Grundschul-Blog
Gemeinsam Unterricht gestalten

Sprachspielereien in Klasse 1 – ein freudvoller Umgang mit Sprache

In diesem Beitrag geben wir euch einige Ideen an die Hand, mit denen ihr eure Klasse zum Experimentieren und Lachen bringen könnt. Vom „Wort des Tages“ in der Schuhschachtel über Zungenbrecher wie den „Flugplatzspatz“ bis hin zur schmatzenden Katze aus der Bücherwurmfibel. Mit einfachen Sprachspielen rund um Buchstabenverbindungen wie „tz“ entstehen ein gemeinsamer Klassenwortschatz, lustige Gedichte und viele Anlässe zum Sprechen, Lesen und Schreiben – damit jedes Kind Sprache freudvoll entdecken kann. Die Ideen stammen aus dem Unterricht von Marlies Wiesel.

Buchempfehlungen zu Sprachspielereien

Das Kinderbuch „Was liegt am Strand und redet undeutlich?“ von Jörg Mühle und Moni Port ist unlängst für Sprachspiele bekannt, ebenso wie „Der Flugplatzspatz nahm auf dem Flugblatt Platz“ von Moni Port und Philip Waechter. Hier findet ihr viele Schnellsprecher und Zungenbrecher, die sich auch wunderbar für die Einführung der Buchstabenverbindung „tz“ eignen.

Cover des Buchs "Der Flugplatzspatz nahm auf dem Flugblatt Platz"
Cover des Buchs "Was liegt am Strand und redet undeutlich?"

Buchstabeneinführung mit einem Wort des Tages

Marlies Wiesel führte in ihrer Klasse die schöne Tradition ein, dass die Kinder bei jeder neuen Buchstaben-Lautverbindung, die sie im Unterricht kennenlernten, ein Wort mitbrachten, das diese Buchstaben enthielt. Das „Wort des Tages“ wurde schnell zu einem beliebten Teil des Unterrichts. Die Kinder gestalteten gemeinsam einen Schuhkarton, in dem sie fortan all ihre Begriffe sammelten.
So entsteht ein bunter Klassenwortschatz, der zu einer Vielzahl an Sprachspielen und -experimenten einlädt.

Zum Beispiel:

  • Schnellsprecher und Zungenbrecher erfinden
  • Lustige Sätze daraus bilden
  • Wörter untersuchen (Wie viele Buchstaben hat das Wort? Silben schwingen, Könige markieren oder austauschen, die Artikelprobe, Groß- und Kleinschreibung untersuchen, Einzahl/Mehrzahlbildung, Besonderheiten wie „kurzer Vokal – es folgt ein doppelter Mitlaut“ usw.)
  • Wortarten trainieren
  • Wörter nach Oberbegriffen oder der Anzahl der Buchstaben ordnen
  • Doppeldeutigkeit von Wörtern untersuchen

Sprachspielereien mit der Bücherwurmfibel

In der neuen Ausgabe der Bücherwurmfibel (Ausgabe ab 2026; Fibel mit Medien) findet ihr zur Einführung des „tz“ auf Seite 106 ein Gedicht über die flitzende Katze Fritzi. Das Wort „Katze“ könnt ihr als Aufhänger nutzen und euch spielerisch der Schreibweise nähern, indem die Kinder eine Katze zeichnen und das Wort überall in die Katze hineinschreiben. Oder lasst die Kinder Reimwörter finden, um Wortstamm und Aussprache zu verinnerlichen.

Ein beliebter Klassiker für die Sprachbildung ist die Sprachspielerei „Ratz batz schmatz“ von Peter Sonnenburg, die ihr in der Bücherwurmfibel auf Seite 107 entdeckt.

Illustration von Bücherwurm, welher die Hand aushält

Die Sprachspielerei Ratz batz schmatz in der Bücherwurmfibel

Ratz batz schmatz

Ratz batz schmatz
ich bin die Schmatze-Katz.
Ich schmatze mit der Zunge,
hab klitzekleine Junge,
und sag’s in einem Satz:
Ratz batz schmatz,
ich bin die Schmatze-Katz.

Ich kratze mit den Krallen,
mag Fischsalat vor allem,
und sag’s in einem Satz:
Ratz batz schmatz,
ich bin die Schmatze-Katz.

Ich fauche wie ein Fratz,
schlaf’ viel an meinem Platz,
und sag’s in einem Satz:
Ratz batz schmatz,
ich bin die Schmatze-Katz.

Ich putz’ mich mit den Pfoten,
das ist doch nicht verboten,
und sag’s in einem Satz:
Ratz batz Schmatz,
ich bin die Schmatze-Katz.

Peter Sonnenburg

 Unterrichtsideen zu Ratz batz schmatz

So könnt ihr die Sprachspielerei freudvoll in euren Unterricht einbinden:

Idee 1: Wechselkönig
Eure Klasse erhält die Aufgabe, die Könige in den Wörtern auszutauschen. So wird zum Beispiel aus einem „a“ ein „u“ oder aus einem „e“ und „o“. Anschließend lesen die Kinder ihre Strophen laut vor und ihr werdet sehen: Der Klassenraum füllt sich im Nu mit fröhlichem Gelächter. Besonders gut gelingt das, wenn ihr eure Klasse in Gruppen aufteilt. Ihr könnt jeder Gruppe einen König (a, e, i, o, u) zuweisen, oder die Kinder mit wechselnden Königen experimentieren lassen.

Idee 2: Würfelkönige
Bei dieser Idee bekommt jedes Kind einen Würfel mit den Augenzahlen 1 bis 6. Hierbei steht jede Zahl für einen Vokal: 1 = a, 2 = e, 3 = i, 4 = o, 5 = u, 6 = Joker (ein König nach Wahl). Natürlich könnt ihr auch nur einen Würfel pro Bank nutzen oder die Kinder geben den Würfel stets weiter.

Zuerst markieren die Kinder im Gedicht alle Könige. Dann wird gewürfelt und der gewürfelte Vokal zieht als neuer König in die Wörter ein, am besten Strophe für Strophe. So entstehen im Handumdrehen lauter schräge Wortvarianten. Zum Schluss lesen die Kinder ihre Texte vor und bringen schnell die ganze Klasse zum Lachen.

Idee 3: Reime
Die Kinder markieren zunächst im Gedicht die Reimwörter. Anschließend würfeln sie mit den oben genannten Würfelbildern neue Vokale und setzen diese in die Wörter ein. Zum Schluss wird der Text erneut vorgelesen. Welche Reime haben sich die Kinder eurer Klasse überlegt?

Idee 4: Klingende Vokale
Lasst das Gedicht von einer Klangkulisse begleiten: Klanghölzer, Triangeln, Pfeifen oder Rasseln sorgen für passende Geräusche. Hierfür lesen die Kinder den Text strophenweise. In jeder Strophe erklingt ein zuvor festgelegtes Instrument immer dann, wenn ein König im Text auftaucht. Alternativ kann das Instrument auch jedes Mal eingesetzt werden, wenn das „tz“ zu hören ist; so wird die Buchstabenverbindung zusätzlich klanglich hervorgehoben.

Mit Sprachspielereien jedes Kind fördern

Kinder lesen

Nun bietet sich das Kinderbuch „Der Flugplatzspatz nahm auf dem Flugblatt Platz“ als ideale Ergänzung für weitere Wortspielereien an. Zungenbrecher und Schnellsprecher sind ein echter Motor für Sprechfreude und Schreiblust. Das Buch – übrigens auch für ältere Kinder und Erwachsene spannend – punktet mit verrückten Sprachspielen und originellen, teils herrlich absurden Bildern, die zum Schmunzeln und Weiterreden einladen.

Solche Sprachspielereien kommen bei Kindern meist großartig an. Dabei lässt sich beobachten, wie nicht nur das Lesen flüssiger wird, sondern auch der Blick für richtige Schreibweisen geschärft wird. Ganz nebenbei wird die Rechtschreibstrategie „Jede Silbe hat einen König“ immer wieder angewendet und gefestigt.

Aus ungewöhnlichen Wortkombinationen entwickeln sich humorvolle Fragen und Antworten, die Kinder neugierig auf Sprache machen. Eine gezielte Förderung der Sprachentwicklung ist für den weiteren Bildungsweg jedes Kindes zentral. Was zunächst beim Erzählen, Vorlesen und gemeinsamen Entdecken eher spontan entsteht, wird aufgegriffen, besprochen und bewusst eingesetzt. So werden sprachliche Muster erkannt, ausprobiert und schließlich verinnerlicht – ein wichtiger Schritt auf dem Weg zu sicherem Sprach- und Rechtschreibgebrauch.

Viel Spaß bei euren Sprachspielereien!

2 Kinder unterhalten sich

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Über die Autorin

Emmeline Straube

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2 Kommentare

  1. Aida Poursangari 26. Oktober 2018 um 15:00 Uhr - Antworten

    Ach wie toll! Frau Wiesel war meine Grundschullehrerin vor vielen Jahren. Sie hat mich damals sehr gut in der Klasse aufgenommen und bis heute geprägt. Ich hoffe Sie können mir weiterhelfen und ihr meine Kontaktdaten geben. Ich würde mich gerne für die tolle Zeit bedanken.

    • Ulrike Gergaut 29. Oktober 2018 um 10:52 Uhr - Antworten

      Liebe Frau Poursangari, vielen Dank für Ihren Kommentar. Wir haben sofort Frau Wiesel informiert. Schöne Worte! Sie sind ein Geschenk für Frau Wiesel. Herzliche Grüße aus der Redaktion. Ulrike Gergaut

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