1 mal 1, das kann ich schon
Kennt ihr die Situation, dass ihr eine einfache Textaufgabe mit Malstruktur habt und eure Kinder nicht erkennen, dass hier „mal“ dahintersteckt? Oder das Kind, welches zwar alle Einmaleins Aufgaben schon kann, aber keine Ahnung hat, was ein Bild mit 3 Würfeln, die eine 5 zeigen damit zu tun hat? Es gibt auch Kinder, die keine eigenen Bilder zu „mal“ zeichnen können, auch wenn die Multiplikation schon lange Thema war. Oder solche, die zwar wissen, was ein Punktefeld ist, aber die Situation 3 mal 4 wie auf dem Bild darstellen. All dem liegen fehlende Grundvorstellungen zur Multiplikation zu Grunde. Hierzu findet ihr Unmengen an Fachliteratur (z. B. bei PIKAS).


Was tun, wie vorbeugen?
Vorarbeit
Hier wollen wir euch ein kleines Beispiel zeigen, wie man die Verknüpfung von Bildern, Anschauungen, Handlungen und Beschreibungen mit den Aufgaben immer mal wieder thematisieren und auffrischen kann.
Ihr kennt das: In den ersten Stunden bringt man gesammelte Pappkartons mit, schaut sich Bilder an und findet zunächst Plus- und Malaufgaben dazu. Dies ist wichtig, aber darf nicht auf die ersten Stunden beschränkt bleiben.
Beispiele für Malaufgaben aus dem Alltag
Beispiele für Malaufgaben aus dem Alltag
Wir haben im Kreis eine Box stehen, die zunächst die Lehrkraft mit Kartons und Verpackungen aus dem Supermarkt füllt. Hieran kann man wunderbar Plus- und Malaufgaben sehen lernen. Auch das Thema der Tauschaufgaben ergibt sich so schon im Hintergrund. Die Kinder erhalten den Auftrag beim Einkaufen auf Malsituationen zu achten. Außerdem sollen sie Dinge aus ihren Kinderzimmern mitbringen, an denen sie Malaufgaben entdecken. Hinzu kommen dann die Malaufgaben, die sich aus wiederholten Handlungen ergeben.
Wir spielen Theater (z.B. „Tischdecken“ und holen 4 mal immer 5 Teller oder wir benötigen 10 Kinder, die je 2 Becher aufstellen). Auch Bewegungsanregungen kann man gut in Malgeschichten verpacken. So macht man 3 Kniebeugen, dann eine Pause (bitte mitsprechen) und wiederholt dies mehrfach. Anschließend kann man die Mal- und Plusaufgaben dazu aufschreiben. Eine weitere Handlung, die Kindern viel Spaß macht, ist das Würfeln mit einer großen Anzahl an Würfeln. Wir haben in 3er-Gruppen mit je 12 Würfeln gespielt. Die Kinder werfen und sortieren anschließend gleiche Würfelaugen zueinander. Danach werden Mal- und Plusaufgaben aufgeschrieben. Nach dem Nachmachen geht es ans selbst erfinden. Kinder malen eigene Bilder zu Malaufgaben oder schreiben Malgeschichten. Beides können sie anschließend präsentieren und es dient als Übung für die anderen. Da sich viele damit schwertun, Aufgaben selbst zu zeichnen, kommen hier die Tablets zum Einsatz.
Detektivsuche in 3er Teams – Ausrüstung: Tablet
- Der Auftrag lautet: Detektiv-Suche nach Malaufgaben auf dem Schulgelände.
- Detektivausrüstung: Das Tablet
- Team: 3er Detektiv-Team
Diese Detektiv-Suche kann man wiederholt einbauen und sie lohnt sich auch besonders in Klassen, die das Lernen des 1 mal 1 eigentlich abgeschlossen haben. Wir benutzen dafür die App „bookcreator“. Bookcreator ist eine App, in der Kinder sehr leicht eigene Bücher durch Fotos, Zeichnungen, aber auch mit Schrift oder per Spracheingabe gestalten können. Wir entwarfen das Titelblatt eines Buchs „Unser 1 mal 1 Bilderbuch“ und legten damit das Format und die Größe für alle gleich fest. Danach übertrugen wir das Buch auf alle Tablets. Dies ist wichtig, damit alle Seiten später das gleiche Format haben und zu einem Gesamtbuch wieder zusammengefügt werden können.
Wir hatten auch zuvor schon einige Male mit der App gearbeitet, Fotos gemacht oder Aufgaben bzw. Wörter geschrieben. Im 1. Schuljahr starteten wir zunächst mit einer Kleingruppe und machten Fotos zu Plusaufgaben bzw. sammelten in Deutsch Fotos von Dingen zu einem bestimmten Buchstaben. Traut euch einfach anzufangen, die Kinder haben großen Spaß mit der App etwas zu probieren. Vor der Detektiv-Suche besprechen wir auch nochmal die grundlegenden Regeln im Umgang mit dem Tablet.

Auf 1 mal 1 Suche in der Schule
Die Kinder streifen in 3er-Teams durch die Schule und den Hof und suchen sich Malstrukturen, von denen sie Fotos machen. Diese Fotos kann man direkt in der App machen, wodurch das Foto sofort auf einer Seite des Buchs erscheint. Sobald sie ein Foto eingefügt haben (bitte immer auf die rechte Seite), müssen sie auf der folgenden Seite (Rückseite blättern), die passende Plus- und Malaufgabe notieren. Wir schreiben dabei direkt mit dem Finger, sodass keine Tabletstifte mitgenommen werden müssen. Die Kinder finden viele verschiedene Bilder und sind gar nicht mehr zu stoppen. In ihrem Team müssen die Kinder viele Gespräche über Aufgaben führen, was sich lohnt zu fotografieren: wie muss ich vielleicht auch Dinge zunächst anordnen, damit ich ein Foto machen kann, welche Aufgaben kann man darin sehen. So sind alle aktiv und setzen sich mit den Strukturen auseinander, müssen Situationen beschreiben und Argumente finden. Hier ist neben dem Produkt vor allem die Prozessorientierung bedeutsam.
Nach der ersten Suche setzen wir uns in den Kreis und benutzen die entstandenen Seiten als Aufgabensammlung. Jede Gruppe gibt ihr Tablet an die nächste und es werden Bilder angeschaut und Malaufgaben formuliert. Das Umblättern dient dann als eine Art Selbstkontrolle bzw. Gesprächsanlass, denn nicht immer passen die Aufgaben zum Foto. Bei einer zweiten Suche nehmen die Kinder Ideen von anderen auf. Es fällt ihnen zunehmend leichter solche Strukturen zu finden.
Es entstehen auch Seiten, bei denen die Kinder mit Symbolen aus der App Aufgaben malen. Das hilft besonders Kindern, die ihre Ideen schlecht selbst zeichnerisch umsetzen können. Zuletzt fügen wir dann alle entstandenen Seiten zu einem Buch zusammen. Dies kann auch später wieder durchgeblättert werden und dient als Gesprächsanlass, damit wir nach der ersten Grundlegungsphase die Bilder zu den Malsituationen nicht vergessen.
Weitere Ideen, auch zur Wiederholung
Sobald die Punktefelder mit den Malwinkeln eingeführt sind, kann man auch Seiten gestalten lassen, die ein Alltagsbild, das Punktefeld und eine eingesprochene Geschichte passend zur Aufgabe miteinander vereinen. Dies kann zur Wiederholung zu Beginn des 3. Schuljahrs ein lohnender Auftrag sein. Dann sollen die Kinder die Aufgabe auch mit passenden Nachbaraufgaben in Verbindung bringen oder aufschreiben von welchen Kernaufgaben man sie ableiten kann.
Eine Idee, die man ebenfalls gut mit den Tablets umsetzen kann, sind kleine Videos zu Handlungen. Die Kinder bekommen eine Malaufgabe mit dem Auftrag, sich eine Handlung dazu auszudenken. Zunächst müssen sie ein Drehbuch schreiben und dann die Handlung filmen. Die anderen Kinder können später überlegen, welche Aufgabe dargestellt wurde.
Die Filme zu den Handlungen waren lange ein Hit (wir guckten immer mal wieder 1-2 Filme). Jede Gruppe war unheimlich stolz ihren Film zu präsentieren und es gab neben den mathematischen Aspekten, die in den Handlungen lagen, jede Menge zu besprechen über die Technik des Aufnehmens bis zu wie muss man sprechen, welchen Hintergrund wählt man und was ist Aufgabe der „Regie“.

Fotos dienen später immer wieder der Kommunikationsförderung. Hier tauchen bewusst auch Bilder auf, die keine oder eine gestörte Malstruktur haben. Kinder müssen regelmäßig dazu herausgefordert werden darüber zu sprechen, was Mal ausmacht (die gleiche Anzahl von Elementen, die wiederholt in einer Packung/ Einheit, Handlung… auftaucht).
Knackpunkt: Reicht die Schokolade?
Auf einen Knackpunkt zu den Fotos/Bildern/Handlungen möchten wir ganz zum Schluss noch besonders hinweisen: Es ist enorm wichtig, die Kinder immer wieder zu fragen, was wir denn mit der Aufgabe zu einem Bild eigentlich berechnen. Folgende Situation: Es gibt eine Tafel Schokolade und die Kinder sehen alle möglichen Aufgaben in ihr. (Foto Glücksschokolade, 6 mal 4, 4 mal 6, 2 mal 12, 8 mal 4 Kleeblätter ….).
Auf meine Frage: „Reicht die Schokolade denn für uns?“, herrscht große Verwirrung. Woher sollte man das denn wissen? Auch wenn jemand sagt 6 mal 4 sei 24, hilft das noch nicht weiter. Dass wir Aufgaben zur Schokolade benennen, hat anscheinend nichts damit zu tun, wie viele Stücke die Tafel ergibt. „Was weiß ich, wenn ich die Aufgabe ausrechne?“, dies ist vielen nicht klar. Wir Erwachsenen kommen oft gar nicht darauf, dass man das nicht wissen könnte.
Meine Frage ist nun häufig: „Welche Aufgaben gibt es?“ und „Was berechne ich denn mit der genannten Aufgabe?“ (Anzahl der Blütenblätter des Klees).

Diese Fragen begleiten uns nun weiter, damit Malaufgaben ihren Kontext nicht verlieren, auch wenn andere Aspekte wie die Vernetzung, das Ableiten und Strukturen im 1 mal 1 an anderer Stelle in den Vordergrund treten müssen.
Dies stellen wir in anderen Artikeln in den Vordergrund.
Und nun geht’s ans Ausprobieren. Lasst eure Kinder ein Bild zu 3 mal 4 skizzieren oder eine Geschichte erfinden und nehmt das als Anlass für die Detektivsuche oder das Filme drehen.

















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