Grundschul-Blog
Gemeinsam Unterricht gestalten

Minusaufgaben inklusiv unterrichten: Mit Förderheft Inklusion und Förderkommentar

Lernausgangslage

Ich bin Klassenlehrerin in einem 1.Schuljahr in einer sehr heterogenen Klasse, in der sowohl Kinder sind, die bereits bei Schuleintritt über vielfältige Kenntnisse verfügten, als auch Kinder, die ihre Grundschulzeit mit sehr wenigen Vorkenntnissen beginnen und auch weiterhin außerschulisch wenig Förderung erhalten. Diese Lernausgangslage ist in unserem Unterricht Alltag geworden und sie stellt für mich die größte Herausforderung in meiner Unterrichtsgestaltung dar. Es ist mir ein großes Anliegen, Unterricht so zu gestalten, dass alle Kinder gemeinsam beteiligt sein können. Dass dies nicht unbedingt mit einem immens hohen Aufwand verbunden sein muss, möchten wir euch heute zeigen.


Wie kann man vorgehen?

Thema der Unterrichtsstunden ist die Erarbeitung der einfachen Minusaufgaben (Zahlenbuch 1, S. 86ff). In einem gemeinsamen Unterrichtseinstieg werden zunächst die Aufgaben von Kindern sortiert und anschließend einzelne Aufgabentypen vertieft erarbeitet. Dabei werden Aufgaben aus Schulbuch und Förderheft Inklusion zur Differenzierung eingesetzt. Neben dem didaktischen Kommentar des Zahlenbuches bietet der Förderkommentar Lernen Hinweise für gemeinsame Einstiege, Differenzierungsmöglichkeiten und Kooperationen der Kinder.

Praxistipp: Der Hinweis auf die bereits bekannten Strategien der Addition erleichtert den Kindern den Zugang.


Gemeinsamer Unterrichtseinstieg

Zahlenbuch Fördern digitale Tafel
Zahlenbuch Fördern Tafelbild

Das Einstiegsbild aus dem Schulbuch kann über die digitale Tafel geteilt werden oder die Aufgaben auf Karten an die Tafel gehängt werden. Die Kinder beschreiben bzw. begründen, warum eine Aufgabe einfach und eine andere schwierig ist. Der sichtbare Wortspeicher an der Tafel unterstützt dabei. Die Auswahl der Aufgaben (z.B. 7-1) ermöglicht auch den Kindern, die im kleineren Zahlenraum rechnen, sich am Unterrichtsgespräch zu beteiligen. Gleichzeitig profitieren alle Kinder von den unterschiedlichen Beschreibungen und Begründungen für die Auswahl von Aufgaben.

In meiner Klasse sagten die Kinder, dass Aufgaben einfach sind, weil nur einer weggenommen wird (7-1, 12-1) oder weil eine zehn dabei sei. Bei 10-7 müsse man nur 7 wegnehmen, dann sind es 3, weil 7+3=10. Aufgaben wurden als schwierig eingeordnet, weil die 13 schwierig sei (13-7) oder man die Aufgaben mit den Fingern lösen müsse (13-6).

Das entstandene Tafelbild kann dann im Verlauf immer weiter genutzt und die Aufgaben markiert werden, die besonders im Fokus stehen sollen.


Einfache Minusaufgaben „mit Zehnerpartnern“

Eine anschließende Partnerarbeit konzentriert sich auf die Aufgaben mit Zehnerpartnern. In dieser Partnerarbeit arbeiten Kinder mit unterschiedlicher Lernausgangslage zusammen. Die Strategie mit Zehnerpartnern ist gut zugänglich, eine Differenzierung erfolgt durch die unterschiedliche Darstellungsweise der Aufgaben im Schulbuch und Förderheft Inklusion.

Ein Teil der Kinderpaare bearbeitet die Aufgabe 2 im Schulbuch. Ein Kind legt ein Kind 10 Plättchen, begleitet diese Handlung mit dem Satz „Ich lege 10 Plättchen“, das andere Kind wählt eine von beiden folgenden Vorgehensweisen: „Ich nehme ____ Plättchen weg“ bzw. „Ich denke an den Zehnerpartner von___“. Anschließend wird das Ergebnis notiert und die Rollen getauscht.

Zahlenbuch Fördern Wendeplättchen

Kinderpaare, bei denen Kinder besondere Schwierigkeiten haben, bearbeiten die entsprechende Aufgaben im Förderheft Inklusion. Hier finden die Kinder zur Unterstützung eine bildliche Plättchendarstellung der Aufgabe. Die Vorgehensweise bleibt gleich, d.h. die Kinder wechseln sich beim Legen, Beschreiben und Ausführen der Operation ab. Leistungsstärkere Kinder werden gefordert, indem sie legen, beschreiben und ggf. begründen, Kinder mit Schwierigkeiten werden unterstützt durch die Darstellungsweise und ein Partnerkind, das erklärt und als ein sprachliches Vorbild dient.

Im Anschluss an die Partnerarbeit findet eine kurze Ergebnissicherung an der Tafel statt am Beispiel der Aufgabe 10-3. Dabei demonstrieren die Kinder zu zweit an ausgewählten Aufgaben ihr Vorgehen. Die Kinder können die Rollen selbst wählen. Dabei achte ich besonders darauf, dass alle Kinder beschreiben, was sie tun (Hinweis auf Wortspeicher) und erklären, warum sie so vorgehen (am Beispiel der Aufgabe 10 – 3): „Wir müssen 10 Plättchen legen, dann schieben wir 3 weg, weil da 3 minus steht. Es sind 7 übrig“. Ich frage auch explizit danach, woher sie das Ergebnis wissen. Darauf bekam ich die Antwort: „Ich habe in meinem Kopf 7+3 gemacht, das ist 10 und dann habe ich 3 wieder weggenommen“.


Einfache Minusaufgaben „mit Fünfern“

In der 2. Stunde bearbeiteten alle Kinder einfache Minusaufgaben mit Fünfern, wobei der Zahlenraum für die schwächeren Kinder reduziert wird. Eine weitere Differenzierung findet statt, indem ich einzelne, sehr schwache Kinder bei der Arbeit an den Aufgaben intensiv begleite.

Der Einstieg in die Stunde erfolgt wieder gemeinsam, über das Einstiegsbild aus der letzten Stunde. Im Vordergrund steht die Strategie mit Fünfern (Wortspeicher, siehe Foto). Die entsprechenden Aufgaben werden am Tafelbild gelb umrandet. Bevor es in die Partnerarbeit geht, wird am Beispiel des Einstiegsbildes aus dem Schulbuch die Vorgehensweise besprochen, außerdem wird der Wortspeicher aus der 1. Stunde ergänzt.

Zahlenbuch Fördern Einstiegsbild Tafel
Zahlenbuch Fördern Wortspeicher

Differenzierte Aktivitäten

Ein Teil der Klasse bearbeitet die Aufgaben 1 und 2 im Schulbuch. Dabei achte ich darauf, dass wieder zunächst gelegt und dann notiert wird. Dies wird begleitet durch die Sätze „Ich lege 5 Plättchen“, „Ich nehme __ weg“, bzw. „Ich nehme den Fünfer weg“. Wichtig beim Legen der Aufgaben ist die Verwendung des Fünferstreifens. Die Kinderpaare erhalten zusätzlich den Auftrag, die Aufgabenpaare miteinander zu vergleichen (8-3 und 8-5): „Was fällt euch auf?“. Analog erfolgt auch in Aufgabe 2 nach dem Legen und Verbalisieren der Hinweis, Auffälligkeiten zu beschreiben.

Zahlenbuch Fördern Screenshot Schulbuch

Die leistungsschwächeren Kinder setzen sich ebenfalls mit der Strategie „mit Fünf“ auseinander. Sie bearbeiten passende Aufgaben aus dem Förderheft. Der Zahlenraum ist reduziert (bis 10) und die Aufgaben sind mit Plättchen dargestellt. Wichtig ist auch hier, darauf zu achten, dass die Kinder beim Legen den Fünferstreifen nutzen, so wie in Aufgabe 1 gezeigt. Aus Aufgabe 3 wähle ich die passenden Aufgaben aus.

Eine kleine Gruppe von sehr leistungsschwachen Kindern bearbeitet das gleiche Arbeitsblatt gemeinsam mit mir vorne an der Tafel, wobei ich die Aufgabe über den Digitalen Unterrichtsassistenten auf die digitale Tafel ziehe. Auch in dieser Gruppe lege ich sehr viel Wert auf die Verwendung des Wortspeichers, um die Kinder zunehmend in die Lage zu versetzen, mathematische Handlungen zu beschreiben.


Gemeinsamer Abschluss

Im Anschluss findet eine gemeinsame Reflexion an der Tafel statt.

Zunächst geht es um den Vergleich 7-2 und 7-5, die alle Kinder bearbeitet haben.  Die Aufgaben werden zunächst noch einmal gelegt, verbalisiert und gelöst, damit alle Kinder – auch die mit Schwierigkeiten – die Aufgaben präsent haben und sich einbringen können.

Zahlenbuch Fördern Tafelbild Abschluss 01
Zahlenbuch Fördern Tafelbild Abschluss 02

Die Kinder werden im Anschluss dazu aufgefordert, die Aufgaben zu vergleichen: „Da steckt eine 5 drin, das ist eine besondere Zahl“, „Beides sind 7, das sind 2 und 5, die haben den Platz getauscht“.

Im Anschluss daran geht es um den Vergleich der Aufgaben 7-5 und 17-5 (siehe Foto). Auch diese werden von den Kinder gelegt. Um sie besser vergleichen zu können, werden zwei Zwanzigerfelder untereinander verwendet. Auch hier beschreiben die Kinder: „Da ist oben und unten eine 7, eine 5, eine 2. Zur 7 und zur 2 ist ein Zehner dazugekommen.“


Fazit

Kinder unterschiedlicher Lernausgangslagen können in dieser Sequenz miteinander und voneinander lernen. Das Förderheft und der Förderkommentar bieten vielfältige Anregungen dazu, gemeinsame Unterrichtsituationen zu schaffen. Alle Kinder profitieren davon, mathematische Handlungen zu beschreiben und zu begründen. Dafür sind gemeinsame Unterrichtsgespräche eine wichtige Voraussetzung.

Katja Geppert in Zusammenarbeit mit Uta Häsel-Weide


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Über die Autorin

Katja Geppert

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