LRP als neues Diagnose-Tool neben HSP und PLT
Die Diagnose von Basiskompetenzen spielt gerade im Anfangsunterricht eine zentrale Rolle. Um Lernstände zu erkennen und frühzeitig individuell fördern zu können, sind standardisierte Testverfahren ein hilfreiches Messinstrument. Im Bereich „Rechtschreibung“ hat sich hier an vielen Schulen seit Jahren die „Hamburger-Schreib-Probe“ (HSP) etabliert. Für den Bereich „Lesen“ ist vor einiger Zeit passend der „Potsdamer-Lese-Test“ (PLT) hinzugekommen – doch für den Mathematikunterricht fehlte lange Zeit etwas Vergleichbares. In Zusammenarbeit mit vielen Test-Grundschulen und dem Klett-Verlag ist nun ein Äquivalent, die kürzlich erschienene „Leipziger-Rechen-Probe“ als wissenschaftlich evaluiertes Diagnosetool entstanden. In der Anwendung folgen diese Tests grundsätzlich alle dem gleichen Prinzip, es lohnt sich aber auf einige spezielle Aspekte bei der Durchführung der LRP zu achten.
Praxis-Tipps zur Vorbereitung und Durchführung
Viel Vorbereitung erfordert die Durchführung der LRP glücklicherweise nicht. Es empfiehlt sich zu Beginn des Schuljahres gemeinsam im Jahrgang die Testzeiträume gemäß den Empfehlungen grob festzulegen. Je nach Zusammensetzung der Klasse, kann eine Verschiebung der ersten beiden Tests etwas nach hinten, Entlastung schaffen – und sei es rein aus organisatorischen Gründen. Testergebnisse könnten sonst verfälscht werden, wenn Verständnisschwierigkeiten das mathematische Können überlagern.
Man sollte sich bei der Durchführung nicht davon beirren lassen, dass möglicherweise den Kindern unbekannte Aufgabenformate vorkommen. Der Test ist mit Absicht so konzipiert, dass auch Unbekanntes vorkommt, um das Verständnis von Mathematik abzutesten. Eine Probehandlung vorab oder eine Erklärung der Aufgabenformate, würde das Testergebnis verfälschen. Die Grundprinzipien des Tests sollten für die Kinder vor Beginn noch einmal klar formuliert werden:
- Wir starten gemeinsam.
- Wir schreiben die Antwort auf und sagen sie nicht laut.
- Wenn ich eine Antwort nicht weiß, lasse ich das Feld frei, das ist nicht schlimm.
- Wir blättern gemeinsam um, auch wenn ich noch nicht fertig bin.
Möglicherweise einfacher in der Handhabung als das Begleitmaterial zum Testheft in gedruckter Form, sind die digitalen Handlungsanweisungen im pdf Format, bei denen die Bildkarten beispielsweise digital aufs Whiteboard projiziert werden können oder die vertonten Handlungsanweisungen.
Falls der gesamte Umfang des Tests die Kinder anfangs noch überfordert, lassen Sie sich nicht beirren. Es ist wichtig, dass ein bestimmtes Zeitfenster vorgegeben wird, denn nur so kann der Test herausfinden, ob Kinder Inhalte verstanden haben und anwenden können oder ob Kinder Ergebnisse zählend ermitteln, denn dann kann man nicht alle Aufgaben in der knappen vorgegebenen Zeit lösen.
Wie immer bei wichtigen Inhalten empfiehlt sich die Durchführung der Diagnose an den Tagesbeginn zu legen und auf eine vorbereitete Umgebung zu achten: Ablenkungen durch aufgeräumte Tische reduzieren und ggf. Sichtschutzaufsteller oder Kopfhörer nutzen. Ein Türschild „Bitte nicht stören“ kann Störungen reduzieren und für mehr Ruhe sorgen.
Extra-Tipp für Kinder, die am Test-Tag gefehlt haben: „Nachschreibe-Termin“ für Kinder aus allen Parallelklassen zentral organisieren und bündeln.

Spannender Vergleich durch identische Tests vor und nach den Sommerferien
Die Auswertung des Tests erfolgt Online im Klett Diagnostikportal unter Eingabe des individuellen Codes auf der Rückseite jedes Heftes. Tipps dazu und eine ausführliche Anleitung finden sich im Klett Help Center. Die Ergebnisse für jedes Kind können als pdf Datei heruntergeladen und als Basis für die individuelle Förderplanung und in Elterngesprächen genutzt werden. Schön ist, dass durch die verschiedenen Testzeitpunkte jeweils auch die Entwicklungsfortschritte des einzelnen Kindes, oder auch wahlweise der gesamten Klasse, sichtbar wird. Lehrkräfte können so auch wichtige Erkenntnisse für ihre künftige Unterrichtsplanung ableiten.
Sind die Kinder einmal mit dem Prinzip der LRP vertraut, sind die künftigen Durchführungen erfahrungsgemäß organisatorisch unkomplizierter in der Umsetzung. Im schuleigenen Leistungskonzept sollte ggf. noch festgehalten werden wann und für welche Kinder die LRP durchgeführt wird.
Besonders spannend wird die Auswertung von Test 1.4, empfohlen kurz vor den Zeugnissen am Schuljahresende, im Vergleich zum Test 2.1, empfohlen zu Schuljahresbeginn, um zu sehen, was für einen Einfluss die Sommerferien hier haben.

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