Grundschul-Blog
Gemeinsam Unterricht gestalten

Matherad – Hilfe für die Selbsteinschätzung

Liebe Mitradlerinnen und liebe Mitradler,

ich bin es wieder, eure Albee. Bevor ich mich meinem heutigen Thema „Wie wichtig ist Selbsteinschätzung für erfolgreiches Lernen?“ widme, möchte ich euch davon berichten, wie es in meinem Unterricht weitergegangen ist. Ich kann euch schon hier sagen: Ich bin absolut glücklich mit diesem tollen Lehrwerk.

Allgemeines zum Thema „Wie es weitergeht …“

Durch die Differenzierungsmöglichkeiten, die das Matherad bietet, können die Kinder in ihrem Tempo lernen und arbeiten. So lernen einige Kinder immer noch im Kapitel „blau“, während die schnellsten sich schon mit dem Ende des orangefarbenen Kapitels beschäftigen. Dabei haben die Schülerinnen und Schüler sehr schnell verstanden, welche Symbole für welche Zusatzmaterialien stehen.

Ich biete ein bis zwei Mal pro Woche im Sitzkreis die Möglichkeit an, verschiedene Themen des Matherades noch einmal intensiv zu bearbeiten. Dabei entscheiden zum Teil die Kinder selbst, ob sie zu diesem Thema noch einmal mit mir gemeinsam lernen wollen. Aber ich benenne auch Kinder, bei denen ich die absolute Notwendigkeit für ein nochmaliges Vertiefen sehe.

In dieser Kreiszeit arbeiten die anderen Schülerinnen und Schüler selbstständig weiter. Entweder erarbeiten sie sich (einzeln oder gemeinsam) eine neue Seite. Wenn es da Fragen oder Notwendigkeiten fürs Erklären gibt, ist dafür ein Chefkind da, was bereits weiter vorangeschritten ist. Oder aber die Kinder verbessern die Seiten, die ich zuvor kontrolliert hatte. Da verfahre ich folgendermaßen: Ich schaue mir die bearbeiteten Aufgaben an (Dies tue ich nach jeder Arbeitsphase im Matherad.) und zeichne hinter ein fehlerhaftes Ergebnis einen kleinen Punkt. Die zu verbessernden Seiten markiere ich mit einem Klebchen. Die Kinder wissen, dass diese Seiten zuerst bearbeitet werden müssen, bevor eine neue begonnen werden darf.

Häufigkeit der Verwendung der Zusatzmaterialien

Die Zusatzmaterialien (Karteikarten und Aufgabenkarten) im ersten Kapitel wurden in meiner Lerngruppe nur von wenigen Kindern genutzt. Den Grund hierfür sehe ich darin, dass die Kinder im Bereich der Mengenerfassung bereits gute Fähigkeiten besaßen.

Es gab nur wenige Kinder, für die schon die Mengenerfassung und die Zahlenreihe wirklich neu und dann auch übungsrelevant waren. Ich bin mir sicher, dass die Differenzierungsmaterialien im weiteren Verlauf an Wichtigkeit zunehmen werden.

Wie wichtig ist Selbsteinschätzung für erfolgreiches Lernen?

Jetzt möchte ich zu meinem eigentlichen Thema (eines meiner Herzensthemen in meinem Unterricht) dieses Blogbeitrages kommen 😊: Selbsteinschätzung.

Ich bin absolut überzeugt davon, dass der Lernerfolg unserer Kinder maßgeblich davon abhängt, in welchem Maße wir unsere Kinder darin befähigen, sich selbst einzuschätzen und daraus Konsequenzen zu ziehen und Maßnahmen für deren weiteres Lernen zu ergreifen. Damit sollten wir unbedingt schon im 1. Lernjahr beginnen.

Sich selbst einschätzen zu lernen wirkt sich positiv auf die Lernleistung der Kinder aus, da es für sie wichtig ist zu wissen, was sie können und wo sie sich noch verbessern können. Erkennen die Schülerinnen und Schüler dies selbst, ist die Bereitschaft zum Handeln um ein Vielfaches höher, als wenn wir als Lehrende den Kindern sagen, was als nächstes zu tun ist. Unsere Kinder erleben sich so als eigenständig Wirkende, die für ihr eigenes Handeln und Vorankommen selbst verantwortlich sind.

Wie beginne ich die Arbeit mit der Selbsteinschätzung?

In dieser Klasse habe ich in Woche 7 die Wochenplanarbeit eingeführt. Für ein positives Gefühl der Kinder habe ich in jeden Tag der Woche entweder eine Deutsch- oder eine Matheaufgabe eingebaut, als Arbeitszeitdauer habe ich ca. 20 Minuten eingeplant. Am Ende jeder Arbeitszeitphase folgt unser Morgenkreis, in dem wir uns mit unseren Lerntagebüchern (Logbücher, in denen die Wochenpläne kleben) und einem Stift zusammenfinden.

Beispiel Lerntagebuch – Cover und Innenseite mit eingeklebtem Wochenplan

Übersicht Wochenpläne mit und ohne Markierung (Häkchen und Punkt)

Ich habe mir eine Übersicht über alle Wochenpläne erstellt, sodass ich die bearbeiteten Aufgaben der Kinder notieren kann. Ich setze ein Häkchen hinter die Aufgabe, wenn diese beendet wurde. Ein Punkt markiert für mich, dass die Bearbeitung der Aufgabe begonnen wurde. Jedes Kind erzählt dann (stolz), woran es gearbeitet hat und ob es die Aufgabe beenden konnte. Wenn der Schüler oder die Schülerin eine Aufgabe nicht beendet hat, besprechen wir den Grund. Und dabei ist mir die Ehrlichkeit am wichtigsten …

Denn meine hauptsächliche Intension ist: Die Kinder sollen aus ihrer ehrlichen Argumentation ein/e für sich mögliche/s Lösung/Ziel ableiten. Dabei zeige ich, dass auch ich mir etwas für den nächsten Wochenplan vornehme (zum Beispiel eine andere/leichtere Aufgabe auszuwählen).

Der weitere Weg der Selbsteinschätzung

In den ersten Morgenkreisen dauerte die Abfrage etwas länger. Aber schon in der 2. Woche konnte ich erkennen, dass die Kinder wussten, wie die Verfahrensweise ist. Ich merkte sofort, dass die Kinder gefallen wollen, oder anders gesagt, dass sie die Aufgaben schaffen wollen.

Wenn die Kinder nun feststellten, dass sie abgelenkt waren oder selbst mit anderen erzählt haben, dann kann es verschiedene Zielformulierungen geben.

Eine PowerPoint-Vorlage zu den Zielen (ohne Abbildungen, zum Selbstgestalten) könnt ihr euch unter dem Beitrag gratis downloaden.

Zielformulierungen Matherad

  • Ich arbeite konzentriert.
  • Ich nutze Kopfhörer.
  • Ich bleibe an meinem Platz.
  • Ich arbeite zügig.
  • Ich arbeite leise.
  • Ich lasse die anderen Kinder in Ruhe arbeiten.
  • Ich nutze Kopfhörer und Sichtschutz.
  • Ich suche mir einen Arbeitsplatz, wo ich allein bin.

Das Ziel schreiben sich die Kinder montags in ihr Lerntagebuch. Danach heften sie ihre Namensklammer an das Ziel, woran sie in der aktuellen Woche arbeiten wollen. Die Ziele hängen sichtbar in unserem Klassenzimmer.

Ziele mit Namensklammern

Tür mit Zielbildern und Beispielbild mit Klettpunkt

Damit die Kinder ihr eigenes Ziel täglich „vor Augen haben“, habe ich von jedem Ziel noch ein kleines Bild hergestellt. Alle Bilder hängen an der Tür und die Kinder holen sich „ihr“ Zielbild auf ihren Platz. Bild und Tisch sind mit Klettpunkten versehen, sodass die Bilder ausgetauscht werden können.

Tipp! Alle Abbildungen und Symbole hat unsere Schule bei Metacom-Symbole erworben.

Um die Selbsteinschätzung transparent zu machen, gibt es für meine Kinder die 4 Pflanzenstadien. Während der Auswertung im Morgenkreis kreuzen die Kinder dann entsprechend die Pflanze an, die zeigt, wie gut das Ziel in der jeweiligen Arbeitszeit erreicht wurde. Ich gebe dazu ein wirklich kurzes Feedback in Form von „Ja, sehe ich auch so.“ oder „Ich würde eher diese Pflanze ankreuzen.“. In der regelmäßigen Wochenauswertung freitags schreibe ich meinen Kindern etwas zum Erreichen/nicht Erreichen der Ziele. Dazu würde ich euch, liebe Mitradlerinnen und Mitradler, in meinem nächsten Blogbeitrag mehr schreiben. Wenn ihr Fragen zu diesem Beitrag habt, könnt ihr unter dem Beitrag einen Kommentar mit der Frage hinterlassen.

Bis dahin wünsche ich euch eine gute Zeit.

Es grüßt euch ganz lieb

Illustration Albee mit Biene

Vier Pflanzenstadien und angekreuztes Stadium

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Über die Autorin

Frauke Albert

Berufliche Tätigkeit: Ich habe das Glück, dass ich mein Hobby zum Beruf machen konnte: Ich bin leidenschaftliche Lehrerin für Mathe, Deutsch und Sachunterricht. Und ich liebe es, neue Materialien und neue Ideen mit meinen Kindern auszuprobieren. Meine einwöchige Hospitationsfahrt ins wunderschöne Schweden hat mich ermutigt, neue Wege zu gehen. ? Was mir privat Spaß macht: Ich liebe es, Zeit mit meiner Familie zu verbringen, zu lesen, in meinem Garten zu werkeln, bei Handlettering und Zentangle zu entspannen und Unterrichtsmaterialien vorzubereiten.

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2 Kommentare

  1. Bine 5. August 2025 um 19:06 Uhr - Antworten

    Haben die Kinder alle die 4 Pflanzen laminiert vor sich?

    • Albee 6. August 2025 um 21:50 Uhr - Antworten

      Hallo liebe Bine, die 4 Pflanzen sind im Lerntagebuch. Dort werten wir das Ziel dann immer aus.
      Melde Dich gern, wenn Du noch mehr Fragen hast.
      Liebe Grüße,
      Albee

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