Grundschul-Blog
Gemeinsam Unterricht gestalten

Das Rechtschreibfrühstück: eine tägliche Übung für den Deutschunterricht

Im Sinne des Rechenfrühstücks aus der Mathematik gibt es hier eine kleine tägliche Rechtschreibübung mit den häufigsten Funktionswörtern für die zweite Klasse – passend zur neuen Bücherwurm-Generation und zum sächsischen Rechtschreibrahmen. Das Rechtschreibfrühstück ist in meiner Klasse fester Bestandteil des Übungspotpourri im Deutschunterricht. Die Pluspunkte: flexibel im Einsatz, variantenreich und Bewegung kommt mit ins Spiel.

Was ist das Rechtschreibfrühstück?

Angelehnt an das Rechenfrühstück in Mathematik gehört das Rechtschreibfrühstück in unserer Fuchsklasse zu den täglichen Übungen. Das bedeutet, dass wir das Rechtschreibfrühstück nicht täglich, sondern im Wechsel mit anderen Übungen wie „Wort/Satz des Tages” oder „Wörterfabrik” (auch „Wörterklinik” genannt) durchführen. Dies ist wichtig, da das isolierte Üben der Funktionswörter nicht ausreichend ist. Am erfolgversprechendsten ist ein Bündel verschiedener Rechtschreibübungen mit unterschiedlichen Fokussierungen.

Beim Rechtschreibfrühstück beschäftigen wir uns mit den kleinen, aber wichtigen Rechtschreibhäppchen: den 100 häufigsten Funktionswörtern aus Kindertexten, welche auch im neuen sächsischen Rechtschreibrahmen enthalten sind.

Welche Wörter werden orthographisch geübt?

Bei den 100 häufigsten Wörtern handelt es sich um Funktions- oder Strukturwörter. Diese ergeben selbst keinen inhaltlichen Sinn, ermöglichen aber durch ihre Funktion im Satz Sinnherstellung. Diese kleinen Wörter machen daher 56 % des täglichen Schreib- und Lesegebrauchs aus (vgl. Siekmann K. 2026).

Eine gesicherte Rechtschreibung dieser Wörter erleichtert den Schreibprozess erheblich und schafft Kapazitäten für weitere Überarbeitungsprozesse.

Zu den 100 häufigsten Funktionswörtern eines Kindertextes gesellen sich bei uns ab der 3./ 4. Klasse auch die 100 häufigsten Fehlerwörter dazu und unsere Wörterbox wird erweitert.

In der 2. Klasse ist es sinnvoll zunächst mit den häufigsten Funktionswörtern zu starten und das Übungsformat kennenzulernen. Damit in meiner Klasse nicht zu viel Gedränge bei den Wörterboxen entsteht, stelle ich zwei Boxen mit den Wortkarten zur Verfügung und teile die Lernenden den jeweiligen Boxen zu.

Los geht´s mit dem Wörtertraining!

Variante 1: Der Klassiker

Jeder Lernende nimmt sich drei Karten aus einer der beiden Boxen im Zimmer. Mit diesen drei Wortkarten geht er an seinen Platz. Der Lernende liest ein Wort, prägt sich die Schreibweise ein, dreht die Karte um, schreibt das Wort aus dem Gedächtnis auf und kontrolliert die Schreibweise mithilfe der Karte. Wenn das Wort richtig geschrieben ist, kommt das nächste Wort dran. Wenn das Wort falsch geschrieben wurde, wird es eine Zeile lang richtig aufgeschrieben und die Stolperstelle markiert. Wurden alle drei Wörter geschrieben, werden die Karten zurückgebracht und drei neue Wörter geholt. Jeder Lernende schafft dabei in der Übungszeit so viele Wörter, wie er kann. Es geht nicht um Schnelligkeit oder eine bestimmte Anzahl an Wörtern, sondern um den individuellen Trainingsprozess.

Bücherwurm mit Blättern

Variante 2: Das Partnerdiktat

Grashüpfer mit Stiften

Jeder Lernende nimmt sich drei Karten aus einer der beiden Boxen im Zimmer. In der zweiten Variante wird nun mit einem Partner bzw. einer Partnerin zusammengearbeitet. Die drei Wörter werden sich gegenseitig diktiert und kontrolliert. Sollte ein Wort falsch sein, wird es eine Zeile lang richtig aufgeschrieben, wobei die Stolperstelle markiert wird. Dies wird so oft wiederholt, bis die Übungszeit vorbei ist.

Noch spielerischer wird es in einer abgewandelten dritten Variante, die sich auch perfekt als Auflockerungsübung mit Partnerin bzw. Partner in einem Lernweg eignet.

Variante 3: Das Tischfußballspiel

Das bekannte Tafelfußball wird als Tischvariante mit einer laminierten Tischfußballkarte, einem Muggelstein als Fußball und Wörterkarten gespielt. Der Ablauf ist wie beim Partnerdiktat. Die Wörter werden dem Mitspieler bzw. der Mitspielerin diktiert und anschließend kontrolliert. Für jedes richtig geschriebene Wort darf der Ball (Muggelstein) ein Feld in Richtung des gegnerischen Tors wandern. Um den Spiel- und Spaßfluss nicht zu unterbrechen, kann man den Ablauf etwas anpassen: Bei falsch geschriebenen Wörtern wird das Wort zunächst nur einmal auf eine leere Zeile richtig mit markierter Stolperstelle abgeschrieben. Nach dem Ende der Spielzeit können die korrigierten Wörter dann in Ruhe in einer Zeile geschrieben werden.

Junge spielt mit Mädchen Fußball

Das Rechtschreibfrühstück ist ein kurzes und gezieltes Training der häufigsten Funktionswörter aus Kindertexten. Es dauert bei uns als tägliche Übung meist zehn Minuten, kann jedoch an die Rahmenbedingungen der Stunde angepasst werden.

Euch fallen bestimmt noch viele weitere Varianten ein. Teilt eure Ideen gerne als Kommentar.

Downloads

Im Download findet ihr die Wortkarten mit den 100 häufigsten Funktionswörtern nach dem sächsischem Rechtschreibrahmen (inklusive markierter Stolperstellen) und den Ablauf des Rechtschreibfrühstücks der Klassikervariante als Tafelmaterial.

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Über die Autorin

Michelle Jung

Berufliche Tätigkeit: Als Grundschullehrkraft in Sachsen begleite ich Schülerinnen und Schüler neugierig und mit Freude auf ihrem Lernweg. Neben allen Themen rund um den Deutschunterricht interessiere ich mich auch sehr für Achtsamkeit im Schulalltag. Was mir privat Spaß macht: Wenn mir das bunte Familienleben neben der gemeinsamen Zeit mit den Kindern noch etwas Raum bietet, male ich zur Entspannung gerne Naturbilder.

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