Grundschul-Blog
Gemeinsam Unterricht gestalten

Der Klassenrat in der Grundschule

Was ist denn eigentlich Demokratie?

Die Demokratie gilt als eine Staatsverfassung, in der erwachsene Staatsbürger ein Mitbestimmungsrecht haben. Sie zeichnet sich besonders durch die Achtung der Menschenrechte aus. Jeder darf frei leben und seine Meinung äußern. Allerdings gelten hierbei auch ein paar Regeln. Diese bereits in der Schule anzubahnen, ist meiner Meinung nach ein wichtiger Faktor, um erfolgreich eine Demokratie mitzugestalten. Der Klassenrat ist dafür eine gute Möglichkeit.

Demokratiebildung

Der Klassenrat als demokratisches Gremium in der Grundschule

Bei uns in der Schule ist der Klassenrat bereits ab Klasse 1 fest im Stundenplan integriert und wird dann bis zum Ende des vierten Schuljahres weiter aufgebaut und installiert. Die Kinder lernen die unterschiedlichen Rollen kennen und wir sprechen über die Aufgaben. Zu Beginn der Schulzeit leite ich den Klassenrat und stehe den Schülerinnen und Schülern helfend zur Seite. Zu Beginn werden auch nur ein bis zwei Rollen verteilt und wir bauen den Klassenrat langsam auf.

In meinem jetzigen vierten Schuljahr bin ich allerdings nur noch als Begleiterin anwesend. Die Kinder regeln den Klassenrat völlig selbstständig. Zur Unterstützung verwenden wir Bildkarten.

In einem Schuhkarton, der als Postkasten dient, werden Anliegen, Probleme und Wünsche notiert. Jedes Kind notiert auf dem Zettel auch immer seinen Namen. Dieses Kind darf dann das Anliegen vortragen und erläutern. Bei uns waren das zum Beispiel Streitigkeiten mit Mitschülerinnen und Mitschülern, die Fußballsituation auf dem Schulhof, die Schulhofgestaltung.

Nachdem die Moderatorin/der Moderator den Klassenrat eröffnet hat, wird der erste Zettel vorgelesen. Die Zeitwächterin/der Zeitwächter hat die Uhr während des Klassenrats im Auge und erinnert an die Zeit. Wichtige Anliegen und die von uns gefassten Beschlüsse werden in einem Blanko-Heft von der Schriftführerin/vom Schriftführer festgehalten. Das dient dazu, dass wir keine wichtigen Beschlüsse vergessen. Manche Anliegen müssen eventuell mit der Schulleiterin/dem Schulleiter besprochen werden, zum Beispiel, wenn Ideen für Anschaffungen von Spielzeug oder Anregungen für die Gestaltung des Schulhofs kommen. Manchmal kommt es vor, dass wir Themen vertagen, um nochmal etwas zu beobachten, und auch dieses wird notiert.

Illustration Heft Klassenrat mit Stiften

Die Regelwächterin/der Regelwächter achtet darauf, dass die Gesprächsregeln eingehalten werden. Hier handelt es sich um unsere in Klasse 1 erarbeiteten Gesprächsregeln. Ich denke, dass diese von Klasse zu Klasse auch unterschiedlich sein können. In meiner jetzigen Klasse funktioniert das sehr gut und wir brauchen auch keine Erzählsteine oder Ähnliches. Auch hier kennt ihr eure Kinder am besten und wisst, was man eventuell noch zwischenschalten muss, um die Regeln einzuhalten.

Wenn die Zettel aus dem Postkasten besprochen sind, dann beendet die Moderatorin/der Moderator den Klassenrat. Ich finde es sehr wichtig, dass die Kinder Raum bekommen, um über Probleme und Wünsche zu sprechen. Sie sollen sich ernst genommen fühlen, und wir versuchen, gute Vorschläge und Impulse direkt umzusetzen. Falls wir Vorschläge nicht verwirklichen können, dann erkläre ich es den Kindern.

Was ich sehr wichtig finde, ist, dass keine „Petzkultur“ entsteht. Hierfür ist der Klassenrat nicht gedacht. Auch wenn es anfangs vielleicht wackelig startet. Traut euch! Am Ende der Klasse 4 ist es eine so tolle Sache, und es macht mich stolz, wie die Kinder mittlerweile im Klassenrat agieren.

Illustration Schülerparlament in der Grundschule

In unregelmäßigen Abständen tagt bei uns sogar das Schülerparlament, dieses setzt sich aus den Klassensprecherinnen und Klassensprechern der Klassen und der Schulleitung zusammen. Das Schülerparlament wird von der Schulleitung eingeladen und auch geleitet. Hier werden dann die Ideen aus dem Klassenrat vorgetragen und wir konnten an unserer Schule schon ein paar Sachen umsetzen. Die Kinder duften sich für eine vorgegebene Geldsumme Spielzeug für die Pausenausleihe aussuche und wünschen.

Demokratie geht uns alle etwas an. Auch die Grundschülerinnen und Grundschüler können mit eurer Hilfe und Anleitung schon einen Teil dazu beitragen.


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Über die Autorin

Nadine Mußhoff

Berufliche Tätigkeit: Lehrerin an einem Teilstandort im Ortsteil von Lippstadt und aktuell Klassenlehrerin einer 4. Klasse und Fachlehrerin für Mathematik in Klasse 1.Was mir privat Spaß macht: Sport, Sport, Sport – ich liebe es mich auszupowern sei es auf dem Rad, beim laufen oder schwimmen. Gerne bin ich auch in meiner zweiten Heimat den Bergen unterwegs. Wenn ich Zeit habe lese ich gerne oder gehe ins Kino.

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