Grundschul-Blog
Gemeinsam Unterricht gestalten

Von Giraffen und Wölfen

„Kommunikation ist der Schlüssel, der die Türen zur Zusammenarbeit öffnet.“ (Verfasser unbekannt.)

Demokratiebildung Giraffen und Wölfe

Kommunikation spielt eine entscheidende Rolle in unserem Alltag. Sie ermöglicht schon Kleinkindern, sich auszudrücken, ihre Bedürfnisse mitzuteilen und mit anderen zu interagieren. Doch gerade Letzteres führt, auch bei Erwachsenen, immer wieder zu Konflikten. Ein wertschätzendes Gesprächsklima stellt sich nicht einfach so von allein ein. Dabei dürfte die gewaltfreie Kommunikation eine der bekanntesten Konfliktlösungsstrategien weltweit sein. Es lohnt sich also, möglichst früh damit zu beginnen.

Die Giraffensprache in der gewaltfreien Kommunikation

Kindgerecht ausgedrückt heißt das Ganze „Giraffensprache“ und bedeutet, respektvoll und wertschätzend miteinander zu sprechen sowie empathisch zu sein. Die Giraffensprache möchte von einer gewaltvollen, von Vorurteilen und Vorwürfen geprägten Kommunikation hin zu einer Kommunikation gelangen, bei der wir empathisch mit uns selbst und den anderen umgehen. Diese Art der Kommunikation erfolgt (nach Marshall Rosenberg) in vier Schritten:

  • Beobachten, ohne zu bewerten,
  • Gefühle erspüren und aussprechen,
  • Bedürfnisse mitteilen,
  • Bitte formulieren.

Bei der Umsetzung können euch unsere Tafelkarten helfen, welche ihr unter dem Beitrag als Download findet.

Zugegeben: Dieses Konzept ist ziemlich abstrakt und deshalb gerade für Kinder nur schwer greifbar. Aus diesem Grund hat Marshall Rosenberg die Giraffe als Schlüsselfigur zur gewaltfreien Kommunikation gewählt. Sie ist das Landtier mit dem größten Herzen. Dank ihres langen Halses überblickt sie das Geschehen. Sie schaut sich alles mit Abstand an, beobachtet, ohne zu urteilen. Danach hört sie in ihr großes Herz und prüft, welche Gefühle dort sind. Sie spricht über unerfüllte Bedürfnisse.

Illustration Giraffe mit Herz
Illustration Wolf

Der Giraffe gegenüber steht der Wolf. Im Gegensatz zu ihr ist er viel kleiner. Er ist nicht in der Lage, die Situation zu überblicken. Seine einzige Lösung ist oftmals ein aggressives Bellen zusammen mit dem Einsatz seiner Krallen und/oder Zähne.

Die Giraffensprache im Unterricht

Wünschenswert wäre natürlich, wenn wir alle in typischen (nicht nur schulischen) Konfliktsituationen in Giraffensprache kommunizieren würden. Dazu bedarf es allerdings erst einmal eines zielgerichteten Methodentrainings. Alle Materialien, die ihr dazu braucht, könnt ihr euch am Ende dieses Beitrags kostenlos downloaden:

  • 2 Rollenspiele (als Einstieg),
  • Wortkarten und Sprechblasen (zur Erarbeitung der Sprachstile),
  • Infografiken zur Giraffensprache (auch als Aushang),
  • Impulse für Rollenspiele mit passendem AB (zur Vertiefung, Festigung und Anwendung).

Damit kann es dann auch direkt losgehen.

Die Trainingsspirale im Unterricht

Als Einstieg könnt ihr meine vorbereiteten Rollenspiele nutzen. Sie schildern eine schulische Situation, die alle Kinder kennen, und holt sie deshalb direkt ab. Ihr habt die Möglichkeit, die Rollenspiele gemeinsam mit einer Kollegin/einem Kollegen oder einer Schülerin/einem Schüler vorzuspielen. Alternativ könnt ihr sie auch gut betont vorlesen. Überlegt euch vorab, ob ihr beide Rollenspiele hintereinander nutzt oder ob ihr nach dem ersten Rollenspiel zunächst die Beobachtungen der Schülerinnen und Schüler besprechen wollt. Beides ist möglich und reizvoll.

Im Anschluss erarbeitet ihr anhand der Sprechblasen die beiden Sprachstile im Rollenspiel. Lasst diese von euren Schülerinnen und Schülern ganz genau beschreiben und charakterisieren. Die passenden Wortkarten helfen euch dabei.

Darauf aufbauend stellt ihr die vier Schritte der Giraffensprache (s. Tafelkarten) vor. Hierfür könnt ihr die passenden Infografiken nutzen. Diese können auch weiterhin als Aushang im Klassenraum verbleiben.

Sinnvoll ist es, anhand einer Situation aus dem Alltag diese vier Schritte mit konkreten Formulierungen zu besprechen. Dieser Zwischenschritt bereitet die folgende Vertiefung optimal vor und bietet gleichermaßen eine Art Vorentlastung.

In der Vertiefungsphase teilt ihr eure Lerngruppe in Zweierteams ein. Bei manchen Impulsen eignen sich auch Dreiergruppen. Schaut euch hierzu am besten vorab die Impulskärtchen an und entscheidet das situativ. Jedes Team bekommt dann das Arbeitsblatt und ein Impulskärtchen mit einer Situation zugeteilt. In ihren Teams sollen die Kinder sich ihre Situation genau durchlesen und sich vorstellen, dass ihnen das Geschilderte passiert. Auf ihrem Arbeitsblatt (AB_Situationen) sollen sie einen möglichen Verlauf des drohenden Konfliktes notieren. Hierzu könnt ihr noch Satzanfänge wie „Mich stört …“, „Ich fühle …“ und „Ich wünsche mir …“ anbieten. Ist das Arbeitsblatt bearbeitet, überlegen sich die Teams ein Rollenspiel zu ihrer Situation. Hierbei geht es natürlich darum, die Giraffensprache gezielt anzuwenden.

Sicherung: Die Giraffensprache anwenden

Zur abschließenden Präsentation als Sicherung spielen die Kinder ihre Rollenspiele vor. Ein großer Applaus, allein schon für den aufgebrachten Mut, sollte garantiert sein. Und der Sprachstil kann anhand der Infografiken reflektiert werden.

Wir wünschen euch ganz viel Spaß beim Ausprobieren. Besucht uns gerne auch auf Instagram (zebra_franz).

Herzlichst, eure Theresa

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Über die Autorin

Theresa Weber

Berufliche Tätigkeit: Ich bin stellvertretende Schulleiterin einer dreizügigen Grundschule im Wetteraukreis und Klassenlehrerin der Zebraklasse (1. Schuljahr). Für mich sind die verschiedenen Bereiche meiner schulischen Arbeit ein bisschen wie die vielen verschiedenen Streifen beim Zebra: Vordergründing einfach nur schwarz und weiß, aber, wenn man genau hinschaut sieht man: Kein Mensch gleicht dem anderen. Jedes Kind ist anders, auch alle Kollegen sind unterschiedlich. Aber nur alle zusammen ergeben wir ein harmonisches Gesamtbild. Seit dem laufenden Schuljahr gehört zu meinen Aufgaben übrigens auch die Betreuung eines fast echten Zebras: Franz! Dazu kommen dann noch die Aufgaben im SL-Team, in dem meine Chefin und ich zum Glück im Gleichschritt in dieselbe Richtung traben. Was mir Spaß macht: Privat bin ich sozusagen ein Herdentier: Meine Familie und meine Freunde spielen eine große Rolle in meinem Leben. Mein Partner und ich sind immer auf den Beinen: Egal, ob beim Laufsport, Tanzen, oder ich als Trainerin in verschiedenen Turnvereinen bei Yoga und Fitness. Außerdem bin ich leidenschaftliche Babysitterin für das Zebrafohlen in unserer Familie: Meine kleine Nichte, die wiederum auch schon mit Begeisterung auf Franz aufgepasst hat. Mit ihr teile ich die Freude an unserem gemeinsamen Lieblingsland Spanien: Dort tankt unsere komplette Familienherde in einem kleinen Reihenhaus regelmäßig Kraft für neue Abenteuer. Und wenn ich zuhause ausnahmsweise mal gar nicht in die Hufe kommen mag, dann gönne ich mir ein gutes Buch – gerne auch digital, auf dem Kindle.

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9 Kommentare

  1. Kathrin 14. Juli 2024 um 11:05 Uhr - Antworten

    Herzlichen Dank für das tolle Material. Ich habe eine soooo schwierige Klasse und bin gerade dabei mit den Kindern, die gewaltfreie Kommunikation zu üben. Super – noch einmal dankeschön

  2. Mimi 29. August 2024 um 19:26 Uhr - Antworten

    Vielen Dank für das tolle Material!

  3. Frieda 30. August 2024 um 14:40 Uhr - Antworten

    Mega!!! Hab’ ganz herzlichen Dank dafür.

  4. Jens 31. August 2024 um 15:16 Uhr - Antworten

    Der Wolf „bellt“ also. Bitte Nacharbeiten. Außerdem wird der arme Wolf aufgrund seiner Natur diskriminiert und als minderwertig dargestellt. Tolle Pädagogik. Gut, daß Bildung nur unwesentlich in Schulen stattfindet.

    • Nicole Schramm 2. September 2024 um 8:52 Uhr - Antworten

      Vielen Dank für den Input! Obwohl es selten vorkommt, nutzen Wölfe Bellen zur Warnung oder Verteidigung – eine faszinierende Facette ihrer Kommunikation!

    • Frank 21. September 2024 um 13:08 Uhr - Antworten

      Guten Tag Jens,

      ich beobachte, das Sie aus „der Wolf bellt“ verschiedene Schlüsse ziehen; insbesondere, dass „Bildung nur unwesentlich in Schulen stattfindet“. Dies irritiert mich. Ich wünschte mir, dass Kommentare sachlich, informativ, thematisch relevant und einer Kausalkette folgend verfasst werden. Ich bitte Sie, die Grundsätze der Kommunikation, insbesondere den Grundsatz des respektvollen Umgangs, in allen Ihren zukünftigen Kommentaren zu berücksichtigen.

      Freundliche Grüße

      Frank

  5. Andrea Roesner 31. August 2024 um 15:44 Uhr - Antworten

    Hallo Theresa, schön hier diese Materialien gefunden zu haben. bin ausgebildete Resilienzfachkraft und und hauptsächlich im Kindergarten eingestellt.
    Hewaltfreie Kommunikation nach Rosenberg ist mir für Erwachsene nicht fremd-ein spannendes Thema. Ich hatte schon das ein oder andere Seminar dazu. deine Unterlagen werde ich für mich für die Kinder in der Vorschulgruppe verwenden. gewaltfreie Kommunikation und Resilienzarbeit passen gut zusammen. Gruß Andrea Rösner

  6. Annette 31. August 2024 um 15:56 Uhr - Antworten

    Vielen lieben Dank für das tolle Material! ?

  7. Viola Maier 15. März 2026 um 13:53 Uhr - Antworten

    Ich bin sehr überzeugt von den Ideen und den klaren Bildern der Giraffensprache und übernehme diese gerne bei meinen Kindern im Unterricht.
    Das Bild des Wolfes aber als Negativbeispiel zu nehmen ist für mich aber oberflächlich, antiquiert und ehrlich gesagt völlig daneben.
    Jeder, der sich auch nur ein wenig mit Wölfen beschäftigt, weiß, was für extrem soziale Tiere sie sind. Kommuniziert wird viel und klar in Wolfsrudeln.
    Warum also das völlig veraltete Bild vom „bösen Wolf“? Ich dachte, wir wären klüger geworden!

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