Grundschul-Blog
Gemeinsam Unterricht gestalten

Grundschulwörterbücher – warum gibt es da eigentlich keinen Silbendruck?

Liebe LeserInnen, die Arbeit mit der Silbe ist mittlerweile im Deutschunterricht der Grundschule fest verankert. Und mit Erfolg! Eifrig suchen schon die Kleinsten nach dem „König“ in jeder Silbe und korrigieren ihre so genannten Skelettschreibungen selbst. Die Größeren schwingen den „Hunt“ weiter, entdecken so die „Hunde“ und schreiben deshalb am Wortende ein „d“ statt des zunächst gehörten „t“.

Silben werden geklatscht und geklopft, getrommelt und gehüpft, geschwungen, markiert und farbig nachgeschrieben. In Erstlesebüchern und Fibeln, in Fördermaterialien und leichten Texten auch höherer Jahrgangsstufen hat sich der Silbendruck als Leseerleichterung durchgesetzt. Er strukturiert das Wort für das Auge vor und vertieft das Silbenprinzip auch beim Lesen.

So ist es nicht verwunderlich, dass uns hier im Grundschulverlag gelegentlich die Frage erreicht, warum wir nicht auch unsere Grundschulwörterbücher im silbischen Druck anbieten. Schließlich müssen sich die Kinder auch hier in einer großen Textmenge orientieren. Würde ihnen die farbige Strukturierung der Silben nicht die Suche nach ihrem Stichwort erleichtern?

Lassen Sie uns in diesem Zusammenhang noch einmal den Unterschied zwischen Sprech- und Schreibsilbe betrachten.

Wenn wir mit den Kindern in Klasse 1 Wörter in Silben gliedern und jeden Silbenkönig identifizieren, orientieren wir uns an der Sprechsilbe: Die Ba-na-ne hat drei Sprechsilben und jede davon hat einen Silbenkönig = Selbstlaut.

Gleiches gilt für den E-le-fant: drei Sprechsilben, wobei in diesem Sonderfall der eine König die ganze Sprechsilbe „ausmacht“. An diesen Sprechsilben orientiert sich auch die alternierend schwarz-grüne Auszeichnung der Silben, die als Lesehilfe die Erstlesetexte strukturiert („Silbendruck“).

Im Gegensatz dazu ist ein Wörterbuch aber traditionell an der Schreibsilbe ausgerichtet. Schließlich schlagen wir die Wörter dort nach, um ihre richtige Schreibung herauszufinden. Das impliziert auch die korrekte Trennung eines Wortes am Zeilenende. Mit dem Fokus auf der Schreibsilbe wäre es nun nach geltender Norm nicht korrekt, beim Schreiben des Wortes „Elefant“ am Zeilenende ein einsames großes E- stehen zu lassen, um den Wortrest „lefant“ dann in die folgende Zeile zu setzen. Die Silbentrennstriche in den Wörterbüchern gliedern die Wörter also zwar silbisch, aber nach der für die Schreibung richtigen Silbenstruktur.

Deshalb setzen wir in unseren Texten und Übungen für Leseanfänger die schwarz-grüne Silbenmarkierung der Sprechsilbe ein, verzichten aber in unseren Nachschlagewerken zur richtigen Schreibung aber darauf: Weil diese an der Schreibsilbe orientiert sind.

Herzlichst

Heike Günther


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Über die Autorin

Heike Stein

Berufliche Tätigkeit: Ich arbeite seit 15 Jahren im Klett-Verlag als Redakteurin. Dabei sind meine Zielgruppe die „ganz Kleinen“, die innerhalb nur eines Jahres eine enorme Leistung vollbringen (sollen): Lesen und Schreiben erlernen. Diesen großen Schritt in ein spannendes Leben als Leser*in und Schreiber*in begleite und unterstütze ich in meinen Werken mit Begeisterung. Was mir privat Spaß macht: In meiner Freizeit genieße ich mit meiner kleinen Familie unser „Bullerbü-Leben“ auf einem sächsischen Mini-Dorf mit Kind, Katzen, Pony, Igeln, Nachtigall und einem launischen Rasenmähertraktor :-). Abends werkele ich in unserem knarrenden alten Haus oder im (noch verwilderten) Garten herum und dilettiere dort in der Gemüsezucht. Bei schlechtem Wetter rattert stundenlang die Nähmaschine.

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