Grundschul-Blog
Gemeinsam Unterricht gestalten

Demokratie leben und Demokratie lernen in der Grundschule

Da Schule als Institution die Chance hat, alle Kinder und Jugendlichen zu erreichen und für Demokratie zu gewinnen, ist es in meinen Augen die Aufgabe der Schule, diese als eines der Kernthemen fächerübergreifend zu behandeln und zu vermitteln. Das gelingt am besten, wenn Demokratie gelebt und erlebt wird.


Seit Wochen kommt dieses Thema aus den Klassenräten immer wieder ins Schülerparlament

Demokratie, Wahl, Rollerparkplatz

„Die Klasse 1c hat von Montag bis Mittwoch die Anzahl der Roller und Fahrräder gezählt. Durchschnittlich parkten 52 Fahrräder und 39 Roller an den Fahrradständern. Die Anzahl der vorhandenen Ständer reicht also wirklich nicht mehr aus…“

(Aus dem Protokoll des Schülerparlaments vom 24.06.24)

Seit so viele Kinder mit dem Roller kommen, reichen die Fahrradständer nicht mehr aus, um alle Fahrräder und Roller richtig abzustellen und abzuschließen. Es kommt immer wieder zu Konflikten, kürzlich wurde ein nicht abgeschlossener Roller entwendet. Seit Wochen kommt dieses Thema aus den Klassenräten immer wieder ins Schülerparlament.

„Es müssen zusätzliche Rollerparkplätze geschaffen werden, damit die Fahrradständer für die Fahrräder ausreichen. Bitte sammelt im Klassenrat Vorschläge, wo diese Parkplätze sein könnten. Das Schülerparlament wird nächste Woche die vorgeschlagenen Plätze begehen und besprechen, welche Orte gut geeignet sind.“

(Aus dem Protokoll des Schülerparlaments vom 24.06.24)


Häufig werden Vorschläge oder Fragen zur Abstimmung aus dem Schülerparlament zurück in die Klassen gegeben.

Schule demokratisch zu gestalten, scheint eine besondere Herausforderung, da die zwar längst überholte, aber doch die spontane Grundvorstellung von Schule „eine Person steht vorne und sagt den anderen Personen, was zu tun ist“, erstmal denkbar undemokratisch wirkt.

Aber in der Praxis gibt es inzwischen viele gute Beispiele. Die Albert-Schweitzer-Grundschule in Langen, an der ich seit 2004 arbeite, war in den Jahren 2002 bis 2007 Teil des Projekts „Demokratie lernen und leben“. Durch Demokratisierung des Unterrichts und des Schullebens, durch Mitspracherecht und Gestaltungsmöglichkeiten im Schulalltag, sollten Schülerinnen und Schüler motiviert werden, langfristig auch aktiv an der Gesellschaft mitzuwirken. Das Projekt wurde damals aufgrund von steigender Gewalt, Rechtsextremismus, Rassismus und Antisemitismus unter jungen Menschen ins Leben gerufen. Themen, die weiterhin brandaktuell sind.

Da ist das Schülerparlament, zu dem sich jeden Mittwoch die Klassensprecherinnen und Klassensprecher mit der Schulleitung treffen. Alle Kinder berichten dort aus ihren Klassen, diskutiert werden Ideen und Probleme, die mehrere Klassen oder die gesamte Schulgemeinde betreffen. Die Schulleitung hat selbst auch die Möglichkeit, Themen beispielsweise aus der Gesamtkonferenz einzubringen. Häufig werden Vorschläge oder Fragen zur Abstimmung aus dem Schülerparlament zurück in die Klassen gegeben.

Dies erfolgt dann im Klassenrat, den jede Klasse wöchentlich abhält. Wenn der Stundenplan es zulässt, findet dieser in allen Klassen möglichst zeitgleich freitags in der letzten Stunde statt. So kann die Schulwoche mit einem Wochenrückblick auf schöne und herausfordernde Momente beendet werden. Gemeinsam werden Konflikte geklärt, die kommende Woche geplant und andere Klassenbelange thematisiert. Die gewählten Klassensprecherinnen und Klassensprecher verlesen das Protokoll des Schülerparlaments, berichten von dessen aktuellen Themen und moderieren eventuelle Abstimmungen etc.

Ein weiterer, für mich wichtiger Grundpfeiler zum Gelingen demokratischer Schulkultur sind unsere Schulregeln. Diese sind als Rechte und Pflichten formuliert. Nicht nur für die Schülerinnen und Schüler, sondern eben auch für Lehrerinnen und Lehrer sowie für Eltern. Im Foyer des Schulgebäudes hängen diese, gemeinsam von Kollegium, Eltern und Kindern formulierten Rechte und Pflichten, auf großen eingerahmten Plakaten.

Demokratie, Plakat Schulregeln

Weitere feste Einrichtungen, wie Patenschaften zwischen Erst- und Drittklässlern sowie Zweit- und Viertklässlern, Streitschlichtermaterial für die Hand der Kinder, Materialkisten zu den Kinderrechten und Kinderrechteworkshops an Wochenenden tragen dazu bei, dass die Kinder an unserer Schule das Schulleben aktiv mitgestalten können.

Arbeitsheft blau

Ende August 2024 erscheint beim Tessloff Verlag der Titel „WAS IST WAS Demokratie. Deine Stimme zählt“.

Bereits jetzt gibt es eine Broschüre zum kostenlosen Download oder als eBook. Diese Broschüre könnt ihr beispielsweise in den vierten Klassen im Sachunterricht sehr gut einsetzen. Leicht verständlichen werden komplexe Inhalte zum Thema Demokratie erklärt. Ihr könnt mit den Kindern einzelne Unterthemen, wie verschiedene Regierungsformen, Wahlen, Meinungsfreiheit besprechen und sie mit den Kopiervorlagen (siehe Downloads unten) vertiefen.


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Über die Autorin

Katrin Lübeck

Berufliche Tätigkeit: ich bin seit 20 Jahren mit Leib und Seele Grundschullehrerin. Ich liebe die Arbeit mit Kindern, ihnen Dinge beizubringen und dabei gleichzeitig mindestens genauso viel von ihnen lernen zu dürfen. Ich habe auch am Lehrwerk Zebra mitgearbeitet. Was mir privat Spaß macht: Privat machen mir meine eigenen Kinder sehr viel Spaß. Wenn es meine Freizeit zulässt, sind meine großen Hobbies das Tanzen und das Nähen.

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