Grundschul-Blog
Gemeinsam Unterricht gestalten

Churermodell und ABC-Lernlandschaft: Wenn Unterricht wirklich individuell werden soll

„Wie schaffe ich es, dass alle Kinder auf ihrem Niveau arbeiten können – ohne für jedes Kind eigenes Material erstellen zu müssen?“

Diese Frage beschäftigt viele Grundschullehrkräfte. Besonders dann, wenn die Lerngruppen immer heterogener werden und die Unterschiede zwischen den Kindern bereits zu Schulbeginn deutlich sichtbar sind. Das Churermodell gewinnt unter diesen Bedingungen auch an deutschen Grundschulen zunehmend an Bedeutung. Viele Lehrkräfte schätzen daran vor allem die Verbindung von Struktur und Offenheit: Die Kinder lernen selbstständiger, arbeiten auf ihrem individuellen Niveau und erhalten dennoch klare Orientierung durch die Lehrkraft.

Doch eine Frage taucht in der Praxis immer wieder auf: Welches Lehrwerk unterstützt diese Form des Unterrichts eigentlich wirklich? Denn ein Konzept kann nur dann funktionieren, wenn auch das Lehrwerk die zugrunde liegenden Ideen unterstützt.

Wer mit der ABC-Lernlandschaft arbeitet, merkt schnell: Viele Elemente des Lehrwerks passen erstaunlich gut zu den Grundgedanken des Churermodells. Die ABC-Lernlandschaft bietet einen Rahmen, der selbstständiges Lernen, individuelle Förderung und gemeinsames Lernen miteinander verbindet.

Das Churermodell kurz erklärt

Das Churermodell wurde ursprünglich in der Schweiz entwickelt und verfolgt ein klares Ziel: Kinder sollen möglichst selbstständig und nach individuellem Lernstand lernen können.

Das Churermodell basiert auf vier zentralen Elementen:

  • kurze gemeinsame Inputs im Kreis,
  • eine Lernlandschaft mit unterschiedlichen Arbeitsplätzen,
  • Lernaufgaben auf verschiedenen Niveaus, die unterschiedliche Lernwege und Lerntempi ermöglichen
  • sowie die freie Wahl von Arbeitsplatz und teilweise auch Lernpartnern.

Im Mittelpunkt steht dabei nicht die Frage, ob alle Kinder gleichzeitig dasselbe tun, sondern ob jedes Kind erfolgreich lernen kann.
Die Lehrkraft bleibt wichtige Lernbegleitung, schafft Lernangebote und unterstützt individuell. Die Schülerinnen und Schüler übernehmen gleichzeitig mehr Verantwortung für ihren eigenen Lernprozess.

Warum die ABC-Lernlandschaft so gut zum Churermodell passt

Wer das Churermodell umsetzen möchte, benötigt Materialien, die selbstständiges Arbeiten ermöglichen, individuelle Lernwege zulassen und gleichzeitig Orientierung geben.

Genau hier liegen die Stärken der ABC-Lernlandschaft.

1. Kinder arbeiten auf ihrem eigenen Lernweg

Eine der größten Herausforderungen im Churermodell besteht darin, dass Kinder nach einem gemeinsamen Input unterschiedlich weiterarbeiten sollen.
Die ABC-Lernlandschaft ist genau dafür konzipiert. Sie geht davon aus, dass Kinder mit sehr unterschiedlichen Voraussetzungen in die Schule kommen und Lernen nicht für alle gleich verläuft. Statt eines kleinschrittigen Lehrgangs bietet sie vielfältige Zugänge und individuelle Lernwege.
Das bedeutet konkret:
Nach einem Input können die Kinder an unterschiedlichen Aufgaben arbeiten, verschiedene Schwerpunkte setzen und in ihrem eigenen Tempo vorangehen – ohne dass die Lehrkraft ständig zusätzliche Materialien erstellen muss. Zahlreiche Anregungen für gemeinsame Phasen gibt es zum einen im didaktischen Kommentar für die Lehrkräfte, zum anderen ergeben sich diese aus den Ergebnissen, die SchülerInnen gerne vorstellen wollen. Auch die Erzähl-Kartei bietet viele Anlässe, um gemeinsam ins Erzählen, Miteinander sprechen oder Philosophieren zu kommen.

2. Die Lernaufgaben sind offen und gleichzeitig strukturiert

Das Churermodell lebt von guten Lernaufgaben. Sie müssen anspruchsvoll genug sein, damit leistungsstarke Kinder weiterdenken können, gleichzeitig aber auch Lernenden mit Unterstützungsbedarf Erfolgserlebnisse ermöglichen.

Die ABC-Lernlandschaft bietet hierfür eine passende Grundlage. Die Materialien fördern eigenständiges Lesen, Schreiben, Nachdenken und Reflektieren über viele Anregungen, die immer wieder eingesetzt werden können, wie z.B. den Kreislauf des Schreibens von Texten (unter dem Beitrag als Download), dem Beschäftigen mit Literatur als Grundlage der eigenen Lesemotivation oder dem gemeinsamen Nachdenken über Rechtschreibung. Kinder können eigene Ideen entwickeln, Methoden erproben und Reflektieren und dadurch gleichzeitig ihre eigenen Kompetenzen erweitern.

Dadurch entstehen Lernsituationen, in denen nicht alle Kinder dasselbe tun müssen, aber alle am gleichen Kompetenzziel arbeiten. Unterstützend im beginnenden Schriftspracherwerb sind hier neben den Heften und Karteien vor allem die drei Werkstätten (Lernsoftware), die die phonologische Bewusstheit, das erste lautorientierte Schreiben und den Übergang zum orthografischen Schreiben auch digital fördern.

Poster ABC-Lernlandschaft "Texte schreiben"

Grundschul-Blog-Unterrichten-Deutsch-ABC-LL-Poster-Texte-schreiben

3. Selbstständigkeit wird systematisch aufgebaut

Im Churermodell verbringen Kinder einen großen Teil ihrer Lernzeit in selbstständigen Arbeitsphasen. Das funktioniert jedoch nur, wenn sie schrittweise lernen, Verantwortung für ihr Lernen zu übernehmen.

Die ABC-Lernlandschaft unterstützt diesen Prozess von Beginn an. Die Materialien sind so aufgebaut, dass Kinder zunehmend eigenständig arbeiten, Entscheidungen treffen und ihre Lernwege dokumentieren können. Gleichzeitig behalten Lehrkräfte durch Beobachtungs- und Dokumentationsmöglichkeiten den Überblick über die individuelle Entwicklung. Fuchs-Seiten signalisieren deutlich einen Stopp und Lehrkräfte sehen auf einer Seite schnell, ob Kinder die Kompetenz sicher beherrschen und weiterarbeiten können.

4. Ideal für heterogene Lerngruppen

Das Churermodell verfolgt das Ziel, möglichst vielen Kindern Anschlussmöglichkeiten zu bieten. Unterschiedliche Lernvoraussetzungen werden nicht als Problem betrachtet, sondern als Ausgangspunkt für die Unterrichtsplanung.

Auch die ABC-Lernlandschaft setzt genau hier an. Das Lehrwerk berücksichtigt die großen Unterschiede im Schriftspracherwerb und ermöglicht individuelle Lernwege innerhalb eines gemeinsamen Rahmens.

Besonders in jahrgangsgemischten Klassen, inklusiven Settings oder sehr heterogenen Lerngruppen zeigt sich deshalb, wie gut beide Konzepte miteinander harmonieren.

ABC-Lernlandschaft - individuelle Lernwege

Grundschul-Blog-Unterrichten-Deutsch-ABC-LL-individuelle-Lernwege

Individuelle Lernwege der ABC-Lernlanschaft

5. Die Lehrkraft bleibt Lernbegleitung – nicht Materialmanagerin

Viele Lehrkräfte kennen die Sorge: Offene Lernformen bedeuten oft einen enormen Vorbereitungsaufwand.

Die ABC-Lernlandschaft entlastet hier spürbar. Neben den Materialien für die Kinder stehen umfangreiche Hilfen zur Unterrichtsorganisation, Lerndokumentation, Differenzierung und Förderplanung zur Verfügung. Karteien ergänzen die Hefte, wenn ein Kind mehr Übung auf einer Stufe braucht, die digitalen Werkstätten unterstützen wie oben beschrieben zudem. All dies ist genau im begleitenden didaktischen Kommentar mit konkreten Förderhinweisen und Materialien beschrieben.

So bleibt mehr Zeit für das, was im Churermodell besonders wichtig ist: beobachten, beraten, begleiten und gezielt fördern.

Und die skeptischen Eltern oder Kollegenschaft

Ein häufiges Vorurteil gegenüber offenen Unterrichtsformen lautet: „Da macht doch jedes Kind etwas anderes.“

Tatsächlich geht es weder im Churermodell noch in der ABC-Lernlandschaft um Beliebigkeit. Kinder müssen heute mehr denn je lernen, selbstständig zu arbeiten. Dies gelingt aber besonders am Anfang nur mit Orientierung. Die klar strukturierte Konzeption der ABC-Lernlandschaft sorgt dafür, dass individuelle Lernwege und fachliche Orientierung miteinander verbunden bleiben. Kinder arbeiten zwar auf unterschiedlichen Wegen, verfolgen jedoch gemeinsame Kompetenzziele. Für Lehrkräfte bedeutet das: mehr Freiraum für individuelle Förderung unter Berücksichtigung aller Kompetenzen des Deutschunterrichts bei gleichzeitig hoher Transparenz über die Lernentwicklung der Kinder.

Die fünf Kompetenzbereiche der ABC-Lernlandschaft

FuenfSaeulen.indd

Die fünf Kompetenzbereiche der ABC-Lernlandschaft

Fazit

Das Churermodell braucht Lernmaterialien, die Individualisierung ermöglichen, ohne Beliebigkeit entstehen zu lassen. Genau darin liegt die besondere Stärke der ABC-Lernlandschaft.

Die klaren Kompetenzbereiche, die individuellen Lernwege, die Möglichkeiten zur Differenzierung und die Förderung selbstständigen Lernens durch besonders einfache Aufgabenformulierungen und Symbole machen das Lehrwerk zu einem starken Begleiter für Lehrkräfte, die Unterricht im Sinne des Churermodells gestalten möchten.

Oder anders gesagt: Wer Lernlandschaften im Klassenraum schaffen möchte, findet in der ABC-Lernlandschaft bereits eine Lernlandschaft für den Deutschunterricht.

Wer tiefer in die Thematik eintauchen möchte, findet spannende Denkanstöße im Bildungspodcast Zeugnis:Zukunft, Folge 22, Lernräume statt Klassenzimmer: Wie Raumgestaltung die Schule verändert. Maximilian Schulyok, Geschäftsführer des Ernst Klett Verlags, spricht mit dem Begründer und Entwickler des Churermodells Reto Thöny.

Produktempfehlungen

Hier findet ihr eine komplette Produktübersicht der ABC-Lernlandschaft.

106 Personen haben sich für diesen Beitrag bedankt.
Danke!

Über die Autorin

ABC-Lernlandschaft Autorinnenteam

Zum ABC-Lernlandschaft Autorinnenteam gehören Erika Brinkmann, Nina-Bode-Kirchhoff und Jennifer Reiske.

Hinterlasse einen Kommentar

Ich habe die Datenschutzerklärung gelesen und verstanden.

2 Kommentare

  1. Frank Waeltring 13. Juli 2026 um 6:34 Uhr - Antworten

    Das klingt sehr spannend. Macht es Sinn, mit den Materialien zuhause zu arbeiten wenn es in der Schule nicht genutzt wird.?

    • ABC Lernlandschaft Autorinnnenteam 27. Juli 2026 um 11:03 Uhr - Antworten

      Lieber Herr Wältring, zu Beginn bietet sich die Lauschwerkstatt (funktioniert als Download) für einen spielerischen Zugang zur Förderung der Laut-Buchtsabenbeziehung (Phonologische Bewusstheit) an, etwas später die schreibende Anlauttabelle (ebenfalls im Download). Das wäre etwas vor Beginn der Schule oder begleitend im ersten Schuljahr.

      Lesepässe lassen sich immer nutzen, wenn man z.B. Lesezeit gegen anderes eintauschen will (in den Kopiervorlagen).

      Etwas kompliziert wird es bei der Rechtschreibung:
      Abhängig davon, was sonst genutzt wird, hilft evt. das kleine Heft zu den Faustregeln und Strategien, wenn man sich über die Schreibung von Wörtern austauschen will (z.B. ein Wort pro Tag im Fokus, wenn das Kind so weit ist). Dazu sollte man sich als Eltern einmal kurz einlesen (im didaktischen Kommentar für Lehrkräfte oder die Fortbildung im Online Portal der ABC Lernlandschaft zu diesem Thema schauen).

      Dort finden Sie übrigens auch in der Fortbildung zum Lesen kleine Tipps für Lesespiele am Ende der Fortbildung.

      Ich hoffe, das hilft Ihnen weiter.

Nach oben