutschen Sprache, die bei Tests wie dem PLT und dem PLT smart einen erheblichen Einfluss auf Testleistungen haben. Liegen solche Probleme vor, kann aus den Testergebnissen nicht auf die Lesekompetenz eines Kindes geschlossen werden – die Testergebnisse sind ungültig; dies wird auch von der Online-Auswertung ausgewiesen.
Woran erkennt man vermutlich ungültige Ergebnisse? Eine sehr geringe Anzahl bearbeiteter Testitems (Wörter im WE, Textlücken im LV) kann auf ungültige Ergebnisse hinweisen, ebenso ein sehr hoher Fehlerquotient bei einer größeren Anzahl bearbeiteter Items. Auffällig sind auch erhebliche Leistungsunterschiede zwischen den beiden Untertests: Möglicherweise wurde eine der beiden Aufgabenstellungen verstanden, die andere jedoch nicht.
Die Zusatzaufgaben zum PLT und PLT smart
Die Zusatzaufgaben zum PLT wurden konzipiert, um bei ungültigen – oder auch sonst auffälligen – Testergebnissen Hinweise auf mögliche Probleme bei der Bearbeitung der Testaufgaben zu erhalten. Die Zusatzaufgaben nehmen jeweils nur wenige Minuten in Anspruch. Sie sollten möglichst in einer Einzelsituation durchgeführt werden. In diesem Blogbeitrag werden drei Zusatzaufgaben mit Ausschnitten aus den jeweiligen Aufgabenblättern vorgestellt:
Die Zusatzaufgabe WE I überprüft das Aufgabenverständnis im PLT und im PLT smart Untertest Worterkennen (WE). Zu dieser Aufgabe gibt es eine Variante für den PLT und eine weitere für den PLT smart mit der entsprechenden Darstellung der Wörter wie im jeweiligen Test (vgl. Abb. 1a und 1 b).
Die Zusatzaufgabe WE II überprüft das Sprachverständnis (Wortschatz) im Untertest Worterkennen (WE) im PLT und im PLT smart bezogen auf die Tierwörter (vgl. Abb. 2).
Die Zusatztexte LV 1/2 und LV 3/4 überprüfen das Aufgabenverständnis im PLT und PLT smart Untertest Leseverstehen (LV) (vgl. Abb. 3).
Zu jeder Aufgabe gibt es Informationen zur Durchführung und Auswertung für die Lehrkraft sowie ein Aufgabenblatt für den Schüler bzw. die Schülerin. Alle Zusatzaufgaben sind auf der Medienseite des PLT bzw. PLT smart kostenlos abrufbar. Über diesen Link gelangt ihr zu den Materialien: https://diagnostik.klett.de/plt-online/media. Falls ihr nicht direkt auf der Seite landet, müsst ihr euch mit euren „Mein Klett“-Zugangsdaten anmelden.
Die Zusatzaufgabe WE I: Aufgabenverständnis im PLT und im PLT smart Untertest Worterkennen (WE)
In der Zusatzaufgabe WE I soll das Kind zunächst anhand der entsprechenden Vorlage (vgl. Abb. 1a und 1b) die Aufgabe aus dem Untertest Worterkennen aus seiner Erinnerung erklären. Anschließend soll es die folgenden Wörter vorlesen und entscheiden, ob es sich jeweils um ein Tierwort handelt oder nicht – je nach Testversion durch Ankreuzen der Tierwörter (PLT) oder durch Zeigen auf das Häkchen oder das Kreuz (PLT smart). Kann das Kind die Aufgabe nicht korrekt beschreiben oder bearbeiten, solltet Ihr die Aufgabe erklären.

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Abb. 1a: Beispiel Zusatzaufgabe Worterkennen I PLT
Es wäre dann auch zu überlegen, den Untertest Worterkennen im PLT oder im PLT smart zu wiederholen.
Das laute Vorlesen gibt zusätzlich einen Einblick, wie gut das Kind „lesetechnisch“ mit den Wörtern in dieser Aufgabe zurechtkommt. Falls hierbei Probleme auftreten, könnt Ihr sie mithilfe der PLT Wörtertreppe (s. Hinweishefte zum PLT 1/2 und 3/4 und Hinweisheft zum PLT smart, aber auch in meinem nächsten Blogbeitrag) genauer analysieren.

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Abb. 1b: Beispiel Zusatzaufgabe Worterkennen I PLT smart
Die Zusatzaufgabe WE II: Sprachverständnis (Wortschatz) bezogen auf die Tierwörter im PLT und im PLT smart Untertest Worterkennen (WE)
Vor allem bei mehrsprachig aufwachsenden Kindern kann ein hoher Fehlerquotient (FQ) im Untertest Worterkennen (WE) auf Lücken im passiven Wortschatz hinweisen. Möglicherweise wäre für diese Kinder eine Sprachstandserhebung angezeigt, aber zunächst macht es Sinn, unmittelbar testbezogen das Verständnis für einige Tierwörter zu überprüfen.
Dazu werden den Kindern Wörter aus der Testaufgabe für das entsprechende Schuljahr vorgelegt, die sie den entsprechenden Bildern zuordnen sollen (s. Abb. 2). Um die Ratewahrscheinlichkeit zu reduzieren, gibt es zu einem Tierwort kein entsprechendes Bild. Es geht in dieser Aufgabe nur um den Wortschatz und nicht um die Lesekompetenz. Deshalb solltet Ihr die Wörter dem Kind vorlesen.

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Abb 2: Beispiel Zusatzaufgabe Worterkennen II
Zusatztexte LV 1/2 und LV 3/4
Die Zusatztexte LV 1/2 und LV 3/4 – für die 1. und 2. bzw. 3. und 4. Klasse – können eingesetzt werden, um das Aufgabenverständnis im Untertest Leseverstehen zu überprüfen. Wie in der oben beschriebenen Zusatzaufgabe zum PLT und PLT smart Untertest WE soll das Kind auch hier zunächst die Aufgabe erklären; dazu wird ein erster Satz mit Wortalternativen vorgegeben (vgl. Abb. 3), auf den weitere Sätze folgen. Kann das Kind die Aufgabe nicht korrekt beschreiben oder bearbeiten, solltet ihr die Aufgabe erklären. Es wäre dann auch zu überlegen, den Untertest Leseverstehen im PLT oder im PLT smart zu wiederholen.

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Abb. 3: Beispiel PLT Zusatzaufgabe Leseverstehen
Vertiefende Diagnostik
Außer den Zusatzaufgaben gibt es für den PLT und den PLT smart eine Vertiefende Diagnostik, die Wörtertreppe und die Leseanalyse. Beide helfen dabei, die individuellen Leseprobleme eines Kindes im Bereich des basalen Lesens genauer zu erkennen, vor allem in den ersten beiden Schuljahren: Liegt die Ursache für niedrige Testwerte noch im Bereich der Synthese, insbesondere bei innersilbischen Konsonantenhäufungen, beim Segmentieren längerer Wörter oder gar noch im Bereich der Graphem-Phonem-Korrespondenzen?
Ersetzt das Kind beim Vorlesen von Texten häufig Wörter durch graphemisch oder semantisch ähnliche Wörter? Und wenn ja, warum? Über diese Aufgaben werde ich in meinen nächsten Blogbeiträgen berichten.
Die vertiefende Diagnostik findet ihr auch gratis auf der Medienseite im Klett Diagnostikportal. Schaut gerne vorbei!
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