In Baden-Württemberg wurden im Schuljahr 2025/26, beginnend mit Klasse 1, verbindlich umzusetzende Lernbänder in Mathematik eingeführt. In 40 Minuten pro Unterrichtswoche sollen alle Schülerinnen und Schüler unter besonderer Berücksichtigung der prozessbezogenen Kompetenzen gefördert und gefordert werden. Ausgangspunkt hierfür ist der individuelle Lernstand der Schülerinnen und Schüler.
Das Zentrum für Schulqualität und Lehrerbildung Baden-Württemberg stellt auf seiner Internetseite verschiedene modular aufgebaute Lernbausteine zur Verfügung.
Jeder Lernbaustein beinhaltet didaktische Hintergründe zu Zielsetzung, empfohlenem Einsatzzeitpunkt und Lernvoraussetzungen sowie Hinweise zum diagnostischen Potential des jeweiligen Inhalts. Außerdem finden sich dort Informationen zum Einsatz von Sprache und zu weiterführender Literatur.
Aktuell sind für Klasse 1 neun Lernbausteine mit je drei bis fünf detailliert ausgearbeiteten Aktivitäten sowie für Klasse 2 die ersten beiden Lernbausteine und dazu passenden Materialien angelegt.
Sukzessive folgen mit der Einführung der Lernbänder auch für die Klassenstufen 2 bis 4 Hinweise und Materialien. Hier geht es zu dem Materialangebot Lernbänder Mathematik.
Ein erfolgreicher arithmetischer Kompetenzerwerb basiert auf tragfähigen Grundvorstellungen. Deren Aufbau erfolgt dadurch, dass “konkrete Handlungen an geeigneten Materialien zu gedanklichen Operationen umgebaut werden” (Wartha & Schulz, 2011, S. 11). Die Kinder erfahren Rechenaufgaben in konkreten Handlungen mit Materialien und beschreiben die Materialhandlung.
Dabei werden vier Phasen durchlaufen:

1) Durchführung der Handlung an geeignetem Material
Die Lernenden führen die Handlung selbst an geeignetem Material durch und versprachlichen hierbei sowohl die Handlung als auch das mathematische Symbol.
2) Beschreibung der Handlung (mit Sicht auf das Material)
Die Durchführung der Handlung übernimmt ein anderes Kind. Das beschreibende Kind kontrolliert die Handlungen durch Beobachtung.
3) Beschreibung der Handlung (ohne Sicht auf das Material)
Die Lernenden beschreiben die Handlung. Dabei müssen sie sich diese vorstellen. Visuell abgetrennt kann ein weiteres Kind die Materialhandlung durchführen, so dass am Ende ein Abgleich stattfinden kann.
4) Arbeit auf symbolischer Ebene
Diese Phase dient der Übung und Automatisierung. Die Handlung am Material erfolgt lediglich in der Vorstellung.
Der schrittweise Übergang von der Handlung am Material zur symbolischen Ebene bildet die Basis für den Aufbau von Grundvorstellungen. Elementar ist dabei, dass alle Phasen durchlaufen werden und jedes Kind am Material arbeitet.
Im Zahlenraum bis 20 können die Kinder noch auf zählendes Rechnen als Ausweichstrategie zurückgreifen. Dies ist jedoch keine dauerhaft tragfähige Strategie, weshalb das zählende Rechnen zunehmend durch andere Strategien abgelöst werden muss.
Im Alltag besteht immer wieder die Gefahr, dass dieser Aufbau zu kurz kommt. Daher zeigen wir in diesem Beitrag exemplarisch auf, wie wir das im Rahmen der Lernbänder zum Thema Strategien bei der Addition und Subtraktion umsetzen (Lernband Kl. 1, Lernbaustein 7).
In unseren Eingangsstufenklassen lernen Kinder der ersten und zweiten Jahrgangsstufe gemeinsam. Seit vielen Jahren arbeiten wir erfolgreich mit dem Zahlenbuch auch in der Jahrgangsmischung. Neben der Arbeit in der jeweiligen Lerngruppe gibt es gemeinsame Phasen, in denen alle miteinander und voneinander lernen sowie Zeiten für die Arbeit an individuellen Aufgaben.
Schnell stellten wir fest, dass sich viele der in den Lernbausteinen des Lernbandes geforderten Aktivitäten in jeder dieser Phasen bereits finden lassen. Die individuelle Lernzeit beginnt jeweils mit einer Partnerübung aus den Aktivitäten der Lernbänder oder dem Blitzrechnen zu grundlegenden Rechenfertigkeiten und deren Automatisierung. Uns als Lehrkräften bietet diese Phase die Möglichkeit, die Kinder differenziert zu beobachten und im Gespräch mehr über ihre Auseinandersetzung mit dem Lerngegenstand zu erfahren.
Ein Teil der Übungen aus den Lernbändern lassen sich mit der Blitzrechnen-Kartei umsetzen, zum Beispiel: Lernbaustein 1 Zahlen bis 10 – Wie viele?, Lernbaustein 2 Zahlbeziehungen bis 10 – Zerlegen.
Über den zeitlich begrenzten Einsatz der Lernbänder im Unterricht hinaus ist das Automatisieren in Form des Blitzrechnens bei uns fester Bestandteil der täglichen Hausaufgaben.
In gemeinsamen Phasen sowie bei der Arbeit in der jeweiligen Lerngruppe liegt unser Fokus insbesondere auf der Versprachlichung der Materialhandlung. Hierbei dienen die Bilder im Zahlenbuch als Sprechanlass im Plenum und bieten den Schülerinnen und Schüler beispielhafte Formulierungen, auf die sie bei der Bearbeitung der Lernbausteine zurückgreifen können.
Insgesamt legen wir großen Wert darauf den Schülerinnen und Schülern verschiedene Rechenstrategien an die Hand zu geben, mit denen sie Aufgaben flexibel lösen können.
Bei der Einführung der Addition arbeiten wir an Aufgabenstellungen entsprechend der vier Phasen der Materialhandlung. Um zu gewährleisten, dass alle Lernenden sowohl in der Schule als auch zuhause mit Material arbeiten, verfügt jedes Kind über die magnetische Rechenbox. Diese ergänzen wir mit Fünfer- und Zehnerstreifen, wodurch die Schülerinnen und Schüler kontinuierlich mit dieser Struktur arbeiten. Mit seiner Rechenbox legt und beschreibt jedes Kind zunächst sowohl die Rechenaufgabe als auch die Materialhandlung. In einem zweiten Schritt beschreibt ein Kind und das andere legt die passende Rechnung, je nach aktuellem Lernstand mit oder ohne Sicht auf das Material (Verweis: Lernbänder 1, Aktivität 1.7.2 Ohrenspitzen).
Im Unterricht sortieren die Schülerinnen und Schüler Rechenaufgaben in einfache und schwierige Aufgaben. Einfache Aufgaben zeichnen sich dadurch aus, dass sie mithilfe einer bestimmten Strategie zu lösen sind.
Zur Festigung bekommen die Kinder Karten mit Rechenaufgaben, die sie zur für sie passenden Strategie sortieren sollen.

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Karten mit Rechenaufgaben

Die schwierigen Aufgaben sind Rechnungen, die nicht unmittelbar mit einer Strategie gelöst werden können. Dafür können einfache Aufgaben als Nachbaraufgaben genutzt werden. Voraussetzung ist, dass die Schülerinnen und Schüler mit diesen vertraut sind und die Beziehungen zwischen den Rechnungen nachvollziehen können.
Dabei nutzen wir häufig Partnerarbeit als Sozialform, da die Schülerinnen und Schüler miteinander ins Gespräch kommen und deutlich wird, dass bei einer Rechenaufgabe mehrere Strategien hilfreich sein können. Dadurch wird auch das mathematische Argumentieren und Kommunizieren gefördert.
Die Lernenden sind es gewohnt neben der Lösung einer Rechnung auch ihren gewählten Rechenweg im Plenum darzulegen. So werden auch Kindern, die bevorzugt eine bestimmte Strategie nutzen, regelmäßig andere Lösungswege vorgestellt und ins Gedächtnis gerufen.
Die Einspluseins-Tafel im Klassenzimmer visualisiert die Zahlbeziehungen zwischen verschiedenen Rechnungen. Dabei ist für die Lernenden schnell ersichtlich, welche Nachbaraufgaben beim Lösen der schwierigeren Aufgaben helfen können.
Auch den Rückgriff auf Rechenstrategien erfahren die Schülerinnen und Schüler zunächst handelnd. Anschließend wird auf symbolischer Ebene automatisiert. Eine konkrete Umsetzungsidee aus dem Lernband Klasse 1 ist die Aktivität 1.7.3 Aufgabenpaare. Hierbei arbeiten die Kinder in Partnerarbeit. Ein Kind soll eine schwierige Aufgabe lösen und eine Auswahl treffen sowie verbalisieren, welche Nachbaraufgabe ihm wie dabei geholfen hat. Dann ist das andere Kind dran.

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Aufgabenpaare
Eine spielerische Festigung aller erlernter Strategien sowie der mathematischen Beziehungen zwischen Rechenaufgaben bietet Aktivität 1.7.4 Mehr!. Für dieses Spiel benötigen die Schülerinnen und Schüler Karten mit verschiedenen Rechenaufgaben. Beginnend mit einer Aufgabe muss das nächste Kind eine Rechnung mit höherem Ergebnis finden. Ziel des Spiels ist es durch geschicktes Erkennen von Zahlbeziehungen eine passende Karte zu finden, ohne alle Aufgaben zu berechnen.

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Karten mit verschiedenen Rechenaufgaben
Auch nach der intensiven Bearbeitung dieser Unterrichteinheit ist die regelmäßige Wiederholung, Visualisierung und Handlung am Material für einen gelingenden Aufbau von Grundvorstellungen wichtig. Ebenso wie bei Blitzrechenübungen zum Automatisieren bieten die verbindlich umzusetzenden Lernbänder Gelegenheit auch zurückliegende Lerninhalte aufzugreifen und zu festigen. Die am häufigsten gestellten Fragen in unserem Matheunterricht lauten daher: “Wieso ist das so?” und “Kannst du das erklären?”.
Quelle: Wartha & Schulz (2011): Aufbau von Grundvorstellungen (nicht nur) bei besonderen Schwierigkeiten im Rechnen. Handreichungen des Programms SINUS an Grundschulen.










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