„Der Frühling hat eine erlösende Kraft“, schrieb Wilhelm Busch in seinen Briefen an Johanna Keßler. Sicher können wir alle mitfühlen, wenn nun die ersten Blumen sprießen, die Sonne sich zeigt und es langsam wärmer wird.
Beim Schreiben stellt sich die Frage, was das wichtige Wort in diesem Satz ist – bringen wir doch den Kindern ab und an bei, dass wichtige Wörter Nomen sind und großgeschrieben werden. Erlösend!
*Der Frühling hat eine Erlösende kraft.
Wenn dieser semantische Zugang aber kaum oder gar nicht hilft, muss auf andere Zugänge zurückgegriffen werden. Dies kann im Rahmen der Nomenprobe geschehen: Pluralbildung, Kategorisierung (in oben genanntem Beispiel müssen dazu bereits Abstrakta erarbeitet worden sein) und Artikelfähigkeit. Zu erproben, ob Wörter artikelfähig sind, kann zwar zielführend sein, allerdings führt es im Satz- oder Wortgruppenkontext teilweise auch zu der fälschlichen Annahme, dass das Wort, das unmittelbar auf den Artikel folgt großgeschrieben wird:
*Der Frühling hat eine Erlösende kraft.
Nun kann zwischen Artikel und Nomen ein Adjektiv stehen, das dieses näher beschreibt. Bereits Ende der 1990er Jahre machte Wolfgang Menzel in der „Grammatik Werkstatt“ (Menzel, 1999) darauf aufmerksam, dass die Kleinschreibung von Nomen nach Adjektiven (*der Bissige hund; ebd., S. 31) und nach Abstrakta, die ohne Artikel stehen (*Ich habe wut, ebd.) zu den häufigsten Fehlerquellen zählen. Dies begründet er mit der Betonung der Artikelfähigkeit („Nomen haben einen Artikel“).
Außerdem würden Kinder animiert, das Bedeutsame groß zu schreiben, wobei „bissig“ für die Kinder ggf. bedeutsamer wäre als „Hund“. Er rät zu einem experimentierenden Entdecken anhand des Sammelns von Signalen für Nomen und der Bildung syntaktischer „Muster“. Hierzu wurde im sächsischen Rechtschreibrahmen die Strategie „Erweitern“ eingeführt:
Der neue Bücherwurm passgenau zum sächsischen Lehrplan Sachsen.

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Sächsischer Rechtschreibrahmen für die Grundschule, Seite 7
Der Bücherwurm greift diesen Inhalt sowohl im Sprachbuch, dem entsprechendem Arbeitsheft als auch im Arbeitsheft PLUS auf und bietet Treppengedichte und die Schiebewortprobe an. Somit wird dem fachlichen Inhalt ein handlungsorientierter Rahmen für eigenaktives Beobachten, Beschreiben und Ermitteln gegeben.
Bevor wir uns die Umsetzung genauer anschauen, werfen wir zunächst einen genaueren Blick auf die Strategie „Erweitern“.
Die Strategie „Erweitern“
Die Grundstruktur der Nominalgruppe, besteht aus einem Artikel und einem Nomen. Das Nomen bildet den Kern der Nominalgruppe und steht am rechten Rand. Das Artikelwort passt sich in Genus, Numerus und Kasus dem Nomen an. Die Nominalgruppe ist durch Adjektivattribute erweiterbar. Diese stehen zwischen Artikelwort und Nomen. Das Nomen bleibt stets an letzter Stelle – am rechten Rand der Nominalgruppe.
der Tag
der schöne Tag
der schöne, warme Tag
Lindauer & Schmellentin (2008) formulieren es als Hilfe für die Rechtschreibung folgendermaßen: Ist die linke Position von einem Wort von einem Adjektivattribut gefüllt bzw. kann diese durch eines gefüllt werden, so handelt es sich um ein Nomen und wird großgeschrieben.
Die Strategie soll die Schülerinnen und Schüler über eine auf einzelne Wörter fokussierte (lexikalische) Wortartenbestimmung hinausgehend, dazu befähigen, Nomen zu erkennen. Entscheidend ist dabei die Position des Wortes innerhalb der Wortgruppe bzw. des Satzes (syntaxbezogene Perspektive). Die Kinder erkennen Nomen als Kerne von Nominalgruppen und schreiben diese groß. Sie ermitteln diese durch das Erweitern.
Treppengedichte als Anbahnung
Da Nominalphrasen durch Adjektivattribute länger werden, wird im sächsischen Rechtschreibrahmen auch die vorläufige Bezeichnung „Treppenwörter“ vorgeschlagen. Dies soll auch noch einmal die Besonderheit verdeutlichen: Aus syntaktischer Perspektive sprechen wir nicht von Nomen, sondern vom Kern einer Nominalphrase. Den Gedanken der Treppenwörter greift der Bücherwurm auf und bietet vorbereitend auf die Schiebewortprobe Treppengedichte an.

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Treppengedichte: Bücherwurm Sprachbuch 2, Seite 42; Arbeitsheft PLUS, Seite 44
Die Kinder erkennen, dass die Nominalgruppen (eine Reise, das Lagerfeuer) durch Adjektive erweitert werden können und sich die Verse dadurch „treppenartig“ verlängern.
Im Anschluss erweitern sie selbst Verse und schreiben eigene Treppengedichte:

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Treppengedichte ergänzen und schreiben: Bücherwurm Sprachbuch 2, Seite 42; Arbeitsheft PLUS, Seite 44
Die Schiebewortprobe
Auf der Einsicht, die durch die Treppengedichte angebahnt wurde, aufbauend, wird die Schiebewortprobe eingeführt, die hilft, herauszufinden, welche Wörter im Satz großgeschrieben werden (Nomen als Kern der Nominalphrase).

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Treppengedichte ergänzen und schreiben: Bücherwurm Sprachbuch 2, Seite 43; Arbeitsheft PLUS, Seite 45
Die Kinder ergänzen eigene Adjektive und schreiben aus einem Text Nominalgruppen heraus. Im Arbeitsheft festigen sie dieses Wissen, bilden Wortgruppen und bestimmen Wörter anhand lexikalischer und syntaktischer Kriterien.

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Arbeitsheft Bücherwurm Sprachbuch 2, Seite 17
Weitere Signale für Nomen
Können die Kinder Nomen sowohl wortartenbezogen als auch aus ihrer Position in der Wortgruppe heraus bestimmen, werden sie Nomen zunehmend sicher großschreiben. In weiterführenden Klassen können dann neben bestimmtem und unbestimmtem Artikel und Adjektiven zudem weitere Signalwörter für Nomen besprochen werden. Auch zwischen diese Signalwörter und das Nomen können Adjektive geschoben werden:
| Pronomen | ➔ Mein Auto Mein schnelles Auto |
| Zahlwörter | ➔ vier Bälle vier rote Bälle |
| Verschmolzene Präpositionen | ➔ Im Haus Im großen Haus |
Weiterführende Übungen und Downloadmaterial
Die Schiebewortprobe bzw. die Strategie „Erweitern“ sollte an vielfältigem Wortmaterial geübt werden. Es bietet sich bspw. an, aus Sätzen Wortgruppen zu bilden, in denen das Nomen an die rechte Stelle der Nominalgruppe rutscht (z. B. Der Ball ist rot. – der rote Ball). Die Position des Nomens im Satz und in der Nominalgruppe sollte dabei verglichen werden. Außerdem können in Gedichten und Texten erweiterte Nominalgruppen (Artikel, Adjektive und Nomen) markiert werden:
Die Markierung kann selbstverständlich auch mit den im sächsischen Rechtschreibrahmen vorgeschlagenen Montessori-Symbolen (kleines Dreieck: Artikel, großes Dreieck: Nomen) durchgeführt werden.
Passend zum Frühling stellen wir eine Kopiervorlage zum kostenlosen Download zur Verfügung, auf der neben der Erklärung Wortkarten mit Artikeln, frühlingshaften Nomen und passenden Adjektiven zu finden sind. Hiermit kann im Sinne der Schiebewortprobe wahrhaftig, haptisch geschoben werden.
Das schöne Frühjahr ist die beste Zeit ,
es sprießen die frischen Knospen weit und breit.
Die hübschen Blüten sind mir ein großes Glück ,
Das neue Jahr rückt weiter Stück für Stück.
Durchführung:
- Die Kinder ziehen zunächst eine Karte mit einem Nomen.
- Dazu wählen sie einen passenden Artikel (wahlweise bestimmter oder unbestimmter Artikel) und legen diesen vor das Nomen.
- Nun sollten aus den offen liegenden Karten mit den Adjektiven mindestens zwei passende Karten gewählt und vor das Nomen geschoben werden. Bei der Demonstration ist es ratsam, dies zu verbalisieren: „Nun schiebe ich ein Adjektiv vor das Nomen. Das Nomen bleibt am rechten Rand. Nun schiebe ich ein weiteres Adjektiv vor das Nomen. Das Nomen bleibt wieder am rechten Rand.“
Es sollten mindestens zwei passende Adjektive pro Nomen gewählt werden, ggf. auch mehr. - Anschließend verschriften die Schülerinnen und Schüler die gelegten Wortgruppen und betten diese in eigene Sätze ein.
Schluss
An Wortgruppen lassen sich wesentliche grammatikalische Erkenntnisse gewinnen. So bspw. die Großschreibung des Kerns von Nominalgruppen. Da in Nominalgruppen das Nomen regiert, sich die anderen Wörter also anpassen müssen, können Wortformen und Endungen ebenfalls in den Blick genommen und Erkenntnisse zur Kongruenz gesammelt werden (z. B. der weiße Tisch, ein weißer Tisch, die weißen Tische). Mit dem Wissen um Nominalgruppen und dem Downloadmaterial kann hier ein frühlingshafter Start in Richtung Orthographie gesetzt werden.
Viel Erfolg wünscht
Bernadette Girshausen
Produktempfehlungen
Literatur
Lindauer, T. & Schmellentin, C (2008): Studienbuch Rechtschreibdidaktik. Zürich: UTB.
Menzel, W. (1999): Grammatik Werkstatt. Seelze-Velber: Kallmeyer.
Sächsisches Staatsministerium für Kultus (2025): Sächsischer Rechtschreibrahmen für die Grundschule. Dresden. Online unter: https://www.smk.sachsen.de





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