In Studien wird immer wieder deutlich, dass die Lesekompetenz am Ende der Grundschulzeit nicht bei allen Kindern ausreichend ausgebildet ist. So erreichten in der IGLU-Studie 2021 ein Viertel der Grundschüler:innen nicht die Mindeststandards. Dabei ist die Lesekompetenz eine Schlüsselkompetenz für schulischen Lernerfolg (Stiftung Lesen, 2023). Diesen Kindern bleiben dadurch Bildungschancen verwehrt. Dabei fällt mangelnde Lesekompetenz häufig später auf, als beispielsweise Schwierigkeiten bei der Rechtschreibung, da schwache Leser:innen sich häufig Strategien wie die „look and say strategy“ (hier wie eine Ratestrategie eingesetzt) aneignen, um ihre Defizite zu verstecken.
Nur wer gut lesen kann, liest in der Regel auch gerne. Aber nur wer viel liest, lernt auch flüssig zu lesen.
Lesemotivation und Lesekompetenz hängen also stark zusammen und beeinflussen sich gegenseitig. Für die Didaktik heißt das: Lesen muss Spaß machen und gewinnbringend erscheinen, damit sich die Kinder diesem widmen. Gefordert sind effiziente und motivierende Leselern- und Lesefördermethoden, Möglichkeiten Fortschritte für die Kinder erlebbar zu machen sowie vielfältige, motivierende Lesestoffe.
Da die Freizeit, in der bewusst gelesen wird, abzunehmen scheint, müssen wir diesen Kindern in der Schule Zeit einräumen und Anregungen für zu Hause mitgeben, damit sie in ihrem Tempo lesen lernen und das Lesen für sich entdecken. So wagen sie sich zunehmend auch an längere Texte heran und literarische Bildung kann bereits im Anfangsunterricht angebahnt werden.
Lesetraining mit dem Bücherwurm
Entscheidend ist weniger die Dauer – Lesen soll nicht zur Qual werden – sondern die Regelmäßigkeit, mit der gelesen wird. Daher scheinen mehrmals wöchentlich stattfindende 20-minütige Lesezeiten sinnvoll, die Lesen zum Ritual werden lassen.
In diese Lesezeiten lassen sich verschiedene Lesefördermethoden einbauen: Leseübungen zur Förderung der Leseflüssigkeit, die sich in Laut- und Vielleseverfahren unterscheiden lassen.

Lesetrainings dienen der Verbesserung der Leseflüssigkeit. Dadurch, dass Wörter bzw. Wortteile internalisiert werden, können diese beim Lesen automatisiert abgerufen werden, wodurch Kapazitäten zum Textverständnis frei werden. Leseflüssigkeit umfasst nach diesem Verständnis Lesegenauigkeit, Lesegeschwindigkeit und Prosodie (Betonung). Eine geeignete Übung zur Förderung basaler Lesefertigkeiten ist z. B. auf Wortebene das Blitzlesen, bei dem ein Sichtwortschatz aufgebaut wird. Blitzleseübungen sind im Bücherwurm Lesebuch auf den Üben 0-Seiten zur Vorentlastung der dreifach niveaudifferenzierten Lesetexte auf den anschließenden Üben 1–3 Seiten platziert.

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Blitzlesen: Bücherwurm Lesebuch, Üben 0-Seite 26
Der schwarz-grüne Silbendruck auf den Üben 0-Seiten und in den Lesetexten auf den Üben 1-Seiten hilft, die Silbe als für das Lesen relevante und dabei sinnvollere Einheit als den einzelnen Buchstaben zu fokussieren, da die Realisierung des Lautes erst aus dem Silbenkontext erschlossen werden kann. Durch den Silbendruck lernen die Kinder, die Silbe beim Lesen zu nutzen.
Das genaue Lesen auf Wortebene wird zudem durch gezielte Übungen unter den Lesetexten gefördert, z. B.:

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Leseübung zum genauen Lesen: Bücherwurm Lesebuch, Seite 12

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Leseübung zum genauen Lesen: Bücherwurm Lesebuch, Seite 13

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Leseübung zum genauen Lesen: Bücherwurm Lesebuch, Seite 15
Durch Lautleseverfahren kann Leseflüssigkeit gefördert werden, indem die Lesegenauigkeit, das Lesetempo und die Betonung eingeübt werden. Als ein wichtiges Verfahren wird im Bücherwurm das Tandemlesen eingeführt. Die Kinder üben hierbei paarweise, wobei ein Kind („Sportler:in“) den Text vorliest. Ein Partnerkind („Trainer:in“) zeigt mit dem Finger mit und klopft bei Lesefehlern auf den Tisch. Der Text wird so insgesamt viermal gelesen. Texte, die sich besonders zum Tandemlesen eigenen, sind im Bücherwurm Lesebuch mit einem Piktogramm gekennzeichnet: .

Im Tandemlesen findet sich somit die Methode wiederholtes Lesen integriert. Durch das wiederholte Lesen soll Lesegeläufigkeit aufgebaut werden, wodurch Lesefehler minimiert werden, das Lesetempo erhöht wird und sich das Leseverständnis verbessern kann. Hierzu können die Kinder bei allen Durchgängen die Anzahl der Lesefehler und das Tempo verschriftlichen und in Diagrammen festhalten – so werden Erfolge sichtbar.
Da sämtliche Lesetexte und etwa die Hälfte aller weiteren Lesetexte als Audiodateien hinterlegt sind (ein QR-Code zum direkten Zugriff findet sich jeweils in der Fußzeile der Lesebuch-Seite), kann auch das Lautleseverfahren Lesen durch Hören (Steffen Gailberger) eingesetzt werden: Die Lernenden lesen einen Text halblaut und hören dazu simultan eine Audioaufnahme als Lesevorbild an. Hierdurch kann ebenfalls die Leseflüssigkeit gesteigert werden.

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Beispieldiagramm zur Veranschaulichung des Lerngewinns durch wiederholtes Lesen
Viellesen mit dem Bücherwurm
Das Bücherwurm Lesebuch beinhaltet vielfältige Lesestoffe wie Erzählungen, Gebrauchstexte, diskontinuierliche Texte und Gedichte. Darunter finden sich Klassiker der Kinderliteratur wie auch moderne Werke von namhaften Autorinnen und Autoren wie Astrid Lindgren, Michael Ende, Robert Gernhardt, Paul Maar und Cornelia Funke. Die Textausschnitte können ebenso als Ausgangspunkt für der Vorlesen der Ganzschriften dienen, wodurch das Hörverstehen geschult, literarisches Lernen initiiert und ein Anreiz zum Selberlesen gegeben werden kann. So z. B. Julia Donaldson: Zogg, Astrid Lindgreen: Immer lustig in Bullerbü, Monika Osberghaus: Alle behindert!, Cornelia Funke: Das Monster vom blauen Planeten, Annette Langen: Briefe von Felix, Ottfried Preußler: Der kleine Wassermann, Benjamin Wockenfuß: Lotta und Klicks.



Im Bücherwurm Lesebuch wird an vielen Stellen auf intermediale Verweise aufmerksam gemacht, die auch im Unterricht genutzt werden können.
Neben klassischen Aufgabenstellungen zum Textverständnis (dreifach niveaudifferenziert und durch die Piktogramme
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ausgewiesen), wird auch zu handlungs- und produktionsorientierten Verfahren angeregt, die zu kreativer Auseinandersetzung mit den Texten führen.
Mit der Lernen lernen-Seite „Ein Buch vorstellen“ kann zum Austausch über eigene Leseinteressen angeregt werden. Hierzu könnten auch Bücherreibesuche durchgeführt oder geeignete Literatur z. B. in Lesekisten bereitgestellt werden. Den Kindern sollte ausreichend Zeit gegeben werden, eigene Zugänge zur Literatur zu finden und somit das Lesen für sich zu entdecken. Besonderer Wert ist auf die Anschlusskommunikation in Form literarischer Peergespräche zu legen. Im besten Fall dreht sich die nächste Pausenkommunikation dann nicht um Fernsehserien oder Computerspiele, sondern um ein Lieblingsbuch.

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Lernen lernen-Seite: So kannst du ein Buch vorstellen, Bücherwurm Lesebuch Seite 151
Die WAS IST WAS-Seiten bieten Sachtexte zu spannenden Themen wie Astronomie, Tieren, dem Planeten Erde oder dem Wetter. Sie schließen mit je einem Lesequiz ab und verweisen durch Cover auf die WAS IST WAS-Bücher des Tessloff Verlags, aus denen die Texte entnommen sind. So ist für jeden etwas dabei und das Leseinteresse kann geweckt werden.

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WAS IST WAS-Seiten: Bücherwurm Lesebuch, Seite 138 f.
Lesestrategien und Methoden
Auf den Lernen lernen-Seiten werden im Bücherwurm Lesebuch gezielt Strategien vermittelt, die das Textverständnis fördern, indem sie zur gezielten Auseinandersetzung mit Texten auffordern. Es handelt sich dabei um komplexere, hierarchiehöhere Strategien als die basalen Lesefertigkeiten. Diese Strategien lassen sich in Strategien vor, während und nach dem Lesen unterteilen. Dies sind in Klasse 2:
Vor dem Lesen: Vermutungen zu einem Text anstellen
Während des Lesens: Schlüsselwörter finden, unbekannte Wörter verstehen, Überschriften zu Textabschnitten finden
Nach dem Lesen: Einen Text mit eigenen Worten wiedergeben, Informationen finden
Die Strategien werden schrittweise erklärt und anhand eines vorangestellten Beispieltextes geübt.

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Lernen lernen-Seite „Einen Text mit eigenen Worten wiedergeben“, Bücherwurm Lesebuch, Seite 72 f.
Der Bücherwurm in der verbindlichen Lesezeit – Fazit
Das Bücherwurm Lesebuch bietet vielfältiges Material zum individuellen und gemeinsamen Lesen und gibt Anregungen zum Vorlesen. Die Textauswahl berücksichtigt unterschiedliche Leseinteressen und Lesemodi (z. B. informelles Lesen, genießendes Lesen). Dabei werden differenzierte Lesetexte und Aufgabenstellungen angeboten. Somit bietet das Bücherwurm Lesebuch ein breites Angebot an altersgerechten Texten, die der Lesekompetenz der jeweiligen Klassenstufe entsprechen und Differenzierungsmöglichkeiten bieten. Das Textangebot kann durch eigene Texte der Kinder ergänzt werden (z. B. im Rahmen der Buchvorstellung). Die Lesetexte können zudem Ausgangspunkt für bspw. das Lesen der Ganzschrift oder von Texten des gleichen Autors/der gleichen Autorin bzw. zum gleichen Thema sein.
U. a. auf den Üben 0-Seiten werden basale Lesefertigkeiten gezielt trainiert (z. B. durch Blitzleseübungen). Durch Verständnisfragen, weiterführende Aufgaben und Lesestrategien wird zur intensiven Auseinandersetzung mit den Texten angehalten. Die eingeführten Methoden und Strategien können dabei an vielfältigem Textmaterial eingeübt werden. Zusatzmaterialien (z. B. Kopiervorlagen, siehe Digitaler Unterrichtsassistent) ermöglichen weitere Übungen zum Lesen für den Unterricht, die verbindliche Lesezeit oder das häusliche Üben. Auch Lesefördermethoden wie das wiederholte Lesen oder Lesen durch Hören können einfach mit dem Bücherwurm umgesetzt werden. Darüber hinaus ermöglicht der Potsdamer Lesetest eine Diagnostik, aus der ein Schülerfeedback und Übungen zum Fördern und Fordern abgeleitet werden können.
Fazit: Mit dem Bücherwurm Lesebuch kann lehrplankonform, motiviert und sicher lesen gelernt werden! Hierzu findet Ihr im Anhang kostenlose Lesestreifen samt Erklärung zum Einsatz. Die Lesestreifen werden unter diesem Beitrag jahreszeitlich passend nach und nach ergänzt. Ein Blick in den Grundschulblog lohnt sich immer!
Viel Freude mit dem Bücherwurm Lesebuch und den Lesestreifen wünscht
Eure Bernadette Girshausen
Erklärung zum Einsatz der Lesestreifen
Die Lesestreifen können in der verbindlichen Lesezeit eingesetzt werden oder auch als Hausaufgabe dienen. Sie lassen sich wie ein Lesezeichen direkt auf der entsprechenden Seite im Bücherwurm Lesebuch platzieren und bearbeiten. Oben auf dem Lesestreifen wird noch einmal der Text und das Textniveau angegeben. Die Texte sollen dann halblaut gelesen werden: in bestimmter Wiederholungsanzahl, wiederholt mit der Stoppuhr, im Lesetandem oder nach der Methode Lesen durch Hören mit Hilfe der Audiodateien. Auf jedem Lesestreifen finden sich zudem drei Aufgaben zum Text. Diese sind in einfachen, wiederkehrenden Aufgabenstellungen verpackt (z. B. Lösung aufschreiben, ankreuzen, einkreisen, nummerieren).
Downloads:
Weitere Lesestreifen, zum Beispiel passend zur jeweiligen Jahreszeit, folgen.
Produktempfehlungen
Literatur:
Steffen Gailberger: Lesen durch Hören. Weinheim und Basel: Beltz, 2011.
Stiftung Lesen 2023: IGLU-Studie: Mangelnde Lesekompetenz – was passieren muss. Online unter: https://www.stiftunglesen.de/ueber-uns/newsroom/pressemitteilung-detail/iglu-studie-bestaetigt-mangelnde-lesekompetenz-von-grundschulkindern-was-jetzt-passieren-muss



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