Grundschul-Blog
Gemeinsam Unterricht gestalten

Niko: Lautgebärden als ganzheitliche Unterstützung beim Schriftspracherwerb

Schon Johann Heinrich Pestalozzi wusste, dass nachhaltiges Lernen alle Sinne anspricht. Diese ganzheitliche Methode ist heute im Anfangsunterricht wichtiger denn je. In den Klassenzimmern wird das Lesen- und Schreibenlernen zu einem aktiven Erlebnis: Erstklässler und Erstklässlerinnen schwingen Silben mit Bewegung, spuren Buchstaben im Sand nach oder formen sie aus Knete. Als fester Bestandteil dieses multisensorischen Grundschulunterrichts unterstützen Lautgebärden die Kinder dabei, Laute und Buchstaben intuitiv miteinander zu verknüpfen.

Warum bereichern Lautgebärden den Grundschulunterricht?

Lautgebärden sind im Anfangsunterricht echte Erfolgsbeschleuniger. Wenn Kinder lernen, Buchstaben den passenden Lauten zuzuordnen, verknüpfen Lautgebärden die klassischen Sinneskanäle Hören und Sehen perfekt mit der Motorik von Hand und Mund. Dieses ganzheitliche Lernen hilft den Lernenden, die Verbindung von Laut und Buchstabe im wahrsten Sinne des Wortes zu begreifen und dauerhaft im Gedächtnis zu verankern.

Ein wunderbarer Nebeneffekt: Wer die Gebärde parallel zum Sprechen nutzt, verlangsamt ganz automatisch die eigene Aussprache. Dadurch nehmen Kinder die einzelnen Laute viel intensiver wahr, was die Lautanalyse und das spätere Zusammenziehen der Buchstaben (Synthese) spürbar erleichtert.

Besonders bei ähnlich klingenden Lauten oder Buchstaben, die sich optisch stark ähneln, bieten Lautgebärden eine zuverlässige Orientierung. Die motorische Bewegung macht die Lautbildung direkt fühlbar und sichtbar. Nutzt diese Unterstützung daher ganz selbstverständlich im Unterrichtsalltag – vor allem als Orientierungshilfe bei typischen Stolperstellen im Diktat oder beim freien Schreiben.

Geht dadurch nicht die Konzentration verloren?

Die Erfahrung zeigt genau das Gegenteil: Die aktive Bewegung beim Sprechen sorgt dafür, dass die Kinder hochkonzentriert bei der Sache sind. Das zusätzliche Ausführen der Lautgebärden lenkt nicht ab, sondern bündelt die Aufmerksamkeit viel besser als das reine, passive Vorlesen. Zudem berichten Lehrkräfte immer wieder, wie viel Freude die Arbeit mit Lautgebärden in der Grundschule macht. Diese Begeisterung ist der beste Motor für einen erfolgreichen Schriftspracherwerb.

Nikos neue Kartei zu den Lautgebärden

Als besonderes Extra gibt es für euch unter diesem Beitrag die Niko-Lautgebärdenkartei als kostenlosen Download. Sie ist die perfekte Ergänzung zur bewährten Niko-Lauttabelle. Jede Karteikarte zeigt anschaulich das Bild der jeweiligen Lautgebärde, wobei ihr ganz flexibel entscheiden könnt, ob ihr lieber mit den liebevollen Illustrationen oder den realitätsnahen Fotos arbeiten möchtet.

Für eine schnelle Orientierung sorgt der Buchstabe mitsamt dem passenden Lautbild – wie beispielsweise dem Mond für das „Mm“ – in der oberen rechten Ecke. Ein weiteres Highlight findet ihr oben links: Über den dort integrierten QR-Code gelangt ihr direkt zum passenden Videoclip.

Die Karten der Niko Lautgebärdenkartei sind wahlweise mit Illustrationen oder Fotos downloadbar.

In diesen kurzen Videos wird euch die genaue Ausführung jedes Lautes anschaulich vorgemacht. Ihr könnt die Clips ganz flexibel nutzen: Zeigt sie eurer Klasse direkt am Smartboard oder nutzt sie, um die Gebärden vorab selbst zu üben und anschließend im Unterricht einzuführen.

Euer Buchstabenweg lässt sich damit auch wunderbar hybrid gestalten: Ergänzt die klassischen Stationen mit Sand und Knete einfach um ein Tablet, an dem die Kinder die Videos selbstständig anschauen und die Lautgebärden direkt nachmachen können.

Screenshot vom Niko Lautgebärdenvideo zum Mm

Per QR-Code und Link sind die Videos zu den Lautgebärden eingebunden. (Bei Problemen beim Abspielen des Videos bitte einmal das Browserfenster aktualisieren.)

Der gemeinsame Start: Lautgebärden und Lauttabelle

Ab wann ist der beste Zeitpunkt für den Einsatz und wie gelingt die Umsetzung?

Um den Kindern von Beginn an einen echten Mehrwert zu bieten, verknüpft ihr die Lautgebärden am besten direkt ab dem ersten Schultag mit der Lauttabelle. So werden sie ganz schnell ein natürlicher Begleiter bei jedem neuen Buchstaben. Das gemeinsame Ausführen der Gebärden gehört dann einfach genauso zum Lernen dazu wie das Lesen und Schreiben selbst.

Darüber hinaus eröffnen die Bewegungen wunderbare spielerische Zugänge zur Sprache – wie wäre es zum Beispiel mit einer lautlosen „Geheimsprache“ im Unterricht? Besonders Kinder, die sich beim Lernen etwas schwerer tun, finden in den Gebärden eine langfristige Stütze. Ihr könnt sie im Alltag immer wieder begleitend einsetzen, um ähnlich klingende Laute beim Sprechen ganz leicht und visuell zu klären.

Schon nach kurzer Zeit wird diese Methode für euch zum festen Ritual, das ihr nicht mehr missen möchtet. Ihr werdet rasch spüren, wie lebendig euer Unterricht dadurch wird und wie viel Freude er allen bringt. Mit diesem ganzheitlichen Weg bringt ihr Kinderaugen zum Leuchten und nehmt wirklich alle Lernenden begeistert mit.

Die Niko Lauttabelle mit Lautbildern und Gebärdenillustrationen sowie nur mit Gebärdenillustrationen findet ihr unten in Grundschrift und Druckschrift zum Download.

Ich persönlich kann mir die Lautgebärden in meinem Anfangsunterricht in der Grundschule nicht mehr wegdenken und möchte euch ermutigen, sie einfach mal auszuprobieren. Ihr werdet sehen, es lohnt sich und macht Spaß! Wenn ihr Fragen habt, schreibt mir gern!

Anja Ley

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Über die Autorin

Anja Ley

Berufliche Tätigkeit: Nach meinem Lehramtsstudium habe ich an der Universität als Wissenschaftliche Mitarbeiterin gearbeitet. Danach war viele Jahre als Lerntherapeutin tätig. Dann habe ich doch noch mein Referendariat gemacht und es nicht bereut. Heute bin heute leidenschaftliche Lehrerin an einer Grundschule in Hamburg-Billstedt. Meine Hauptfächer sind Deutsch und Kunst. Nebenbei bin ich als Autorin für verschiedene Schulverlage tätig. Ich beschäftige mich theoretisch und praktisch schon sehr lange mit dem Thema LRS/Legasthenie. Ein anderer Schwerpunkt ist DaZ. Aber eigentlich brenne ich für alles, was mit meinem Studienhauptfach Deutsch in Verbindung steht. Was mir privat Spaß macht: Privat male, zeichne und fotografiere ich oder mache Musik. Die restliche Zeit verbringe ich mit meinen Liebsten, gern in der Natur. Wir fahren regelmäßig auf die Hallig. Ein Refugium für alle, die echte Ruhe brauchen und aushalten können.

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