Grundschul-Blog
Gemeinsam Unterricht gestalten

Programmierenlernen in der Grundschule – Coding für alle!

Programmieren in der Grundschule – nicht mein Thema?

Bislang wurde das Thema Programmieren oder Coding von vielen Kolleginnen und Kollegen gerne umgangen oder dankbar an Personen des Kollegiums abgegeben, die sich mit dem Thema wohlfühlen, sich um eine Ausstattung gekümmert und mit dieser vertraut gemacht haben. So wurde der Bereich, wenn überhaupt, meist als AG angeboten und eher selten in den Fächerkanon integriert.

Warum das Programmieren in der Grundschule jedoch für alle Kolleginnen und Kollegen von Bedeutung ist und alle mitnehmen soll, soll dieser Beitrag aufzeigen und eine mögliche Umsetzung vorstellen, um das ganze Kollegium fürs Thema zu gewinnen.


Gründe, warum das Programmierenlernen in der Grundschule unerlässlich ist

In einer zunehmend digitalisierten Welt ist es von entscheidender Bedeutung, dass Kinder frühzeitig die Grundlagen des Programmierens erlernen. Nachfolgend möchte ich euch einige Gründe dafür auflisten. Diese können für euch vielleicht auch hilfreich bei der Beantragung einer Robotik-Einheit sein oder euch bei der Ausformulierung eures Medienkonzeptes unterstützen.

  1. Förderung von Problemlösungskompetenzen: Das Programmieren erfordert logisches Denken und die Fähigkeit, komplexe Probleme in kleinere, lösbare Teile zu zerlegen. Durch das Lernen von Programmierkonzepten in jungen Jahren entwickeln Kinder ihre Fähigkeit zur Problemlösung und kritischem Denken.
  2. Vorbereitung auf die Zukunft: In einer zunehmend digitalisierten Welt werden Computerkenntnisse und ein grundlegendes Verständnis für Technologie immer wichtiger. Das Programmierenlernen in der Grundschule legt den Grundstein für fortgeschrittenes Computerwissen und erleichtert den Übergang zu weiterführenden Informatikfächern.
  3. Kreativitätsförderung: Programmieren ist nicht nur eine Wissenschaft, sondern auch eine Kunst. Es eröffnet Kindern die Möglichkeit, ihre Kreativität auszudrücken, indem sie interaktive Geschichten, Spiele und Kunstwerke erstellen. Durch das Experimentieren mit Codes lernen Kinder, innovativ zu denken und neue Ideen zu entwickeln.
  4. Stärkung von Selbstvertrauen und Selbständigkeit: Das Überwinden von Herausforderungen beim Programmieren führt zu einem gesteigerten Selbstvertrauen und einem Gefühl der Selbständigkeit bei Kindern. Sie lernen, dass sie in der Lage sind, Probleme eigenständig zu lösen und komplexe Aufgaben zu bewältigen.
  5. Förderung von Teamarbeit: Viele Programmieraufgaben erfordern Zusammenarbeit und Kommunikation zwischen den Schülerinnen und Schülern. Das Programmierenlernen in der Grundschule bietet eine ausgezeichnete Gelegenheit für Kinder, Teamarbeit und soziale Fähigkeiten zu entwickeln, während sie gemeinsam an Projekten arbeiten.

Diese Gründe zeigen die Wichtigkeit, dass Schulen das Programmieren als festen Bestandteil ihres schulinternen Curriculums integrieren sollten. Dadurch legen wir den Grundstein für eine Generation von Schülerinnen und Schülern, die bereit sind, die Herausforderungen der digitalen Welt von morgen anzunehmen.


Praxisbeispiel zur Einführung des Programmierens an unserer Schule

Doch wie kann eine Schule starten und ihr Kollegium fürs Programmieren gewinnen und bei der Implementation behutsam mitnehmen? Nachfolgend möchte ich euch die Vorgehensweise meiner Schule vorstellen, die euch bei der Umsetzung an eurer Schule vielleicht unterstützen kann.

Ich arbeite an einer drei- bis vierzügigen Grundschule in Köln. Wir haben ein großes Kollegium, jedoch nur 2-3 Kolleginnen, die sich gerne mit dem Thema Programmieren auseinandersetzen und dazu bereits einige Fortbildungen besucht haben. Mit meinem Schulleitungsteam entwickelte ich die Idee, dass ich als Coding-affine Kollegin in allen Klassen der Jahrgangsstufe 3 eine Einheit zum Programmieren anbiete, die die Kolleg:innen als Sachunterrichtseinheit (Bereich: Technische und digitale Entwicklungen) „verbuchen“ können.

In unserem neuen schulinternen Arbeitsplan haben wir Programmieren auch mit diesem Bereich verzahnt, welcher sich gut auch als Überleitung zum Themenfeld „Arbeit und Beruf“ eignet und nutzen lässt.

Daraufhin habe ich eine 10 bis 12-stündige Coding-Einheit erstellt, mit der ich, quasi quartalsmäßig, durch alle dritten Klassen ziehe. Die Kolleginnen und Kollegen der 3. Klassen hätten eigentlich in ihrer Klasse eine Sachunterrichtsstunde oder eine Lernzeit, sind aber dann als Doppelbesetzung für die Coding-Wochen mit dabei und erfahren so eine behutsame Annäherung ans Thema.

Zunächst beschäftigen wir uns mit Fragen, wie Was bedeutet Coding? Wo finden wir Programmierungen in unserem Alltag und steigen spielerisch und analog ins Thema ein. Anschließend lernen, sowohl die Kinder als auch die Kolleginnen und Kollegen, unsere Robotik-Einheit kennen und bekommen eine Einführung in weitere Coding-Apps, die auch später im Unterricht wieder aufgegriffen werden können.

Diese Umsetzung haben wir nun 2 Jahre erprobt und konnten so einen Großteil des Kollegiums, ohne große Belastung, schulen und fürs Thema gewinnen. Erfreulich ist es, dass nun Kolleg:innen selbst auf neue Ideen kommen, Programmieren in die weiteren Fächer einzubetten.

Verzahnungsbeispiele, die aus meiner Kennenlerneinheit erfolgten:

  • Einsatz der Roboter → Verbindung mit dem Thema „Giving Directions/Around Town“ im Englischunterricht
  • Einsatz der Roboter → Verbindung mit dem Thema Verkehrserziehung im Sachunterricht
  • Üben der wörtlichen Rede mit Scratch Jr. im Deutschunterricht
Roboter

In Klasse 4 bietet unsere Schule das Thema Programmieren mit Calliope als AG am Nachmittag an, welche auf die Vorerfahrungen der Kinder (Blockprogrammierung) aus Klasse 3 gut aufbaut und mit dieser, doch sehr abstrakten Robotik-Einheit, die Kompetenzen der Kinder weiter schult.


Ausblick des Klett-Unterstützungsangebots

Wie kann man sich zum Thema weiter schulen und Ideen für seinen Unterricht bekommen?
Neben Online-Seminaren gibt es natürlich auch Präsenzfortbildungen zum Thema Coding, die individuell oder von Schulen für das ganze Kollegium gebucht werden können. Zahlreiche Anbieter sind dafür im Netz zu finden und natürlich gibt es oft auch lokal vor Ort verschiedene Angebote, die Schulen nutzen können. Hilfreich sind mit Sicherheit die Medienzentren, die es in vielen Kommunen bereits gibt. Nachfolgend findet ihr das Kölner Medienzentrum verlinkt. Dort kann man auch diverse Robotik-Einheiten vor Ort testen und sich Sets für den eigenen Unterricht ausleihen.

Die regionalen Angebote sind natürlich sehr verschieden, es lohnt sich jedoch dort anzufragen.

Um euch bei diesem umfangreichen Thema bestmöglich zu unterstützen, hat sich der Ernst Klett Verlag eine Beitragsreihe hier auf dem Grundschul-Blog überlegt. Es erwarten euch nicht nur Coding-Beträge mit Tipps und kostenlosen Downloads, sondern auch viele weitere Beiträge zu allen anderen Medienkompetenzbereichen. Schaut gerne wieder auf dem Blog vorbei, damit wir euch fortlaufend mitnehmen können. Vielleicht sind die geplanten Beiträge genau die, dir ihr oder die eure Schule aktuell braucht?!

Ich wünsche euch einen gelungenen Start und viel Erfolg beim Coding,

herzlichst
Vanessa Thiel

35 Personen haben sich für diesen Beitrag bedankt.

Über die Autorin

Vanessa van Zoest

Berufliche Tätigkeit: Ich bin Grundschullehrerin in Köln und unterrichte an einer bilingualen Grundschule. Neben meinen Lieblingsfächern Deutsch und Englisch liegt mir vor allem das Thema Medienbildung am Herzen. Es begeistert mich, Kinder fit für die digitale Welt zu machen und ihnen Kompetenzen zu vermitteln, die sie nachhaltig stärken. Besonders gerne probiere ich Neues im Unterricht aus, gestalte flexible Lernumgebungen und widme mich gerne der Materialerstellung. Seit einigen Jahren schreibe ich regelmäßig für den Klett Grundschul-Blog und den Zebrafanclub, wo ich meine Erfahrungen und Ideen mit anderen Lehrkräften teile – ein Austausch, der mir sehr viel Freude bereitet. Außerdem bin ich auch auf Instagram (@miss_thiel) aktiv und nehme meine Community dort mit in meinen Lehrerinnenalltag, teile Einblicke in meine Unterrichtspraxis, zeige Materialien und manchmal auch Privates. Was mir privat Spaß macht: reichlich Sonne tanken, Reisen, Lesen, Yoga, Meditieren, Musikhören, auf Flohmärkten stöbern, Tennis spielen und natürlich Zeit mit meinen Liebsten zu verbringen

Hinterlasse einen Kommentar

Ich habe die Datenschutzerklärung gelesen und verstanden.

2 Kommentare

  1. Ulrike 11. Mai 2024 um 10:16 Uhr - Antworten

    Kann man zu dem Thema wörtliche Rede mit scratch noch mehr Informationen bekommen?

    • Vanessa 12. Juli 2024 um 12:50 Uhr - Antworten

      Liebe Ulrike, ja dazu folgt im Herbst ein Beitrag mit mehr Informationen. Herzliche Grüße, Vanessa

Nach oben