Lasst uns Raben falten!
Vor Kurzem ist mir eine Faltanleitung für einen Vogel ins Haus geflattert. Die möchte ich unbedingt mit euch teilen, denn sie passt perfekt zu unserem Lehrwerk!
Im Nussknacker und auch im Rechenraben wird besonderer Wert auf handlungsorientiertes und entdeckendes Lernen mithilfe leicht zu beschaffender Materialien (z.B. Faltpapier) gelegt.
An dieser Stelle bekommt ihr eine Fotoanleitung für euren eigenen Raben – als kleines Extra sind einige mathematische Fachbegriffe eingebaut. Also schnappt euch Papier und lasst die Raben fliegen!

Faltanleitung für einen Raben
Schritt 1:
Der Anfang erfolgt wie beim bekannten „Schnapper“ oder „Himmel oder Hölle“.
Ein quadratisches Papier wird auf den Tisch gelegt. Eine Ecke wird auf die gegenüberliegende Ecke gefaltet und die Faltung wird wieder geöffnet (Ecke auf Ecke, Seite auf Seite). Die nächste Ecke wird ebenfalls auf die gegenüberliegende Ecke gefaltet (Ecke auf Ecke, Seite auf Seite).





Schritt 2:
Nun werden alle Ecken zum Mittelpunkt gefaltet (Ecke auf Mittelpunkt).




Schritt 3:
Das gefaltete Werk wird gewendet und alle Ecken werden erneut zum Mittelpunkt gefaltet (Ecke auf Mittelpunkt).





Schritt 4:
Ab hier unterscheiden sich die Schritte vom „Schnapper“: Eine der „Taschen“ wird als Rabengesicht bestimmt und kann bemalt werden.

Schritt 5:
Das Gesicht wird wie beim „Schnapper“ aufgefaltet, sodass eine „Tasche“ entsteht.

Schritt 6:
Die anderen „Taschen“ werden nicht aufgefaltet, sondern nach innen gefaltet.


Schritt 7:
Jetzt kann er plappern und „fliegen“. Wer mag, kann dem Raben auch noch Haare und Schwanzfedern ankleben.


Was hat das Falten mit Mathematik zu tun?
Kinder können beim Papierfalten Mathematik „begreifen“, sie erkunden mathematische Zusammenhänge handlungsorientiert. Das Falten bietet sich an, um Grundformen und ihre Eigenschaften zu erkunden oder auch Lagebeziehungen sowie Symmetrien zu thematisieren (je nach Klassenstufe: Quadrat, Dreieck, Ecke, Kante, Seite, Mittelpunkt, Diagonale, links, rechts, oben, unten, parallel, senkrecht, Hälfte, Viertel, Symmetrie usf.).
Zum Beispiel: Aus einem Quadrat entstehen durch eine Faltung zwei gleich große Dreiecke. Durch eine weitere Faltung werden die beiden Dreiecke halbiert, sodass insgesamt vier Dreiecke entstehen.

Wie präsentiere ich die Faltschritte?
In einigen unserer Schulbücher verknüpfen Faltanleitungen zwei Darstellungsformen: den technisch gezeichneten Faltschritt sowie die realitätsnahe Darstellung des Faltobjekts nach Ausführung des jeweiligen Faltvorgangs. Damit lernen die Kinder, bildlichen Darstellungen Handlungsanweisungen zu entnehmen.
Ich weiß nicht, wie viele von euch Kompetenzen im technischen Zeichnen haben. Vermutlich ist es für die meisten von euch im Unterricht weder praktikabel noch notwendig, einzelne Faltschritte zu zeichnen.
Selbstverständlich könnt ihr die Faltschritte einmal vor der gesamten Klasse „live“ präsentieren. Dann sind die Faltungen aber möglicherweise von Händen verdeckt, zu weit weg, im falschen Tempo und nicht reproduzierbar.
Möchtet ihr die Faltanleitung in einzelnen Faltschritten darbieten, dann könnt ihr
- jeweils ein gefaltetes Objekt pro Faltschritt auslegen (bei 8 Faltschritten also 8 Objekte) oder
- ein Foto von jedem Faltschritt präsentieren.
- Die Schritte könnt ihr zum Beispiel an der Tafel oder auf einem Tisch auslegen. Dann kann man immer wieder nachschauen.
Alternativ könnt ihr einen Objektbeamer bzw. eine Dokumentenkamera nutzen. Hier können die Kinder zwar immer nur einen Schritt auf einmal sehen, aber sie können das Falten dynamisch verfolgen.
Wie geht es weiter? – Medienbildung!
Das Falten bringt für viele Lernende eine willkommene Abwechslung und entspannt sie. Es bestärkt die Kinder, weil sie ihre eigenen Werke produzieren. Das gilt aber nicht für alle: Einigen Kindern fällt das sorgfältige Arbeiten schwer, andere können dem Falten nichts abgewinnen. Im Didaktischen Kommentar zum Nussknacker und auch zum Rechenraben findet ihr zusätzliche Anregungen zur Differenzierung. Darüber hinaus fallen mir einige weitere Möglichkeiten im Rahmen der Medienbildung ein: Auch die Kinder können beispielsweise eine Schritt-für-Schritt-Anleitung mit Fotos anfertigen.
Wer sich technisch etwas mehr zutraut, kann die Fotos zu einem Stop-Motion-Video verarbeiten lassen. Hier sind zahlreiche verschiedene Varianten denkbar:
- Mit Händen auf den Fotos
- Ohne Hände auf den Fotos
- Mit Beschriftung der Faltschritte
- Mit Abbildung von Fachbegriffen
- Unter Beachtung von Beleuchtung, Positionierung der Motive o.Ä.
- …
Probiert es doch einfach aus und hinterlasst uns gern eure Kommentare!







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