Mit Hörspurgeschichten zum kompetenten Zuhörer
Als Junglehrerin wurde mir stets im Seminar eingebläut, jeden Arbeitsauftrag zweimalig von Kindern wiederholen zu lassen, am liebsten gleich dreimal. Das erschien mir sinnvoll und von großem Nutzen, da die Schülerinnen und Schüler teilweise horrende Fähigkeiten im richtigen, sinnentnehmenden Zuhören vorwiesen.
Und dann kamen die VERA-Testungen. Plötzlich mussten die Kinder aus knapp sechsminütigen Texten Informationen entnehmen, Fragen passend beantworten und selbstständig aus den Informationen Zusammenhänge herstellen.
Dabei stießen viele meiner Schülerinnen und Schüler an ihre Grenzen und ich begann mir Gedanken über ein passendes Übungsformat zu machen. Bestehende Übungsformate waren ähnlich wie VERA aufgebaut und unterschieden sich rein im Umfang der Texte und der Anzahl der gewünschten Wiederholungen. Doch das war für mich nicht ausreichend.
Lesespuren als Grundlage
Nachdem Lesespuren in meiner Klasse ein Renner waren, fing ich an, die ersten zu vertonen. Dabei nahm ich bereits vorhandene Lesespuren, die Aufnahmefunktion der schuleigenen iPads und sprach den Text zu den jeweiligen Stationen ein und verlinkte diese mit den Nummern. Die Schülerinnen und Schüler nahmen die Aufgaben begeistert an und verlangten nach mehr Aufgaben dieses Formats.
Damit wuchs die Idee der Hörspurgeschichten und ihre Umsetzung wurde stets etwas komplexer. So half mir ein Kollege, der eine Stimme mit sehr guter Sprecherqualität besitzt, beim Einsprechen der männlichen Stimmen und nahm mit mir gemeinsam Klänge auf, um aus der Hörgeschichte ein Hörspiel zu machen, bei dem auch die Geräusche als Hinweise dienen konnten.
Kompetenzen trainieren mithilfe der Hörspurgeschichte
Weiter überlegte ich mir, wie ich mithilfe der Aufgaben zusätzliche Kompetenzen trainieren konnte. So arbeiten meine Schüler derzeit daran, mithilfe von Kriminalfällen Steckbriefe zu den einzelnen Verdächtigen zu erstellen und Mindmaps mit wichtigen Informationen anzulegen, die nach Kategorien geordnet sind.
Anders als beim klassischen Hörtext oder dem altbekannten Diktat haben die Schüler es nun selbst in der Hand, die einzelnen kurzen Hörsequenzen einmal oder oftmals anzuhören. Dementsprechend differenziert sich die Aufgabe schon in Teilen von selbst.
Als Lehrer obliegt es uns dann, qualitative Differenzierung anzubieten. So können die Hörgeschichten mehrmals aufgesprochen werden und der verwendete Wortschatz dabei komplex und mit Fachbegriffen gespickt, die Syntax mit Para- und Hypotaxen gefüllt oder simpel mit einfachem Vokabular und kurzen Sätzen ausgeführt werden. Die Kinder können sich dann je nach eigenem Leistungsstand selbst einschätzen und die für sie passende Aufgabe wählen.
Mittlerweile gehören Hörspuren zum Alltag in meinem Klassenzimmer und die Schülerinnen und Schüler trainieren dadurch nicht nur gezielt ihre Zuhörkompetenzen, sondern auch der Umgang mit digitalen Medien wird schrittweise verbessert.
Über weitere Umsetzungsmöglichkeiten und die konkrete Erarbeitung im Unterricht erzähle ich in einem weiteren Artikel – bleibt dran.
Julia Priller



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