Schreib-Momente für Lehrkräfte und pädagogische Fachkräfte
Warum Schreiben im Beruf und im Alltag so wichtig ist
Für dieses Jahr habe ich eine ganz besondere Blog-Reihe für euch zusammengestellt. Diese Reihe ist ganz bewusst für euch als Lehrkräfte und pädagogische Fachkräfte konzipiert – als kleines Gegenstück zu unserem hektischen Alltag, der wenig Platz bietet zum Reflektieren und kreativen Tun.
Diese Blog-Reihe möchte euch ermutigen, Schreiben als kreatives Werkzeug im neuen Jahr als Energie- und Kraftquelle für den Beruf und den Alltag (wieder-) zu entdecken.
Im ersten Beitrag beschäftigen wir uns mit der Wirkung von Schreiben. Wie ihr für euch passende Schreibroutinen entwickeln könnt, regt der zweite Beitrag an. Im dritten Beitrag lernt ihr verschiedene Schreibmethoden und Schreibideen kennen und der vierte Beitrag liefert euch eine Sammlung von Schreibimpulsen mit dem Fokus auf die Bereiche: „Von Zielen, Wünschen und Träumen.“

Viel Freude beim Lesen und Schreiben wünsche ich euch und freue mich auf eure Rückmeldungen und Anregungen.
Eure Alexandra von Plüskow-Kaminski
Schreiben im Beruf und im Alltag: Kraft sammeln und kreativ sein

Es gehört zu einer der Basiskompetenzen, die wir im Schulalltag Kindern vermitteln: das Schreiben. Und auch wir nutzen diese Fähigkeit Tag für Tag. So halten wir Gedanken auf To-Do-Listen fest, planen Einkäufe und Termine, notieren uns Wissenwertes oder erstellen Mindmaps, um uns auf Themen vorzubereiten. Unterricht und Konferenzen werden schriftlich vorbereitet und in Form von Protokollen festgehalten. Schreibend tauschen wir uns mit anderen Menschen aus, etwa über Messenger-Dienste oder per E-Mail. In manchen Fällen teilen wir unsere eigenen Standpunkte in Form von Postings oder Kommentaren. All dies erfolgt häufig nebenbei oder auch zwischen Tür und Angel.
Und das nicht ohne Grund: Zwischen Unterrichtsvorbereitung, Unterricht und Konferenzen; zwischen Gesprächen mit Schülerinnen und Schülern, Kolleginnen und Kollegen und Eltern und zwischen der Mitwirkung an schulischen Gestaltungsprozessen und Schulkonzepten sowie der Mitarbeit an Projekten und eigener Weiterbildung kommt häufig die Zeit für persönliche Reflexion auch hinsichtlich unserer beruflichen Tätigkeit zu kurz. Und gleichzeitig bietet das Schreiben gerade mit Blick auf den Beruf auch Möglichkeiten, um sich zu strukturieren und zu reflektieren. Und zwar nicht nur auf der Sach- und Fachebene.
Strukturiertes Schreiben
Strukturiertes Schreiben wie etwa das Bullet Journaling oder das Anlegen von Mind-Maps oder Ideensammlungen bringt zahlreiche Vorteile für Beruf und Alltag mit sich. Einerseits sorgen diese Methoden für Struktur und Klarheit – auf der anderen Seite helfen sie euch dabei, den Kopf freizubekommen.
Es kann euch dann leichter fallen, Dinge zu priorisieren und Fortschritte für euch sichtbar zu machen. Dies entlastet euch kognitiv und auch mental. Darüber hinaus sorgt beispielsweise das Erstellen von Mind-Maps dafür, kreativ und assoziativ zu denken.
Das stellt Tony Buzan beispielsweise in seinem 1996 erschienenen Buch „The Mind Map Book“ anschaulich dar.
Kreatives Schreiben
Manchmal ist es auch einfach nur wohltuend, der eigenen Kreativität freien Lauf zu lassen. Wenn wir kleine Geschichten schreiben, Gedichte oder auch nur mit Worten experimentieren, lassen wir den (beruflichen) Alltag zurück. Hierbei geht es nicht um Perfektion, sondern darum, auch einmal einen anderen Blickwinkel einzunehmen, in andere Rollen zu schlüpfen und manchmal sogar darum, die eigene Wohlfühlzone zu verlassen.
Dieses kreative Schreiben könnt ihr auch dazu nutzen, beispielsweise Fantasiereisen oder kleine Geschichten für Eure Schülerinnen und Schüler zu entwickeln.
Schreiben als Antwort auf Stress
Auch hat James W. Pennebaker festgestellt, dass Schreiben auch zur Stressbewältigung beitragen kann. Hilfreich ist dies beispielsweise dann, wenn es um die Vorbereitung eines Gespräches oder auch des Unterrichtes geht. Durch das Aufschreiben des Tagesablaufs wird deutlich, an welchen Stellen ggf. umstrukturiert werden kann. Schreibend können wir uns in einen Stressmoment zurückversetzen und durchspielen, welche Möglichkeiten wir haben, möglichen Stressfaktoren entgegenzuwirken.
Dadurch, dass wir Situationen oder ebenfalls Emotionen reflektieren, wird dem Stress im Alltag so ein Entlastungsmoment entgegengesetzt. Dieser Moment ist wichtig, um sich für den Beruf mental zu stärken.
Schreiben als Katalysator im (beruflichen) Alltag
Schreiben gibt uns die Möglichkeit, das Tagesgeschehen oder auch Emotionen zu reflektieren. Dadurch, dass wir unsere Gedanken zu Papier bringen, werden sie präsent. Wir können also bestimmte Situationen unseres beruflichen Alltags schreibend noch einmal durchlaufen, sie dadurch häufig besser verstehen. Und uns selbst damit auseinandersetzen, warum wir uns in bestimmten Situationen auf eine bestimmte Weise verhalten haben sowie Alternativmöglichkeiten hierzu durchspielen. Durch das Aufschreiben werden Gefühle präsenter, und wir erhalten die Möglichkeit, diese und unsere eigenen Reaktionen besser zu verstehen. Sei es zunächst nur gedanklich auf dem Papier. In verschiedenen Werken geht James W. Pennebaker auf diese Wirkung des expressiven Schreibens ein. Dieses kann laut seiner Studien auf mentale Belastungen durchaus ausgleichend wirken.¹
All diese Faktoren sind bedeutsam, wenn wir uns im Alltag Räume schaffen, um zu schreiben.
Doris Dörrie bringt es in ihrem Buch „Lesen, Schreiben, Atmen“ sehr gut auf den Punkt, wenn sie hiervon spricht:
„Schreibend erinnere ich mich an mich selbst.“ ²
Im nächsten Beitrag geht es darum, wie ihr das Schreiben als Routine in euren Alltag aufnehmen könnt. Was sind eure Erfahrungen mit dem Schreiben im Alltag. Wie nutzt ihr es für euren beruflichen Alltag?
Eure Alexandra von Plüskow-Kaminski

¹ James. W. Pennebaker. Opening Up: The Healing Power of Expressing Emotions. The Guilford Press. 1997
² Doris Dörrie. Lesen, Schreiben, Atmen. Diogenes Verlag. 2019. S. 10


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