Turnen als Schreck
In den Richtlinien und Lehrplänen für das Fach Sport kommt auch immer der Bereich „Bewegen an Geräten“-Turnen vor. Besonders bei fachfremd unterrichteten Lehrpersonen kann dies zu Sorgen und Ängsten führen aber es kann auch unfassbar viel Spaß machen. Vielleicht hilft mein Artikel ein wenig die Ängste abzubauen. Die Kinder kommen mit ganz unterschiedlichen Bewegungserfahrungen zu uns in die Schule und all diese Vorerfahrungen und auch Ängste der Kinder gilt es zu beachten. Dem gegenüber steht der Respekt vor den Großgeräten und vielleicht auch die eigene eventuelle negative Erfahrung mit den Geräten. Ich kenne es noch zu gut, der Bock wurde aufgebaut und wir sollten „drüber hocken“. Als Sport-Ass kein Thema, aber was ist mit eben den Kindern, die es motorisch nicht schaffen? Lässt man sie auf der Strecke? Bietet man diese Turnerfahrungen gar nicht erst an?
So bringe ich turnerische Elemente in den Unterricht mit ein und die Kinder haben Freude an der Bewegung
Ich nutze für meinen Unterricht gerne verschiedene Bewegungsangebote. Je nach Klassenstufe lässt sich das in Geschichten einbauen (die Bewegung der Eichhörnchen – wir müssen schwingen und etwas wagen, Lars der kleine Eisbär – der an verschiedenen Stationen rutscht und durch Gletscherspalten rutscht). Hier sind eurer Kreativität keinerlei Grenzen gesetzt. Die Kinder finden es grundsätzlich super, wenn die Garage zu den Geräten aufgeschlossen wird.
Bei Klasse 3 und 4 müssen die Kinder nach vorgegebenen Strukturen die Geräte aufbauen. Dazu kann man einen Online-Sporthallen-Aufblauplaner nutzen und den Plan ausdrucken oder auch anhand eines Mini-Turnhallen-Modells den Geräteaufbau vorgeben. Bei Klasse 1 und 2 übernehme ich den Aufbau der großen Geräte. Wie der Aufbau organisiert werden kann, findet sich in vielen Fachbüchern. Sicherlich ist es auch sinnvoll, dass die Kinder zu Beginn der 3. Klasse einen Geräteführerschein machen.
Unsere Geräte
Ich mache so einen Aufbau in der Halle gerne wenn ich mehrere Sportklassen an einem Tag habe. Bei nur einer Schulstunde wird es schon recht knapp mit Aufbau, Abbau und genügend Bewegungszeit.
Unsere aufgebauten Stationen zum Turnen in der Halle
1. Die Gletscherspalte
Die Sprossenwand wird herausgezogen und zwei Weichbodenmatten werden dahinter geschoben (die glatte Seite der Matten muss hierbei innen liegen). Die Kinder klettern an der Sprossenwand hoch und rutschen durch die Matten. Hier gilt zu beachten, dass auch vor der Sprossenwand Matten ausgelegt werden sollten und die Kinder keine Schuhe tragen.



2. Turnübungen an den Ringen
Hier können die Kinder je nach Vorerfahrung und individueller Bewegungskapazität Erfahrungen sammeln. Einige schwingen, andere können einen Handstand.
Variante: Die Ringe mit Seilen zusammenbinden und von rechts nach links durchlaufen lassen.
3. Die wackelige Bank
Eine Bank wird umgedreht auf Holzstäbe gelegt und verliert dadurch seine Stabilität. Besonders jüngere Kinder haben hier viel Spaß.


4. Haifischbecken
Zwei Bänke werden mit Abstand an die Taue gestellt und die Kinder müssen über das Haifischbecken schwingen. Zwischen die Bänke sollten wieder Matten gelegt werden. Ihr könnt hier auch Karten mit Haien oder Krokodilen auflegen.
5. Die Rutsche
Wir hängen eine Bank in die zweite Sprossenwand ein und die Kinder rutschen auf verschiedene Arten oder ziehen sich mit den Armen hoch. Hier bitte auch unbedingt Matten unter die Bank legen.


6. Kasten/Bock überwinden
Die Kinder nehmen Anlauf und müssen das Gerät überwinden. Beim Kasten kann man auch schon versuchen die Wand hochzulaufen und so Elemente von Le Parcours einzubauen.
7. Massagestation
Igelbälle dienen zur Entspannung. Hier dürfen die Kinder sich kleine Auszeiten nehmen und gegenseitig den Rücken massieren.

Das war jetzt eine kleine Auswahl an möglichen Stationen. Die Sachen sind so aufgebaut, dass keine große Hilfestellung an den Geräten gefordert ist. Selbstverständlich muss zu jederzeit sehr gut aufgepasst werden und auch die Regeln müssen vorher klar besprochen werden. Dazu findet ihr ein Regelblatt unten zum Download, das ihr natürlich an eure Gegebenheiten anpassen könnt.
Hier habt ihr aber alle eure eigenen Erfahrungen 🙂 uns macht diese Art des Turnens einfach super viel Spaß und auch wenn der Handstand und das Rad noch nicht in seiner Reinform trainiert werden, so kommen erste turnerische Elemente in den Unterricht und auch Kinder, die motorisch nicht so ganz fit, sind haben Spaß und gehen mit einem guten Gefühl aus dem Unterricht.







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