Was sind offene Aufgaben (im Zahlenbuch)? – Eine Definition
Offene Aufgaben sind so gestellt, dass sie selbstständig mit selbstgewähltem Schwierigkeitsgrad in unterschiedlicher Intensität (mathematischer Tiefe) bearbeitet werden können. Beispiel: „Finde Aufgaben mit dem Ergebnis 50.“ Die Kinder üben dabei selbstgesteuert und nutzen die Möglichkeiten des Lernangebotes individuell. Das entspricht dem Konzept der natürlichen Differenzierung.
Sie sind im Zahlenbuch ein wichtiges Format, denn sie ergänzen die Erarbeitung, Übung und Vertiefung von (neuen) Lerninhalten, indem sie ihre derzeitigen eigenen (mathematischen) Kenntnisse und Fähigkeiten möglichst selbstständig anwenden und verbessern. Alle Kinder profitieren von der anschließenden Reflektion mit einem Partner, in einer Gruppe oder mit der ganzen Klasse.
Im Zahlenbuch fndet ihr zahlreiche offene Aufgaben(formate). Gekennzeichnet sind sie meist mit dem Blumen-Symbol (Aufgaben finden und selbstständig üben). Schaut man jedoch genauer in ein Zahlenbuch jedes Jahrgangs, finden sich auf sehr vielen Seite weitere Aufgaben, die von Schülern weiter entwickelt werden können.
Hier einige Beispiele für offene Aufgaben, die sich zu den vorhanden Aufgaben im Zahlenbuch einfach ergänzen lassen:
- Zahlenmauern: als Blankovorlage mit verschieden vielen Etagen mit eigenen Zahlenraum
- Würfelnetze: Eigene zeichnen und überprüfen, ob sie richtig oder falsch sind
- Würfelgebäude: Eigene Würfelgebäude und deren Baupläne zeichnen
- Zahlenfolgen im eigenen Zahlenraum erstellen
- Zahlenrätsel im eigenen Zahlenraum erfinden
- Weitere Aufgaben, eigene Zahlen finden
- usw
Ziele von offenen Aufgaben
Offene Aufgaben zeichnen sich durch ihren hohen Grad an Differenzierung aus, der ohne Aufwand für die Lehrkraft genutzt werden kann. Da Schüler im Idealfall eigenständig im Zahlenraum und in der Komplexität ihrer eigenen Aufgaben differenzieren, bieten offene Aufgaben ein hohes Diagnosepotenzial für die Lehrkraft. Ein guter Vergleich ist die Eigenproduktion im Fach Deutsch beim Aufsatz, hier zeigen sich ebenfalls die Fähigkeiten aus verschiedenen Lernbereichen. Auch der Mathematikunterricht braucht so eine Aufgabenform.
Differenzierung im Mathematikunterricht findet häufig statt, wenn leistungsstärkere und leistungsschwächere Kinder an verschiedenen Inhalten, Förder- oder Fordermaterialien arbeiten. Das Besondere an den offenen Aufgaben ist jedoch, dass alle, trotz Differenzierung, dennoch am gleichen Thema arbeiten. Eine gemeinsame Einführung und Nachbesprechung im Unterrichtsgespräch ist also möglich.
Die Lehrkraft erhält ein wunderbares Diagnose-Instrument, um den Lernstand eines Kindes einzuschätzen: In welchem Zahlenraum bewegt sich das Kind? Kann es nicht nur Aufgaben (er)finden, sondern auch beschreiben, wie es die Aufgaben gefunden hat? Kann es mit eigenen Worten/mit Fachbegriffen erklären und begründen, wie es vorgegangen ist? Findet das Kind alle möglichen Aufgaben und kann es begründen, dass es alle sind? Hier werden also nicht nur Rechenfertigkeiten trainiert, sondern insbesondere prozessbezogene Kompetenzen gefördert.
Gemeint ist hier eine Unterrichtssequenz, es muss ja keine ganze Unterrichtsstunde sein, in der alle Schüler gemeinsam an einem mathematischen Sachverhalt arbeiten, Schüler dann einzeln Eigenproduktionen starten und hinterher präsentieren. Eigene Lösungen werden verbalisiert. Offene Aufgaben brauchen und fördern mehr als andere Aufgaben das Reflektieren über Mathematik. Kinder sollen die Zeit haben, erklären zu dürfen, was sie sich überlegt haben. Ob jetzt mit einem Partner, in der Gruppe, im Plenum oder nur der Lehrkraft.
Und wenn es Kinder gibt, die noch weiter forschen möchten, können sie dies gern in der Freiarbeit fortsetzen.
Wie können Schüler ohne viel Aufwand mit dem Zahlenbuch forschen?
Eine Stärke des Zahlenbuches sind die vielen Anregungen zum Forschen, die sich sehr leicht umsetzen lassen, Aufgaben stehen in Bezug zueinander. Nicht nur die Aufgaben mit dem Symbol Blume laden im Zahlenbuch zum Forschen und Finden ein. Die strukturierte und einheitliche Darstellung des Zahlenbuches ist dabei eine große Hilfe. Es wird oft mit einfachen Aufgaben im Buch gestartet, so dass auch leistungsschwächere Schüler folgen können. Diese Grundstruktur von leicht zu schwierig kann im Unterrichtsgespräch als Vorbereitung für das folgende eigene Forschen und Finden der Schüler/innen beibehalten werden. Den Schwierigkeitsgrad ihrer Eigenproduktionen können Kinder dann einfacher selbst wählen. Die Forscherzeit findet so selbstverständlich statt und wird nicht künstlich herbeigeführt.
Wichtig ist es, dass die Kinder auch ihre Lösungen verschriftlichen, damit sie die Aufgaben auch richtig durchdenken. Die erstellten Aufgaben lassen sich beispielsweise in einer gemeinsamen Kartei sammeln. Auf der Vorderseite steht die Aufgabe, auf der Rückseite die Lösung.
Fazit
Das Zahlenbuch bietet eine Vielzahl Anreize und Hilfestellungen, die Lehrkraft benötigt keine zeitaufwändigen Vorbereitungen für offene Aufgaben im Unterricht. Es reicht auch, nur einen Teil der Stunde zu forschen, wichtig ist dass es regelmäßig stattfindet.
Aufgaben zum Forschen und Finden sind ein Teil des Unterrichts und finden sicherlich nicht in jeder Unterrichtsstunde für jeden Schüler einen Platz. Ein sinnvoller Wechsel mit eigenständigem Üben und Vertiefen ist gewinnbringend.
Anbei findet ihr einen Leitfaden für die Behandlung offener Aufgaben, die am Anfang hilfreich sein kann. Wir haben euch eine Blanko-Vorlage erstellt sowie ein Beispiel für eine Aufgaben aus dem 2. Schuljahr.












Hinterlasse einen Kommentar