Eure persönliche Schreibroutine
Um eine Schreibroutine erfolgreich zu etablieren, solltet ihr euch vorab mit eurem eigenen Tagesablauf beschäftigen und mit euren Vorlieben auseinandersetzen.
- Wie viel Zeit möchtet ihr dem Schreiben konkret täglich oder auch wöchentlich widmen?
- Welche Ziele habt ihr beim Schreiben?
- Geht es eher um berufliche oder private Reflexion?
- Möchtet ihr beim kreativen Schreiben eurer Fantasie freien Lauf lassen oder ein konkretes Projekt, wie ein Schreibprojekt in der Schule oder ein eigenes Buch verfolgen?

Überlegt, wann sich das Schreiben gut in euren Tages- oder Wochenplan einbinden lässt. Was erleichtert euch den Einstieg und hilft euch, dranzubleiben? Und was, wenn die Schreibroutine einmal nicht funktioniert?
Damit ihr langfristig motiviert bleibt, solltet ihr euch des eigenen „Warum“ bewusst sein. Ebenso wichtig ist die Analyse, wie sich eine zu euch passende Schreibroutine entwickeln kann. Und – jeder Plan lässt sich anpassen. Falls ihr an Grenzen stoßt, dann reflektiert eure Schreibroutine und schneidert sie erneut auf eure Bedürfnisse zu.
Fünf Schreibroutinen für euren Job als Lehrkraft und Pädagogische Fachkraft
1. Job-Journal
In einem Journal könnt ihr euren Arbeitsalltag reflektieren. Beispielsweise notiert ihr euch am Ende einer Unterrichtsstunde oder eines Arbeitstages kurz eure Gedanken zu den Inhalten und Methoden sowie zu euren weiteren Vorhaben. Ihr könnt dies in drei Sätzen erledigen:
- Was ist gut gelaufen?
- Wo gab es Herausforderungen?
- Wie möchtet ihr diesen Herausforderungen in der nächsten Stunde/am nächsten Tag begegnen?

2. Schriftliche Kommunikation
Setzt euch ein Zeitfenster am Tag, in welchem ihr bewusst E-Mails beantwortet. Vielleicht ist es für euch am einfachsten, die E-Mails gleich morgens oder abends zu beantworten. E-Mails, die rasch beantwortet werden können, könnt ihr auch nach der Zwei-Minuten-Regel nach David Allen beantworten (David Allen. Wie ich die Dinge geregelt kriege. Selbstmanagement für den Alltag. Piper. 2015). Diese Regel besagt, dass ihr all die Dinge, die ca. zwei Minuten eurer Aufmerksamkeit bedürfen, sofort erledigt. So habt ihr sie aus dem Kopf und die Aufgabe ist geschafft.
3. Bullet Journal für den Job
Statt einfache To-Do-Listen zu führen, könnt ihr diese etwa in Form eines Bullet Journals anlegen. Dieses Werkzeug, das auf Ryder Caroll zurückgeht, unterstützt euch dabei, euren Arbeitsalltag zu visualisieren und euch selbst darin zu strukturieren.
Da das Bullet Journal sehr individuell gestaltet wird, könnt ihr euch online oder auch mithilfe verschiedener Bücher informieren, wie ihr diese Technik für euch umsetzt und nutzt.
4. Schreiben für eure Schülerinnen und Schüler
Ihr schreibt gern? Dann könnt ihr zum Beispiel eine Fantasiereise für eure Schülerinnen und Schüler selbst schreiben. Oder auch eine kurze Geschichte oder ein Gedicht. Für eure Schülerinnen und Schüler ist es spannend, wenn ihr eine Schreibaufgabe, die ihr ihnen stellt, selbst bearbeitet und euren Text vorlest.
5. Schreib-Pausen im Unterricht
Ihr könnt im Unterricht immer wieder kurze Schreibpausen von 5 bis 10 Minuten einbauen. Hierbei erhalten die Kinder die Möglichkeit, zu ruhiger Musik zu schreiben. Entweder gebt ihr einen Impuls (siehe Arbeitsblatt) oder die Kinder schreiben frei auf, was ihnen durch den Kopf geht.
Fünf private Schreibroutinen für euch
1. Morning Pages nach Julia Cameron
Fast schon ein Klassiker sind die Morning Pages oder auch Morgenseiten nach Julia Cameron (Julia Cameron. Der Weg des Künstlers. Knaur Mens Sana. 2019). Hierbei geht es darum, dass ihr direkt nach dem Aufstehen drei Seiten eures Journals mit den Gedanken füllt, die euch in den Kopf kommen. Schreibt einfach drauflos und kümmert euch nicht um Rechtschreibung, Grammatik oder Zeichensetzung. Bei den Morgenseiten geht es ausschließlich um euch, um eure Gedanken und eure Gefühle.
2. 10 Minuten Schreibroutine
Ganz ähnlich, aber etwas flexibler, ist die Schreibroutine, die Doris Dörrie in ihrem Buch „Leben, Schreiben, Atmen“ benennt (Doris Dörrie. Leben, Schreiben, Atmen. Diogenes. 2019). Hier sucht ihr euch im Alltag einen freien Raum, stellt einen Timer auf zehn Minuten und schreibt einfach los. Ob ihr euch Gedanken zu einem Thema macht wie „Essen“ oder „Mein Zuhause“ oder frei schreibt, ist euch überlassen.
3. Schreibende Reflexion mithilfe von Impulsen
Nutzt entweder Schreibimpulse wie etwa von Natalie Goldberg (Writing Down the Bones Deck. 60 Cards to Free the Writer Within. Shambhala. 2021 – auf Englisch) oder Zitate aus Büchern, die euch ansprechen. Nehmt euch dann 15-20 Minuten Zeit, schreibend darüber zu reflektieren.

4. Fiktive Charaktere entwickeln
Macht es euch Freude, kleine Geschichten zu schreiben? Dann nehmt euch Zeit, fiktive Charaktere zu entwickeln. Ihr könnt im Rahmen eurer täglichen – ca. 15-30 Minuten-Schreibroutine – eine kurze Hintergrundgeschichte zu eurem fiktiven Charakter schreiben. Oder auch seine Eigenarten und seine Sprechweise entwickeln.
5. An einem Projekt arbeiten
Ihr arbeitet an einem Schreib-Projekt? Dann ist die tägliche Schreibroutine ganz besonders wichtig. Auch dann, wenn ihr nicht viel Zeit habt, ist es lohnenswert, kurze Texte zu eurem Thema zu verfassen. Hierfür reicht eine tägliche Schreibzeit von ca. 15-30 Minuten. Diese Mikro-Texte helfen euch, im Fluss zu bleiben und eure Gedanken zu strukturieren. Entweder schreibt ihr einfach am Stück, ohne zu editieren. Oder ihr nehmt euch eine Zeichenzahl vor. Schritt für Schritt nähert ihr euch so eurem Ziel.
Tipp: Im November jeden Jahres gibt es den NaNoWriMo (National Novel Writing Month). Hier könnt ihr in einer weltweiten Online-Community an eurem Schreibziel arbeiten – es muss sich bei dem Text nicht um einen Roman handeln, sondern ihr könnt auch an Gedichten, Essays oder auch an einem Sachbuch etc. schreiben. Informationen hierzu findet ihr unter: National Novel Writing Month
Und mein persönliches A und O: Habt immer ein Notizbuch griffbereit, das ihr überall hin mitnehmt. Zum Schnell-Notieren, Gedanken-Sortieren und Ideen-Sammeln …
Viel Spaß beim Schreiben wünscht euch –
Eure Alexandra von Plüskow-Kaminski
Folgt unserer Autorin auf Instagram: @a.plueskowkaminski. Dort teilt sie Ideen zu Büchern für Kinder, Jugendliche und Erwachsene und zum Schreiben und freut sich auf eure Gedanken hierzu!


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