
Künstliche Intelligenz lässt sich bereits in der Grundschule sinnvoll thematisieren, besonders in den Klassenstufen 3 und 4. Dabei geht es nicht darum, Aufgaben an die KI „abzugeben“, sondern gemeinsam zu klären:
- Was kann KI leisten – und was nicht?
- Wie formuliert man gute Eingaben?
- Wie prüft man Ergebnisse kritisch?
So wird aus einem flapsigen Satz ein Anlass, Medienkompetenz und Verantwortungsbewusstsein im Umgang mit digitalen Werkzeugen zu fördern.
Medienkompetenz mit KI
Kinder können im Mathematikunterricht beispielsweise dann von KI profitieren, wenn sie eigene Aufgaben entwickeln sollen. Statt diesen Arbeitsauftrag einfach an die KI „auszulagern“, steht im Mittelpunkt, dass die Kinder den mathematischen Inhalt so gut verstehen, dass sie einen präzisen, passenden Prompt formulieren können.
Das Lernziel verschiebt sich dadurch: Neben fachlichen Kompetenzen werden gezielt Aspekte der Medienkompetenz gefördert – etwa das strukturierte Beschreiben von Anforderungen, das kritische Prüfen von Ergebnissen und ein reflektierter Umgang mit KI-Werkzeugen.
Das folgende Beispiel ist für die 3. Klasse konzipiert und orientiert sich an „Das Zahlenbuch“. Es lässt sich ebenso in Klasse 4 einsetzen und mit ähnlichen Aufgabenformaten nutzen.
Ein Beispiel aus Das Zahlenbuch
Wenn ihr das Thema Multiplizieren und Dividieren mit Rechenketten behandelt habt, findet ihr am Ende die Aufgabe auf dem nebenstehenden Bild. Die Teilaufgabe d) bietet einen guten Anknüpfungspunkt, um mit einer KI zu arbeiten.
Tipp: Diese Seite ist so im Zahlenbuch für Bayern abgebildet. Ihr findet die gleiche Aufgabe auch in der Ausgabe für alle anderen Bundesländer auf Seite 122, Aufgabe 4.
Informiert euch vorab, welche KI ihr im Klassenzimmer mit den Kindern nutzen dürft. Viele Bundesländer und Schulen haben hierfür extra datenschutzkonforme Lösungen.
Besprecht gemeinsam, dass die Teilaufgabe d) mit Unterstützung durch KI bearbeitet werden darf. Von Anfang an sollte klar sein: Das Arbeitsergebnis der KI muss zum Seitenthema passen. Das bedeutet, die KI soll nicht irgendeinen Text oder ein beliebiges Zahlenrätsel erzeugen, sondern genau solche Zahlenrätsel, die zur Aufgabenstellung passen und die auch von einem Kind in diesem Kontext erwartet worden wären.
Anschließend dürfen die Kinder selbstständig ausprobieren. Wenn der Umgang mit digitalen Medien in der Klasse noch wenig eingeführt ist oder für die Kinder keine datenschutzkonformen Zugänge zu KI-Anwendungen bestehen, kann die Arbeit auch im Plenum erfolgen. Dann lautet die Aufgabe: Alle Kinder tragen zu einer guten Arbeitsanweisung, einem guten Prompt für die KI, bei.

Ein erster Impuls könnte sein, „Schreibe ein Zahlenrätsel!“ zu formulieren.
Das Ergebnis einer so allgemeinen Aufforderung wird jedoch wenig mit den Rechenketten und den behandelten Rechenoperationen zu tun haben.

Um ein Aufgabenformat zu erhalten, das der gestellten Aufgabe entspricht, muss der Prompt daher konkretisiert werden. Ein guter Gesprächsanlass ist die Frage: „Was muss die KI noch wissen, um ein passendes Ergebnis für unsere Aufgabe zu liefern?“

Wichtige Informationen sind zum Beispiel:
- die Klassenstufe bzw. der Zahlenraum, zu dem das Rätsel passen soll,
- die verwendeten Rechenoperationen (z. B. es soll nur multipliziert und dividiert werden),
- der gewünschte zweischrittige Aufbau der Zahlenrätsel,
- ggf. der Hinweis an die KI, das Ergebnis nicht sofort mitzuliefern.

Ein vollständiger Prompt für die Aufgabe könnte lauten:
„Du bist ein Kind in einer dritten Klasse. Erstelle ein Zahlenrätsel.
Das Zahlenrätsel muss eindeutig lösbar sein.
Formuliere dein Zahlenrätsel nach diesem Muster:
›Wenn ich meine Zahl zuerst … und dann …, erhalte ich …‹.
Wir üben Malnehmen und Teilen im Zahlenraum bis 1000. Verwende nur diese beiden Rechenoperationen.
Verrate mir das Ergebnis erst, wenn ich dich ausdrücklich danach frage.“
Ziel ist, dass die Kinder verstehen, warum welche Angaben im Prompt ergänzt werden. Sie probieren idealerweise selbst aus, wie sich eine Änderung im Prompt auf das Ergebnis, welches die KI wiedergibt, auswirkt.
Bewirkt eine Ergänzung im Prompt, dass das Zahlenrätsel der gewünschten Form besser entspricht oder passiert etwas ganz anderes? Dazu zerlegen sie den Arbeitsauftrag in logisch nachvollziehbare Einzelschritte. Wenn der Prompt schließlich zuverlässig funktioniert, können die Kinder mit ihrer „Zahlenrätsel-Maschine“ beliebig viele Zahlenrätsel erzeugen – und selbstverständlich auch lösen.

Wie ist es bei euch? Habt ihr Erfahrungen mit KI im Mathematik-Unterricht?









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