Grundschul-Blog
Gemeinsam Unterricht gestalten

5-Minuten-Training im Deutschunterricht

Vor vier Jahren suchte ich nach einer Lösung, wie ich der vollen Bandbreite meiner ersten Klasse gerecht werden kann. Ich wollte jedes Kind mit dem, was es kann oder auch noch üben muss, im Blick behalten und auch den Eltern regelmäßig eine Rückmeldung geben. In Anlehnung an das Blitzrechnen oder Kopfrechentraining im Mathematikunterricht habe ich dieses auf den Deutschunterricht übertragen und so entstand das 5-Minuten-Training.


Der Ablauf des 5-Minuten-Trainings

Bei der Einführung des 5-Minuten-Trainings im ersten Schuljahr kopiere ich die Tabelle zum Eintragen auf A4 quer, damit die Kinder genügend Platz zum Schreiben haben.

Mittels Overheadfolie wird geklärt, wo der EIGENE Name hinkommt und dass gegebenenfalls die beiden Bens in der Klasse noch den ersten Buchstaben ihres Nachnamens dahinter schreiben müssen. Anschließend schauen wir uns das Blatt genauer an und stellen fest, dass jeder Schultag der Woche eine eigene Spalte hat.

Unter dem Wochentag steht immer das Thema des Tages (Buchstabendiktat, Wo hörst du?, Lautgebärden, …). Wenn soweit alles geklärt ist, fange ich beispielsweise mit dem Buchstabendiktat an und sage: „1.: Großes M“ Die Kinder schreiben ein großes M in die erste Zeile am Montag. So setzt sich das am Montag bis zu 10. fort. Große Freude herrscht, wenn die Buchstaben von oben nach unten gelesen ein Wort ergeben – das erleichtert auch die Korrektur. Natürlich wird ebenfalls geklärt, dass normalerweise mitten im Wort keine großen Buchstaben vorkommen (MandAriNen).

Nachdem der letzte Buchstabe notiert wurde, drehen die Kinder das Blatt um. Ich sammele die Blätter in der Reihenfolge der Sitzordnung wieder ein – so geht das Austeilen am nächsten Tag schneller und ich habe genau im Blick, wer sich eventuell von wem inspirieren ließ.

In den ersten Tagen dauert das 5-Minuten-Trainings definitiv länger als 5 Minuten (bis zu 30 Minuten), aber ab dem 3. Tag stellt sich eine gewisse Routine ein. Nach Möglichkeit versuche ich die Blätter täglich zu korrigieren. Gegebenenfalls kreuze ich an, ob das Kind das entsprechende Thema noch üben muss. Damit die Eltern bei „Wo hörst du?“ oder  „Silbenbögen“ Fehler nachvollziehen können, schreibe ich das Wort bei der Korrektur daneben.

Oft nutzen die Kinder die Rückseite zum Malen oder zu Schreibgesprächen mit mir. Die Kinder bekommen immer eine Antwort – bei sensiblen Themen folgt auch noch ein Vier-Augen-Gespräch.


Die Organisation des 5-Minuten-Trainings

Das 5-Minuten-Training gibt es in der Regel montags zurück. Von den Eltern lasse ich mir zu Beginn des Schuljahres unterschreiben, dass sie sich das Training und die Rückmeldung jede Woche anschauen und – falls nötig – mit dem Kind üben. Das erspart mir, hinter den unterschriebenen Blättern herzulaufen und zu Hause eine Zettelwirtschaft.

Wichtige Infos wie: „Nächste Woche gibt es kein 5-Minuten-Training.“ oder „Dies ist das letzte 5-Minuten-Training in diesem Schuljahr.“ schreibe ich auch auf das Blatt. Fällt an einem Tag das 5-Minuten-Training wegen eines Feiertages, Ausflugs oder einer Klassenarbeit aus, schreibe ich es ebenfalls auf.

Bei mir haben im 1. Schuljahr nicht alle Kinder das Training mitgemacht: Ich hatte einige noch nicht schulreife Kinder in der Klasse. Nach Absprache mit den Eltern haben sie zwar ein Blatt bekommen, konnten aber selbst entscheiden, ob sie mitmachen oder nicht.

Ein anderer Junge, der mehrere Förderschwerpunkte hatte, sagte einmal: „Ich kann zwar nicht lesen oder schreiben, aber Silbenbögen kann ich malen!“ Also hat er alles mitgemacht, aber „nur“ die Silbenbögen gemalt. Später konnte er auch Silbenkönige dazuschreiben und bei der Wörterbucharbeit war er, nachdem er lesen konnte, ein wahres Ass!

Ab Herbst im 2. Schuljahr bekommen die Kinder nur noch ein A5-Blatt quer. So kann ich das 5-Minuten-Training für zwei Wochen im Voraus vorbereiten.

DAZ-Kinder haben das Training auch mitgemacht, sobald sie dazu bereit waren. Sie haben aber zum Teil mehr Zeit bekommen.


Was wird abgefragt?

Zu Beginn des Schuljahres oder Halbjahres schaue ich, was ich auf den Zeugnissen kreuzen muss und wie ich dies mit dem 5-Minuten-Training abfragen kann, um nicht nur eine Momentaufnahme des Könnens zu haben, sondern einen langfristigen Eindruck bekommen kann. Vor allem Themen wie Wörterbucharbeit oder Fachwörter, die oftmals nur kurz im Schuljahr oder meist nur mündlich behandelt werden, finden im Training einen regelmäßigen Eingang. Ich frage nur Aufgabenformate ab, die vorher im Unterricht gut geübt worden sind.

Meist war das Training auch ritualisiert: montags immer Wortdiktat, dienstags Steigerung oder Wortarten, mittwochs Strategien, donnerstags Wörterbuch oder nach dem ABC sortieren und freitags Fachwörter oder Zeiten.

5-Minuten-Training Beispiel

Dies habe ich in den vier Schuljahren abgefragt:

1. Schuljahr

  • Buchstabendiktat: Ich diktiere einzelne Buchstaben und die Kinder schreiben sie auf. Korrekturhinweis: Wenn es ein Wort ergibt, geht die Korrektur schneller. ?
  • Silbenbögen: Ich sage ein Wort und die Kinder malen die Silbenbögen.
  • Wo hörst du?: Ich sage ein Wort und die Kinder kreuzen an, wo sie einen bestimmten Buchstaben hören. Der wird vorher natürlich bekannt gegeben. Toll, wenn man den Laut vorne, mitten und hinten hört! Manchmal gibt es auch ein Wort, in dem man den Laut gar nicht hört – dann muss natürlich auch nichts angekreuzt werden. Ein Muster erleichtert die Korrektur.
  • Kurzer oder langer Vokal: Ich sage ein Wort und die Kinder malen einen Punkt, wenn z.B. das O kurz klingt und einen Strich, wenn das O lang klingt.
  • Lautgebärden: Ich mache eine Gebärde vor und die Kinder schreiben den entsprechenden Buchstaben auf. Auch hier ist die Freude wieder groß und die Korrektur schnell, wenn die Gebärden ein Wort ergeben.
  • Silben mit Königen: Ich sage ein Wort, die Kinder malen die Silbenbögen und schreiben die Könige in jeden Silbenbogen.
  • Wortdiktat/Lernwörter: Ich sage ein (lautgetreues) Wort oder Lernwort und die Kinder schreiben es auf.
  • Wortdiktat und Könige: Die Kinder schreiben das von mir genannte Wort auf und markieren die Könige.
  • Reimwörter habe ich nicht abgefragt, aber die könnten z.B. über drei Bilder/Zeile pro Zeile abgefragt werden, indem die beiden Bilder, die sich reimen, angekreuzt werden müssen. Dies setzt aber eindeutige Bilder voraus und dass die Kinder die Begriffe kennen.

2. Schuljahr

  • Zu Beginn waren es die gleichen Aufgaben wie am Ende der 1.
  • Nomen ja/nein: Ich sage ein Wort und die Kinder kreuzen an, ob es ein Nomen ist oder nicht.
  • (un)bestimmte Begleiter: Ich nenne ein Nomen und die Kinder schreiben den passenden (un)bestimmten Begleiter dazu auf.
  • ABC + 3: Ein Buchstabe steht bereits da, die Kinder schreiben die folgenden drei Buchstaben auf.
  • Welcher Buchstabe zuerst? Es stehen zwei Buchstaben da und die Kinder markieren den Buchstaben, der zuerst im ABC vorkommt.
  • Vorgänger/Nachfolger: Ich sage einen Buchstaben und die Kinder schreiben den Buchstaben auf, der davor/danach kommt – wenn es ein Wort ergibt, erleichtert es die Korrektur.
  • Nomen/Verb: Ich sage ein Wort und die Kinder kreuzen an, ob es ein Nomen oder Verb ist.
  • Nomen/Verb/Adjektiv: Die Kinder kreuzen an, ob das genannte Wort ein Nomen, Verb oder Adjektiv ist. Manchmal gibt es auch „Jokerwörter“, die nicht nur einer Wortart zuzuordnen sind (wenn man sie hört: Gießen/gießen).
  • Verlängern: Ich sage ein Wort und die Kinder schreiben die Grundform oder den Plural oder die Steigerungsform auf
  • Wörterbuch: auf dem Zettel stehen Wörter und die Kinder notieren die Seitenzahl, auf der sie das Wort gefunden haben.
  • Wortdiktat/Lernwörter: Ich sage entweder ein lautgetreues Wort oder Lernwort

3. Schuljahr und 4. Schuljahr

  • Wortdiktat
  • Nomen/Verb/Adjektiv (Wortarten)
  • Wörterbuch: Ein Wort steht da und die Kinder notieren die passende Seitenzahl des Wörterbuches
  • Wörterbuch Vorgänger/Nachfolger: Dies bietet sich an, wenn es in der Woche einen Tag gibt, an dem es kein 5-Minuten-Training gibt. In die Spalte schreibe ich zehn Wörter. Die Kinder notieren am entsprechenden Tag die Wörter, die im Wörterbuch davor oder danach kommen. Manchmal nehme ich auch Wörter aus dem Wortdiktat, wenn es keinen freien Tag gibt. Falls ich keine Zeit zum Korrigieren habe, bietet sich hier noch die Chance für die Kinder zur Korrektur
  • ABC sortieren: 10 Wörter müssen mit Hilfe der Ziffern 1 – 10 nach dem ABC sortiert werden.
  • Strategien: Es stehen zehn falsch geschriebene Wörter in der Spalte und die Kinder verbessern die Wörter mithilfe der Strategien. Das Strategiesymbol wird auch dazu geschrieben
  • Fachwörter: Ich sage z.B. Wiewort und die Kinder notieren „Adjektive“.
  • Adjektive steigern: Ich sage ein Adjektiv in der Grundform und die Kinder notieren die 1. oder 2. Steigerungsform oder ich nenne die Steigerungsform und die Kinder notieren die Grundform
  • Grundform/Präsens/Präteritum/Perfekt: Ich sage ein Verb in einer Zeitform und die Kinder schreiben es in der Grundform oder im Präsens/Präteritum/Perfekt auf.

Woher kommt das Wortmaterial?

Je nachdem, wo und wann ich das 5-Minuten-Training erstelle, fallen mir unterschiedliche Themen ein. Die Kinder bekommen montags neue Lernwörter. Diese werden frühestens am nächsten Montag abgefragt. Natürlich werden auch alte Lernwörter aus vorherigen Schuljahren abgefragt.

Quellen:

  • Wörterkartei
  • Themen, die uns gerade im Unterricht beschäftigen
  • Themen, die die Kinder interessiert und von denen sie erzählen
  • Ausflüge
  • Ereignisse in der Schule
  • Wörter aus der Lektüre, die ich den Kindern in der Schule oder meinen Kindern vorlese
  • was mir gerade durch den Kopf schießt
  • manchmal nehme ich auch ein altes 5-Minuten-Training

Unter den Downloads findet ihr zu jeder Klassenstufe ein paar Beispiele als PDF. Für die Erstellung empfehle ich ein Tabellenkalkulationsprogramm, so habt ihr  alle Arbeitsblätter in einem Dokument vereint.

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Über die Autorin

Britta Fuchs

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8 Kommentare

  1. Bettina 15. November 2019 um 20:23 Uhr - Antworten

    Hallo Britta,
    Danke für die Idee mit dem 5 -Minuten -Training. Ich werde es ausprobieren.
    Bettina

  2. Britta 18. November 2019 um 11:42 Uhr - Antworten

    Liebe Bettina,
    vielen Dank für deine Rückmeldung.
    Vielleicht fällt dir ja auch noch was anderes ein, das man abfragen kann.

    Britta

  3. Tina 5. August 2022 um 13:02 Uhr - Antworten

    Es wäre prima, wenn es keine PDF sondern word-Formate wären.
    LG

    • Nicole Schramm 5. August 2022 um 13:45 Uhr - Antworten

      Liebe Tina,

      vielen Dank für deinen Kommentar. Wir schauen mal, was wir da machen können. Eine Blanko-Vorlage wäre ja ausreichend?

      Herzliche Grüße vom Grundschul-Blog-Team

  4. Sonja 20. August 2022 um 14:33 Uhr - Antworten

    Liebe Britta,

    die Idee gefällt mir sehr gut und ich bekomme jetzt eine erste Klasse, da möchte ich das gleich ausprobieren :)! Wann hast du denn ungefähr damit begonnen? Buchstabendiktate und so machen ja erst Sinn, wenn man schon ein paar Buchstaben hat. Ich werde vl. mit Reimwörtern, Silbenbögen und Lautanalyse an drei Tagen/Woche beginnen, dann kann man ja es auch nach und nach ausbauen, wenn man schon mehr Buchstaben hat.
    Liebe Grüße, Sonja

    • Britta 23. August 2022 um 15:46 Uhr - Antworten

      Liebe Sonja,
      es freut mich, dass dir die Idee gefällt.
      Mit dem 5. Minutentraining hatte ich nach den Herbstferien begonnen, als wir vier Buchstaben behandelt hatten (da gab es dann auch nur acht Aufgaben statt 10).

      Liebe Grüße
      Britta

  5. Elke 30. November 2022 um 13:41 Uhr - Antworten

    Tolle Idee,
    Wie verteilen sich denn die Punkte?
    Das ist mir nicht klar.

    • Anonym 1. Dezember 2022 um 14:11 Uhr - Antworten

      Liebe Elke,
      im Grunde gibt es für jede Aufgabe einen Punkt also 10 Punkte/Tag. Bei Aufgaben wie „Silbenbögen malen und Könige einsetzen“ gibt es zwei Punkte/Aufgabe, also insgesamt 20. Fällt an einem Tag das Training aus, gibt es dafür keine Punkte.

      Liebe Grüße
      Britta

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