Die digitale Welt ist längst ein fester Bestandteil des Alltags unserer Schülerinnen und Schüler. Daher ist es die Aufgabe der Schulen, ihre Medienkompetenz gezielt zu fördern, damit sie sich sicher und verantwortungsvoll in der digitalen Welt bewegen können. Diese Herausforderung ist nicht neu – bereits in diversen Blogbeiträgen und im Leitfaden zur Medienbildung habe ich euch hierzu wertvolle Impulse gegeben.
Doch wie gelingt es, dass wirklich alle Schülerinnen und Schüler bis zum Ende ihrer Grundschulzeit grundlegende Medienkompetenzen erwerben? Der Einfluss einzelner Lehrkräfte spielt hier eine große Rolle – Kinder, die eine medienaffine Lehrkraft haben, profitieren in besonderem Maße. Doch auch Lehrkräfte, die bisher wenig mit Medien zu tun hatten, können mit ein wenig Unterstützung und einem roten Faden – dem Medienkonzept – mit den Kindern Medienkompetenzen aufbauen und stärken.
Genau hier setzt das schulinterne Medienkonzept an: Es kann einen verbindlichen Minimalkonsens festlegen, der sicherstellt, dass alle Schülerinnen und Schüler die wesentlichen Medienkompetenzen erwerben. Das Kollegium einigt sich auf einheitliche Mindeststandards, um eine chancengerechte Medienbildung für alle zu gewährleisten. Wichtig ist hier natürlich der kollegiale Support untereinander! Zusätzlich sollte es auch regelmäßig Fortbildungsmöglichkeiten fürs Kollegium geben.
Wie man das schulinterne Medienkonzept weiterentwickeln kann, möchte ich euch in diesem Beitrag vorstellen. Am Ende des Beitrages findet ihr ferner eine kostenlose editierbare Word-Vorlage, die hilfreich für eure konzeptionelle Arbeit sein kann.
Warum jede Schule ein eigenes Medienkonzept braucht!
Jede Schule hat individuelle Rahmenbedingungen – sei es die technische Ausstattung, die Vorkenntnisse der Schülerinnen und Schüler oder die pädagogischen Schwerpunkte des Kollegiums. Ein standardisiertes Kompetenzmodell, wie es beispielsweise die Kultusministerkonferenz (KMK) vorgibt, bietet eine wertvolle Orientierung. Doch wenn jede Schule lediglich diese allgemeinen Vorgaben übernimmt, bleibt unklar, wie sie konkret im Schulalltag umgesetzt werden sollen. Daher ist es wichtig, dass sich jede Schule mit einem eigenen Medienkonzept auseinandersetzt!
Denn ein schulinternes Medienkonzept geht über eine bloße Auflistung von Medienkompetenzen hinaus. Es stellt sicher, dass die Umsetzung praxisnah und auf die jeweiligen Gegebenheiten der Schule abgestimmt ist. Dabei spielen verschiedene Faktoren eine Rolle:
- Technische Ausstattung: Nicht jede Schule verfügt über die gleiche Hard- und Software. Während einige Schulen mit Tablets arbeiten, setzen andere auf andere Hardware. Das Medienkonzept hilft dabei, die vorhandenen Ressourcen optimal zu nutzen und Weiterentwicklungsbedarfe zu identifizieren.
- Didaktische Vorlieben und Stärken des Kollegiums: Einige Lehrkräfte arbeiten gerne mit digitalen Büchern oder Erklärvideos, andere setzen auf Programmierung mit Apps oder Robotik-Projekte. Ein eigenes Konzept ermöglicht es, diese Stärken gezielt einzusetzen und gleichzeitig einen gemeinsamen Mindeststandard festzulegen.
- Schülerorientierung: Der Medienumgang der Kinder unterscheidet sich je nach Standort und sozialem Umfeld. Während in einigen Schulen viele Kinder bereits privat intensiv digitale Medien nutzen, ist dies in anderen weniger ausgeprägt. Ein schulindividuelles Konzept stellt sicher, dass alle Kinder – unabhängig von ihren Vorerfahrungen – die gleichen grundlegenden Kompetenzen erwerben.
Ohne ein maßgeschneidertes Medienkonzept bestünde die Gefahr, dass Medienbildung entweder gar nicht oder nur punktuell im Unterricht stattfindet! Ein eigenes Konzept sorgt hingegen für Verbindlichkeit, Kontinuität und eine gemeinsame Vision im Kollegium.
Dafür zu sensibilisieren und den Fokus immer wieder auf die konzeptionelle Arbeit an Schule zurückzuführen, ist mir ein großes Anliegen. Das Medienkonzept soll kein Konzept für die Schublade sein! Es soll eine wichtige und brauchbare Handreichung fürs Kollegium sein (idealerweise sogar unterfüttert mit vielen Beispielen) und kann gleichzeitig Transparenz auch für die Eltern bieten.
Wie wichtig die Elternarbeit im Zusammenhang mit dem Thema Medienkompetenz ist, habe ich bereits in einem anderen Blogbeitrag vorgestellt: Medienerziehung gemeinsam gestalten: Ein Elternbrief für mehr Medienkompetenz
Hilfe zur Erstellung des schulinternen Medienkonzeptes
Um klare Leitlinien für uns Lehrkräfte zu schaffen und sicherzustellen, dass alle Schülerinnen und Schüler mit einem grundlegenden Medienwissen in die weiterführenden Schulen gehen, hilft es einen schulinternen Minimalkonsens für Medienkompetenz im eigenen Medienkonzept zu vereinbaren. Dabei können folgende Punkte Grundlage für eine Diskussion sein:
Bestandsaufnahme: Wo steht unsere Schule?
- Welche Medienkompetenzen werden bereits in den Klassenstufen 1-4 vermittelt? Gibt es bereits eine Progression?
- Welche Erfahrungen haben unsere Lehrkräfte mit der Umsetzung des Medienkompetenzrahmens?
- Welche Vorlieben und Stärken hinsichtlich diverser Medienprojekte haben unsere Lehrkräfte?
- Welche Herausforderungen gibt es (z. B. fehlende Ausstattung, Weiterbildungsbedarf)?
Zu den bekannten sechs Kompetenzbereichen lassen sich pro Bereich zum Beispiel das absolute Minimum definieren, das alle Schülerinnen und Schüler bis zum Ende der 4. Klasse beherrschen sollten. Eine Vorgehensweise könnte sein, die Kompetenzbereiche aufzulisten und daneben den Minimalkonsens als Text zu formulieren:
| Kompetenzbereich | Minimalkompetenz bis zum Ende der Grundschulzeit |
|---|---|
| Problemlösen und Handeln | Sie haben erste Erfahrungen mit logischem Denken gesammelt und können einfache Algorithmen erstellen (z. B. unplugged Coding-Methoden, mit ScratchJr und den Dash-Robotern). |
Eine andere Option wäre, einen Blanko-Medienkompetenzrahmen zu erstellen, ihn in einer Konferenz mit Beispielen komplett zu unterfüttern und dann ausgewählte Kompetenzen als Minimalkonsens zu markieren. Als Hilfe habe ich für euch mit dem Ernst Klett Verlag zwei editierbare Word-Dateien erstellt, in die ihr viele Beispiele zu den Medienkompetenzen (in Anlehnung an den Kompetenzrahmen der Kultusministerkonferenz und den Medienkompetenzrahmen NRW) eintragen könnt.
Vielleicht sind die Dateien eine Hilfe, das eigene Medienkonzept zu überarbeiten. Denn im Vergleich zu anderen schulinternen Konzepten, befindet sich das Medienkonzept in regelmäßigerer Überarbeitung und Evaluation. Was funktioniert gut, wo gibt es Herausforderungen? – Dies sind Fragen, die sich ein Kollegium z.B. jährlich stellen kann. Daraus können u.U. Anpassungen des Minimalkonsenses folgen, je nach technischen, didaktischen und gesellschaftlichen Entwicklungen.
Die digitale Transformation in der Schule und damit einhergehend das schulinterne Medienkonzept sind durch die schnelle Weiterentwicklung der Technologien nie endgültig abgeschlossen. Es entwickelt sich ebenfalls stetig weiter. Der Einsatz digitaler Medien und die damit einhergehende Medienbildung unserer Schülerinnen und Schüler wird also ein fortlaufendes Thema bleiben.
Ich freue mich, euch immer wieder zum Thema Medien und Medienbildung mit Ideen oder Anregungen zu versorgen. Vielleicht habt ihr noch Tipps für das schulinterne Medienkonzept? Welche Erfahrungen habt ihr gemacht? Dann nutzt doch hier die Kommentarfunktion!
Herzliche Grüße
Eure Vanessa (@miss_thiel)
Downloads
Medienkompetenzrahmen der Kultusministerkonferenz (editierbare Word-Datei)
Medienkompetenzrahmen NRW (editierbare Word-Datei)



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