Ich erkläre mich mit den Nutzungsbedingungen für den Downloadbereich der Website „Grundschul-Blog“ einverstanden. Ich weiß, dass ich zudem die spezifischen Nutzungshinweise beachten muss, die sich an den einzelnen Materialien befinden.

///Stellenwertverständnis festigen mit der Tablet-App „Stellenwerte üben“

Stellenwertverständnis festigen mit der Tablet-App „Stellenwerte üben“

Von | 2018-11-14T08:26:37+00:00 14. November 2018|Digitales Klassenzimmer, Grundschule digital|2 Kommentare

Die kostenlose Tablet-App „Stellenwerte üben“ bietet Lehrerinnen und Lehrern eine gute Möglichkeit, Schülerinnen und Schüler bei der Festigung ihrer Kompetenzen zur Entwicklung des Stellenwertverständnisses zu unterstützen.


Die Entwicklung eines tragfähigen Stellenwertverständnisses ist eines der wichtigsten Ziele im Arithmetikunterricht der Grundschule.

Ein tragfähiges Stellenwertverständnis ist gegeben, wenn ein Kind das Prinzip der fortgesetzten Bündelung verstanden hat, auf diese Weise den Zusammenhang zwischen der Wertigkeit (Einer, Zehner, Hunderter, …) der einzelnen Stellenwerte versteht und sie entsprechend ihrer Wertigkeit sortieren kann. Diese Sortierung beginnt rechts mit den Einern und steigt nach links an (links der Einer sind die Zehner, links davon die Hunderter, links davon die Tausender).

Diese stellenweise Sortierung führt zur Schreibweise von Zahlen: Die Anzahl der Hunderter, Zehner und Einer wird an der entsprechenden Stelle notiert. Ist eine Stelle unbesetzt, wird dies durch einen Platzhalter – die Null – kenntlich gemacht. Vollständig ist das Stellenwertverständnis dann entwickelt, wenn das Kind zudem in der Lage ist, diese Zahlen zu benennen – wenn also alle Darstellungen (Zahlwort, Zahlzeichen, Menge) einer Zahl flexibel miteinander verbunden werden können und sicher zwischen ihnen übersetzt werden kann.


Die Android-App „Stellenwerte üben“ kann dabei helfen, die beschriebenen Kompetenzen zu festigen. In sechs Übersetzungsmodulen, in denen Übersetzungen zwischen Darstellungen aufgegriffen werden, und in zwei Grundlagenmodulen zum Bündeln und Sortieren von Repräsentanten können die Kinder ihr Stellenwertverständnis trainieren.

Dabei ist zu beachten, dass es sich bei der App um eine Übungssoftware handelt, die nicht voraussetzungsfrei genutzt werden sollte. Grundlage für die Nutzung sind erste Einsichten in die Beschaffenheit des dezimalen Stellenwertsystems. Diese müssen zuvor im Unterricht erarbeitet werden.

Hier könnt ihr einen ausführlichen didaktischen Kommentar zur App finden: www.mathematik.tu-dortmund.de
Hier könnt ihr die App im Google-Play-Store finden: Stellenwerte üben (Marcel Moiser, Axel Schulz, Daniel Walter)

App Stellenwert üben, Startbildschirm

Abb.: App Stellenwerte üben, Startbildschirm


Grundlagenmodul Bündeln

Ein zentrales Prinzip des Stellenwertsystems ist das Bündeln. In der Tablet-App „Stellenwerte üben“ wird das Bündeln von Repräsentanten in einem Grundlagenmodul aufgegriffen. Dabei sollen die Kinder einen noch nicht vollständig gebündelten Materialsatz nach Standardteilung bündeln. Im Beispiel sollen 7 Hunderter, 20 Zehner, 73 Einer gebündelt werden: Aus 20 Zehnern werden 2 Hunderter, aus 73 Einern werden 7 Zehner und 3 Einer. Jeweils genau zehn Repräsentanten eines Stellenwertes (bspw. 10 Einerwürfel) können entweder durch einzelnes Antippen oder durch die Lasso-Funktion ausgewählt werden. Ein Touch auf den Bündel-Button führt dazu, dass die ausgewählten Repräsentanten gebündelt werden.

 

App Stellenwert üben, Zahlzeichen Menge

Abb.: App Stellenwert üben, Zahlzeichen Menge

Dabei bietet die App verschiedene Vorteile:

  • Es müssen genau zehn Objekte gebündelt werden. Andere Anzahlen (zum Beispiel, wenn elf Zehner markiert wurden) können nicht gebündelt werden. Diese Funktion stärkt die besondere Rolle der Zehn.
  • Für das Bündeln kann die Vorstrukturierung der Repräsentanten genutzt werden – die „Kraft der Fünf“ und „immer Zehn in einer Reihe“.

 

  • Wenn das Kind den „Bündel-Button“ drückt, werden die zehn Objekte zu einem neuen Objekt zusammengefasst: Zehn Einer werden zu einem Zehner, zehn Zehner werden zu einem Hunderter. Dieses Zusammenfassen und somit der Zusammenhang zwischen den einzelnen Stellenwerten ist für die Kinder direkt visuell nachvollziehbar.
  • Auch der Spaltenwechsel ist direkt visuell nachvollziehbar, da z. B. zehn Zehner nach dem Drücken des „Bündel-Buttons“ sich nicht nur automatisch zusammenziehen, sondern auch in die passende Spalte wechseln, nämlich in die Hunderterspalte.

Übersetzungsmodul Zahlwort → Menge

Im Übersetzungsmodul „Zahlwort → Menge“ wird ein Zahlwort über die Lautsprecher ausgegeben (bspw. „zweihundertdreiundvierzig“). Das Kind hat nun die Aufgabe, die dazu passende Materialdarstellung zu erzeugen: zwei Hunderterplatten, vier Zehnerstangen und drei Einerwürfel. Nach der Bestätigung der Eingabe (Button unten links) erhält das Kind eine Rückmeldung (grüner Haken und „super“).

Natürlich kann auch der Fall eintreten, dass die Repräsentanten nicht vollständig gebündelt sind (bspw. zwei Hunderterplatten, drei Zehnerstangen, vierzehn Einerwürfel). In diesem Fall erhält das Kind die Rückmeldung, dass die Lösung gut sei, dass es jedoch noch weiter bündeln könnte. Wird hingegen zu viel oder zu wenig Material gelegt, wird dies in der Rückmeldung ebenfalls signalisiert.

App Stellenwerte üben, Zahlwort Menge

Abb.: App Stellenwerte üben, Zahlwort Menge

Dabei bietet die App verschiedene Vorteile:

  • Direkte informative Rückmeldungen können die Kinder motivieren und bei der korrigierenden Überarbeitung ihrer Lösung unterstützen.
  • Anders als bei Arbeitsblättern oder der Arbeit im Buch kann bei dieser Aufgabe das Zahlwort Ausgangspunkt der Übung sein, ohne dass das Kind das Zahlwort „zweihundertdreiundvierzig“ lesen muss.
  • Die Objekte können mit mehreren Fingern gleichzeitig hergestellt werden, durch die sogenannten Multi-Touch-Technologie. Hierbei erscheinen so viele Objekte, wie das Kind Finger auf den Bildschirm legt. Auf diese Weise kann ein einzelnes Abzählen vermieden werden.

Übersetzungsmodul Zahlzeichen → Zahlwort

Ein weiteres Übersetzungsmodul befasst sich mit der Übersetzung eines gegebenen Zahlzeichens (bspw. 568) in das entsprechende Zahlwort („fünfhundertachtundsechzig“). Nachdem das Mikrofonsymbol berührt wurde, kann das Zahlwort eingesprochen werden. Die Software gibt daraufhin direkt eine Rückmeldung, ob das genannte Zahlwort zum Zahlzeichen passt. Ist dies nicht der Fall, signalisiert die Software nicht nur, dass ein falsches Zahlwort genannt wurde; es wird auch angegeben, welches Zahlwort das Kind eingesprochen hat (bspw. 586).

Dadurch erhalten die Kinder eine informative Rückmeldung, die über übliche Rückmeldungen von Übungssoftware (richtig/falsch) hinausgeht und somit Hinweise für konstruktive Weiterarbeit mit der App anbietet. Das Kind kann nun erkennen, dass ein Zahlendreher eingesprochen wurde und diesen anschließend durch erneute Spracheingabe korrigieren.

App Stellenwerte üben, Zahlzeichen Zahlwort

Abb.: App Stellenwerte üben, Zahlzeichen Zahlwort

Dabei bietet die App verschiedene Vorteile:

  • Die Reihenfolge beim Eingeben der Ziffern ist nicht vorgegeben (wie zum Beispiel beim Taschenrechner). Auf diese Weise können Zahlendreher vermieden werden und die inverse Sprechweise im Deutschen kann thematisiert werden.
  • Durch die Spracheingabe kann das Kind die Zahlwörter direkt nennen und prüfen lassen. Dies ist mit Printmedien nicht möglich.
  • Direkte informative Rückmeldungen können die Kinder motivieren und bei der korrigierenden Überarbeitung ihrer Lösung unterstützen.

Fazit

Die Tablet-App „Stellenwerte Üben“ bietet Lehrerinnen und Lehrern eine gute Möglichkeit die Schülerinnen und Schüler bei der Festigung ihrer Kompetenzen zur Entwicklung des Stellenwertverständnisses zu unterstützen.

Hierzu ist die unterrichtliche Thematisierung des Stellenwertsystems und seiner Grundlagen und Regeln eine notwendige Voraussetzung.

Durch die automatischen Aufgabenstellungen und die informativen Rückmeldungen eignet sich die Tablet-App besonders für freie Arbeitsphasen. Besonders lohnend wird die Arbeit mit der App, wenn Übersetzungen, Bearbeitungen und verschiedene Vorgehensweisen beim Lösen von Aufgaben im Rahmen von Rechenkonferenzen besprochen werden.

Axel Schulz

Name: Axel Schulz                                   

E-Mailadresse: axel.schulz(at)uni-bielefeld.de

Ich bin Grundschullehrer und im Moment wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Uni Bielefeld. Einige meiner Lieblingsthemen beim Forschen und Lehren sind „Probleme beim Rechnenlernen und wie man damit umgehen kann“, „Ein tragfähiges Stellenwertverständnis und wie man da hinkommt“, „Gute Veranschaulichungen zum Mathelernen und wie man sie findet und nutzt“.

Einige der Lieblingsprojekte, an denen ich gerade mitarbeite sind hier zu finden: pikas.dzlm.de und pikas-mi.dzlm.de

Danke!
13 Leser haben sich für diesen Beitrag bedankt.
Klicke auf's Herz und sag Danke.

Durch die weitere Nutzung der Seite stimmst du der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen