Grundschul-Blog
Gemeinsam Unterricht gestalten

Vorlesen verzaubert! Impuls zum Vorlesetag am 21. November 2025

Es gibt viele Möglichkeiten, den Vorlesetag mit Kindern zu feiern. Um im Klassenraum für gespitzte Ohren zu sorgen und das Vorlesen spielerisch zu üben, haben wir uns etwas für euch überlegt. Mit einem Zaubermärchen tauchen wir ein in das Szenische Lesen und geben verschiedenen Charakteren eine Stimme. Unter dem Beitrag stehen euch Kopiervorlagen zur Verfügung, die ihr kostenlos herunterladen und ausdrucken könnt. Die Impulse eignen sich für die Klassen drei und vier.

Auf die Plätze – fertig – Vorlesen!

Wird es ab November draußen wieder nass und kühl, dann lädt uns die dunkle Jahreszeit zum Schmökern und Vorlesen ein. Ob auf dem Sofa oder gemeinsam im Klassenzimmer – Vorlesen verbindet uns miteinander und regt den Austausch über bunte Geschichten an. Mit dem Motto „Vorlesen spricht Deine Sprache“ rückt der diesjährige Vorlesetag die Einzigartigkeit der Sprachen und Geschichten in den Fokus und macht Groß und Klein Mut, selbst vorzulesen.

Mit Szenischem Lesen erlebt ihr, wie bunt und vielfältig das Vorlesen sein kann – passend zum Motto des Vorlesetags. Indem die Kinder in verschiedene Rollen schlüpfen und die Figuren mit der eigenen Stimme darstellen, werden die Charaktere für sie direkt erfahrbar und greifbarer. Eure Klasse kann kreativ werden und die Figuren auf ganz eigene Weise zum Leben erwecken. Das stärkt nicht nur das Textverständnis, sondern macht den Vorlesetag zu einem besonderen gemeinsamen Ereignis.

Wie klingt eigentlich …?

Viele Kinder finden es spannend, sich in verschiedene Rollen hineinzuversetzen und Figuren mit ihrer Stimme zum Leben zu erwecken. Stellt zunächst die Figuren des Märchens vor, die im Text etwas sagen und überlegt: wie können wir unsere Stimmen verstellen, das Sprechtempo variieren und mit der Lautstärke spielen? Überlegt gemeinsam: Wie klingt wohl eine Hexe? Vielleicht spricht sie krächzend und langsam oder besonders laut und schrill. Ein weiser Uhu könnte eine tiefe und langsame Stimme haben, während eine kleine Maus eher leise, piepsig und schnell spricht.

Ihr könnt in der Klasse gemeinsam ausprobieren, welche Stimmen am besten passen – so wird das Vorlesen noch lebendiger und macht allen großen Spaß! Diese Übung funktioniert natürlich mündlich besonders gut. Bei Bedarf könnt ihr im Anschluss eure Erkenntnisse im Vordruck auf der Kopiervorlage 1 festhalten.

Gemeinsame Vorlesezeit

Potsdamer Lesetest- die Leseanalyse

Ist die Freude geweckt? Dann kann es mit dem Vorlesen losgehen! Am meisten zu lesen hat der Erzähler oder die Erzählerin – diese Rolle übernimmt am besten ein Kind mit guter Lesefähigkeit oder ihr als Lehrkraft. Die anderen Kinder suchen sich eine der Figuren aus und schlüpfen in ihre Rollen. Alle, die gerade nicht mitlesen, hören aufmerksam zu.

Ihr könnt auch kleine Vorlesegruppen mit jeweils fünf Kindern bilden. Beim gemeinsamen Lesen macht das Üben besonders viel Spaß: die Kinder helfen sich gegenseitig und motivieren sich zum Lesen. Damit es in den Gruppen gut funktioniert, könnt ihr vorher gemeinsam wichtige Gruppenregeln absprechen.

Das Lesespiel

Anschließend habt ihr die Möglichkeit, das Märchen auf spielerische Weise noch einmal gemeinsam aufzugreifen. Im Märchen-Lesespiel erhält jedes Kind eine Lesekarte. Zuerst liest es einen Antwortsatz und anschließend eine Frage von seiner Karte vor. Das Kind, das zur gestellten Frage die passende Antwort auf seiner Karte hat, liest dann weiter. So entsteht eine Lese-Kette, bei der jedes Kind an der Reihe ist. Die Kinder müssen aufmerksam zuhören, um den richtigen Moment nicht zu verpassen und der Klassenzusammenhalt wird spielerisch gestärkt.

Je nach Lesefertigkeit eurer Klasse solltet ihr etwa 5 bis 10 Minuten für eine Runde einplanen. Das Lesespiel besteht aus 29 Karten. Ist eure Klasse kleiner, könnt ihr als Lehrkraft mitspielen oder ein Kind bekommt zwei Karten.

Übrigens! Zebra Franz hat auch eine fantastische Reihe von Lesespielen.

Märchen: Das verschwundene Zauberbuch

In einem kleinen Wald im Erzgebirge lebte einst eine Hexe. Karlotta Ringelbein war ihr Name und ihr Hexenhaus war so krumm wie ihre Nase. Ein schwarzes Kätzchen wohnte bei ihr, das sie Ließchen nannte. Jedermann hatte Karlotta gern, denn sie war freundlich und hilfsbereit.

Das Zaubern machte ihr riesigen Spaß, und so setzte Karlotta jeden Tag ihre dicke Brille auf die Nase, um in ihrem alten Zauberbuch zu lesen. Mit dem Hexenhut auf dem Kopf und dem Zauberstab in der Hand wirbelte sie begeistert durch die Luft und wurde jeden Tag ein Stückchen besser.

Doch eines Tages war etwas anders. „Wo ist denn bloß mein Zauberbuch?“, wunderte sich Karlotta. „Ich habe überall in meinem Häuschen gesucht – auf dem Tisch, unter dem Sessel, in meiner Truhe und sogar hinter dem Ofen. Verflixt und zugenäht, es ist einfach verschwunden!“

Karlotta beschloss, sich Hilfe zu holen. Sie stieg auf ihren Besen und flog geschwind zur alten Eiche. Hoch oben in der Baumkrone saß der alte Uhu Ferdinand auf einem Ast. „Hallöchen, Uhu Ferdinand!“, rief sie. „Hast du mein Zauberbuch gesehen? Es ist verschwunden!“

„Hallo, Karlotta“, antwortete der Uhu. „Dein Zauberbuch ist weg? Das ist ja schrecklich. Aber keine Sorge, ich helfe dir, es zu finden.“ Uhu Ferdinand holte sein Fernrohr hervor und blickte damit weit in den Wald hinein. „Ah, da ist es! Es kriecht den Fluss entlang!“, rief er und zeigte mit dem Flügel in Richtung Fluss. „Vielen Dank, lieber Uhu!“, sagte Karlotta. „Ich werde gleich nachsehen!“

Mit Schwung stieg sie auf ihren Besen und flog zum Fluss. Nach einer Weile hörte sie ein lautes Krächzen. Auf einem Ast über dem Wasser saß der Rabe Rudi und putzte sich die Federn. „Hallo, Rudi!“, rief Karlotta. „Hast du zufällig ein Buch gesehen, das davongelaufen ist?“ Rudi legte den Kopf schief und krächzte: „Ein Buch? Ja! Es huschte am Fluss über die Wiese, wechselte dort die Richtung und lief dann weiter zur Waldlichtung. Sieh dort nach!“

„Vielen Dank, Rudi! Du hast mir sehr geholfen!“, rief Karlotta und flog weiter.

Bald landete sie am Waldrand, wo Tiere auf einer Lichtung spielten – Hasen, ein Igel, Rehe, ein Dachs und ein Eichhörnchen. „Habt ihr ein Buch gesehen, das davongelaufen ist?“, fragte Karlotta hoffnungsvoll. Die Rehe nickten und schickten sie zu der großen Höhle. Karlotta bedankte sich herzlich und zog ihren alten Kompass aus der Manteltasche. „Mal sehen… die Höhle liegt im Norden des Waldes, also muss es dort sein!“

Karlotta sprang wieder auf ihren Besen und machte sich auf zur Höhle. Schließlich entdeckte sie etwas. „Da ist es! Da sitzt jemand und liest in meinem Zauberbuch!“, staunte Karlotta. Neben der Höhle saß die kleine Maus Mia auf einem Stein, ein Stück Käse in der einen Pfote und das Zauberbuch in der anderen. Sie las so vertieft, dass sie Karlotta gar nicht bemerkte.

„Na, kleine Lesemaus?“, sagte Karlotta sanft. Maus Mia  erschrak und ließ beinahe das Buch fallen. „Oh, äh… entschuldige bitte! Ich wollte es mir nur kurz ansehen. Ich habe selbst kein Buch und wollte auch mal lesen können.“ Karlotta lächelte. „Ich verstehe, dass du neugierig bist, aber man darf Dinge nicht einfach mitnehmen, ohne zu fragen. Wenn du willst, können wir das Buch zusammen anschauen.“ Die Maus strahlte vor Freude. „Oh ja, das würde ich sehr gern!

Also setzten sie sich ins Gras und lasen zusammen in dem alten Zauberbuch. „Schau mal, Karlotta!“, piepste Mia begeistert, „dieses Rezept für Rührkuchen sieht lecker aus! Können wir das zaubern?“

„Natürlich!“, lachte Karlotta. „Rühr, rühr, zauber fein, Kuchen soll jetzt fertig sein!“ Kurz darauf duftete es herrlich nach warmem Kuchen. Der Uhu, der Rabe und alle Waldtiere kamen neugierig herbei. Sie setzten sich zusammen, lachten, erzählten und teilten den Kuchen.

Karlotta sah zur kleinen Maus und lächelte. „Siehst du, zusammen ist es viel schöner.“ Die Maus nickte und sagte leise: „Ich verspreche, beim nächsten Mal frage ich zuerst.“ Und so hatte Karlotta ihr Zauberbuch wiedergefunden und freute sich über das gemeinsame Lesen.

Zusatzübung: Welches Verb passt am besten?

Auf Kopiervorlage 1 findet ihr eine ergänzende Übung, mit der eure Schülerinnen und Schüler ihr Gespür für Betonung, Stimmung und Ausdruck schärfen können. Dabei lesen die Kinder verschiedene Sätze, versetzen sich in die jeweilige Situation und entscheiden, welches Verb am besten wiedergibt, wie der Satz gesprochen wird. Die Aufgabe ist unabhängig vom Zaubermärchen und eignet sich auch gut als Einstieg in die Stunde oder in das Thema Szenisches Lesen.

Viel Freude beim Ausprobieren und einen zauberhaften Vorlesetag! Teilt gern eure Erfahrungen und Ideen in den Kommentaren. Wie habt ihr die Vorlesegruppen oder das Märchen-Lesespiel im Unterricht umgesetzt? Welche Varianten oder zusätzlichen Übungen haben bei euch besonders gut funktioniert? Wir sind gespannt auf eure Erfahrungen!

Viel Spaß beim Lesen wünschen euch Emmeline und Leonie.

vorlesen
11 Personen haben sich für diesen Beitrag bedankt.

Über die Autorin

Leonie Lücke

Hinterlasse einen Kommentar

Ich habe die Datenschutzerklärung gelesen und verstanden.

Nach oben