Zur Notwendigkeit einer ruhigen Lernumgebung
„Seid bitte leise!“ … „Ich würde gerne mit der Stunde anfangen.“ … „Ruhe jetzt!“ – Habt ihr den ein oder anderen Satz auch schon einmal verwendet? Viele Kinder sind sehr kommunikativ. Sie unterhalten sich gerne mit ihren Mitschülerinnen und Mitschülern und müssen schnell eine ganz wichtige Nachricht loswerden. Dass ihr als Lehrkraft vorne steht und anfangen möchtet, bekommen sie mitunter nicht mit. Um nicht in einem täglichen Kampf wertvolle Unterrichtszeit zu verlieren, ist es hilfreich, Rituale einzuführen. Eine ruhige Atmosphäre sorgt dafür, dass Informationen weitergegeben und aufgenommen werden können, dass Erklärungen verstanden werden können, dass die Kinder konzentriert arbeiten können und Unterrichtsgespräche im Plenum möglich werden.
In der Broschüre „Aufmerksamkeitsfänger – Rituale für eine ruhige Lernumgebung“ haben wir einige Rituale zusammengestellt. Das ein oder andere wird euch bekannt vorkommen. Anderes weckt bei euch vielleicht neue Ideen. Fühlt euch frei, verschiedene Dinge auszuprobieren, für euch zu entdecken und abzuändern. Wichtig ist es, zu bedenken, dass die Rituale keine Selbstläufer sind, sondern dass sie eingeübt und trainiert werden müssen. Dabei ist es gut, wenn wir als Lehrkraft authentisch hinter einem Ritual stehen und den Kindern begründen können, warum es wichtig ist, gewisse Regeln zu beachten. Die Ideen in der Broschüre sind in vier Bereiche strukturiert, die im Folgenden vorgestellt werden. Greift euch heraus, was zu euch passt.

Akustische Signale

Akustische Signale eignen sich nicht nur für den Beginn einer Unterrichtsstunde, sondern auch für den Wechsel von Unterrichtsphasen. Sie haben den Vorteil, dass die Kinder diese wahrnehmen, selbst wenn sie nicht zur Lehrperson schauen oder wenn sie in Arbeitsphasen vertieft sind. Die Ideen in der Broschüre reichen von einem einfachen Gong über ruhige Arbeitsmusik bis hin zu einer „Schleuse“, die alle Gespräche, Diskussionen, Streitereien bereits vor der Klassenzimmertür klärt.
Visuelle Signale

Der Vorteil von visuellen Signalen liegt darin, dass sie einzelnen Kindern als Erinnerung dienen können. Dabei reicht ein Hinhalten oder Zeigen des Signals als stiller Impuls. Das Kind wird dadurch nicht vor der Klasse bloßgestellt. Allerdings haben visuelle Signale den Nachteil, dass die Kinder den Fokus bewusst auf das Signal richten müssen. Sind die Kinder abgelenkt, nehmen sie das Signal unter Umständen nicht wahr. Meist entdecken zunächst einzelne Kinder das Signal und machen dann weitere darauf aufmerksam. Hier reichen die Ideen von Signalkarten oder Sanduhren bis hin zu Brezelgaragen oder der Rücksichtnahme auf das Klassentier. Auch die Lautstärke-Ampel kann ein hilfreiches Instrument sein. Denn leise bedeutet nicht gleich leise. In Partnerarbeitsphasen ist etwa eine andere Lautstärke vonnöten als in Einzelarbeitsphasen.
Motorische Signale

Motorische Signale als Ruheritual? Das klingt nach einem Widerspruch in sich. Doch gemeint sind Signale, die die Kinder motorisch aktiv werden lassen. Für die Kinder ist dies eine willkommene Abwechslung zum mitunter langen Stillsitzen. Es lockert die Muskulatur und sorgt dafür, dass die Kinder mit neuem Schwung weiterlernen können. Neben rhythmischen Ideen wird an dieser Stelle auch die Bedeutung von Startritualen und klaren räumlichen Strukturen hervorgehoben.
Signale mit Wettkampfcharakter

Häufige Ermahnungen können für alle Beteiligten anstrengend sein und das Klima in der Klasse verschlechtern. Wird das Umsetzen einer Regel allerdings zu einem Spiel mit Wettkampfcharakter, stellt es einen neuen Ansporn für die Kinder dar. Auf einmal lohnt es sich, leise zu sein. Ein solcher Wettkampf kann innerhalb einer Klasse zum Beispiel mit „Leise-Tischen“ erzeugt werden. Er kann aber auch zwischen verschiedenen Klassen laufen, indem Zeiten gestoppt werden, die es braucht, bis alle startklar sind. Auch individuelle Wettkämpfe sind denkbar, bei denen Kinder Punkte auf einem persönlichen Sparbuch ansammeln.
Fazit
Letztlich geht es immer darum, den Schülerinnen und Schülern Aufmerksamkeit für positives Verhalten zu schenken, dieses hervorzuheben und zu verstärken. Das Zielverhalten muss sich für die Kinder lohnen. Klärungen von Unterrichtsstörungen sollten nie mehr Raum einnehmen als die Störung an sich. Dabei müssen wir uns bewusst machen, dass Kinder im Grundschulalter nur einen begrenzten Zeitraum aufmerksam an einer Sache arbeiten können. Im Idealfall sind es 15 – 20 Minuten. In der Praxis erleben wir aber oft, dass schon fünf Minuten konzentriertes Arbeiten eine Herausforderung für manch ein Kind darstellt. Insofern liegt es entscheidend an uns, zu erkennen, was ein Kind überhaupt leisten kann und welche Anforderungen wir an es stellen können.
Auch gilt es zu bedenken, dass ein Unterricht, der überwiegend sprachliche Anteile enthält, die Kinder leicht ablenken kann. Hier sind anschauliche Bilder oder Gegenstände als Ergänzung zur Sprache sinnvoll.
Wir hoffen, dass ihr aus den Anregungen etwas für euch mitnehmen könnt. Sicher habt ihr weitere gute praxiserprobte Ideen. Schreibt uns gerne eure Tipps als Kommentar unter diesen Artikel. Auch ein Austausch im Kollegium (z. B. 5 Minuten zu Beginn der Konferenz) oder eine Ideenbörse als Start nach den Sommerferien sind eine schöne Sache.







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